(c) Urban Waste

Im Projekt Urban Waste werden innovative ökologische Strategien für eine nachhaltige Abfallwirtschaft in touristischen Regionen entwickelt. Mit einer WasteApp werden auch die Touristen eingebunden.

Touristen verursachen rund vierzehn Prozent des weltweiten Aufkommens an Siedlungsabfall – so die Schätzung der World Tourism Organisation (UNWTO). Das belastet besonders jene Kommunen, deren Ökonomie wesentlich auf dem Tourismus fußt. Besonders betroffen davon ist Europa: Von den ein komma ein Milliarden touristischen Ankünften weltweit, fallen allein sechshundert Millionen auf Europa (Schätzung UNWTO).

Urban Metabolism-Analyse

Im Vergleich zu anderen Städten stehen touristische Städte besonderen Herausforderungen bei Abfallmanagement und Abfallvermeidung gegenüber – nicht zuletzt durch die saisonalen Spitzen. Im grenzüberschreitenden Projekt Urban WasteUrban Strategies for Waste Management in Tourist Cities sollen politische Entscheidungsträger dabei unterstützt werden, tourismusbedingte Probleme in der Abfallwirtschaft nachhaltig zu lösen. Schließlich trägt eine nachhaltige Abfallbewirtschaftung dazu bei, die touristischen Regionen lebens- und urlaubswert zu erhalten.

Basis des Projekts ist eine Urban Metabolism-Analyse. Urban Metabolism ist eine multidisziplinäre und ganzheitliche Strategieplattform, die Material- und Energieströme in Städten als komplexe – von sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Kräften beeinflusste Systeme – untersucht.

Soziale, ökonomische und ökologische Auswirkungen

Im Projekt Urban Waste wird das Konzept erstmals im Bereich des Tourismus angewendet. Ziel ist es eine einheitliche Methode zur Bewertung touristischer Abfälle zu entwickeln. Parameter sind die touristischen Aktivitäten, die lokalen Besonderheiten und die aktuelle Organisation der Abfallbewirtschaftung.

  • Zu den die Abfallwirtschaft beeinflussenden lokalen Faktoren zählen städtische Grundstrukturen, Architektur, Lebensstile, Verhaltensweisen, sozio-ökonomische Aspekte, etc.
  • Die aktuelle Organisation der Abfallbewirtschaftung wird in Bezug auf Umweltauswirkungen und soziale und wirtschaftliche Aspekte analysiert.

Zirkulärer ökonomischer Ansatz

Durch die Berücksichtigung von Produktions- und Verbrauchsmustern kann ein zirkulärer ökonomischer Ansatz entwickelt werden, der auch wichtige Fragen im Zusammenhang mit der lokalen Entwicklung behandelt – wie Produktion, Beschäftigung und dienstleistungsorientierte Tätigkeiten, die gegenüber Einwegprodukten bevorzugt werden.

Diese Wissensbasis wird mit einer Bewertung bestehender Technologien und Best-Practice-Beispielen in den Bereichen Abfallvermeidung und -bewirtschaftung kombiniert. So können bewährte Verfahren bereitgestellt werden. Durch die Evaluierung der im Projekt entwickelten wirtschaftlichen Strategien soll deren Übertragbarkeit auf andere Städte gesichert werden.

WasteApp für Touristen

Die Umsetzung der entwickelten Strategien soll nicht zuletzt mit einer eigens entwickelten WasteApp unterstützt werden. Diese adressiert Touristen und soll diese über das Abfallsystem informieren und deren Abfallverhalten positiv beeinflussen. Anreiz bietet ein System, das die Vergabe von Punkten bei Einhaltung der bewährten Praktiken vorsieht. Diese können gegen Geschenke oder Dienstleistungen von Städten oder teilnehmenden Einrichtungen eingetauscht werden. Last but not least fördert die WasteApp auch den Dialog. Probleme und Verbesserungsvorschläge können gemeldet werden.

Im Juni 2016 auf Teneriffa, einer der Pilotregionen, gestartet, läuft Urban Waste im Juni 2019 aus. Das Multistakeholder-Konsortium besteht aus siebenundzwanzig Partnern aus zwölf europäischen Ländern. Darunter universitäre und außeruniversitäre Forschungsinstitutionen und Vertreter lokaler und regionaler Behörden und Verbände aus touristischen Regionen.

Das Institut für Abfallwirtschaft (ABF) der Universität für Bodenkultur in Wien bringt seine Expertise in zwei Projekt-Phasen ein:

  • in der Erhebung des Ist-Zustands in den elf beteiligten europäischen touristischen Regionen;
  • bei der Bewertung der ökologischen Auswirkungen der umgesetzten Optimierungs-Strategien;

Lebensmittel-Abfälle reduzieren

Unter der Leitung von Gudrun Obersteiner wurde mittels statistischer Analyse das Abfall-Aufkommen pro Übernachtung ermittelt. Die Analyse ergab, dass pro Urlauber und Übernachtung bis zu zwei Kilogramm Abfall am Urlaubsort zurückbleiben. Dabei sind es besonders Lebensmittel-Abfälle, die sich negativ auf den Treibhauseffekt auswirken. Maßnahmen, die daraus entwickelt wurden, waren die Vermeidung und die getrennte Sammlung sowie die Nachbehandlung von Lebensmittel-Abfällen:

  • Durch die Einführung eines Food Waste Tracking Systems konnten Restaurant-Betreiber auf die großen Mengen an Lebensmittel-Abfällen sensibilisiert werden. Dies resultierte in der Einsparung von insgesamt einhunderteinundachtzig Tonnen CO2-Äquivalenten im Projektzeitraum. Diese Einsparung entspricht 1.400.000 gefahrenen Personenkraftwagen-Kilometern oder den jährlichen Treibhausgas-Emissionen von zwanzig Österreichern.
  • Die Einführung von Doggy Bags ergibt pro Kilogramm vermiedenem Lebensmittelabfall eine Reduktion an Treibhausgasemissionen von bis zu drei Kilogramm CO2. Doggy Bags sind Behälter, in welchen Gäste ihre Mahlzeitreste für ihre Hunde mitnehmen können.

Insgesamt waren es zweiundzwanzig Maßnahmen, die getestet und evaluiert wurden. Jede einzelne führte zu einer beachtlichen Einsparung an Treibhausgas-Emissionen.

Das Projekt Urban Waste wurde durch das EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 finanziert und von der Regierung der Kanarischen Inseln koordiniert. Folgende Pilotregionen waren beteiligt: Azoren (Portugal), Dubrovnik (Kroatien), Florenz (Italien), Kavala/Thrakien (Griechenland), Kopenhagen (Dänemark), Lissabon (Portugal), Nicosia (Zypern), Nizza (Frankreich), Santander (Spanien), Syrakus (Italien) und Teneriffa (Adeje, Arona, Puerto de la Cruz) (Spanien).

Nähere Informationen zu Urban Waste erhalten Sie auf der Projekt-Website: http://www.urban-waste.eu/

 

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie verfolgt neue Trends in Gesellschaft, Design, Technologie und Wirtschaft findet es spannend, interdisziplinäre Tendenzen zwischen den verschiedenen Bereichen zu beobachten. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.