In einem länderübergreifenden Projekt wollen Gebirgsforscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) umweltfreundliche Technologien aus der Smart City­-Forschung auf Skiressorts übertragen – und testen. Ziel ist die Entwicklung eines WebGIS Planungstools für smarte Skiressorts.

Viele alpine Regionen sind vom Wintersport-Tourismus abhängig. Das Beschneien und Präparieren von Pisten, das Betreiben von Skiliften und Hotelanlagen sowie der damit verbundene Verkehr benötigen Energie und belasten die Umwelt. Die intensive Ressourcennutzung und die damit verbundenen CO2-Emissionen sind mit jenen in urbanen Regionen vergleichbar. Nachhaltige Strategien stehen bis dato noch aus.

Smart Cities

Im eben gestarteten Forschungsprojekt Smart Altitude soll das Konzept der Smart Cities an Skiressorts erprobt werden, um Strategien zur Reduktion von CO2-Emissionen zu entwickeln. Mit den Ergebnissen will man Entscheidungsträgern ein Planungstool für smarte Skiressorts liefern.

im Konzept der Smart Cities geht es vorwiegend um die Nutzung von Informations- und Kommunikations-Technologien zur Optimierung von Städten, erklärt die Projektmitarbeiterin Annemarie Poldermann vom Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung an der ÖAW. Durch eine Vernetzung von Infrastrukturen soll zum Beispiel der Verkehr, das Energiemanagement oder die Verwaltung effizienter gestaltet werden, um so einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten. Dem Konzept liegt der Glaube an den technischen Fortschritt zugrunde. Das kann man auch kritisch sehen – im Hinblick auf die Gefährdung der Privatsphäre, so Poldermann.

Drei Testregionen

Am Projekt sind zehn Partner aus sechs Alpenländern beteiligt. Die Projektleitung obliegt der Gemeinde Les Orres in Frankreich, die neben Madonna di Campiglio in Italien und Krvavec in Slowenien zu den drei Testregionen zählt. Die Forschung erfolgt in der Zusammenarbeit von wissenschaftlichen Institutionen, Gemeinden und Regionalentwicklungsagenturen sowie Skigebietsbetreibern.

Österreichischer Kooperationspartner ist das Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung an der ÖAW. Projektmitarbeiter Andreas Haller sieht viel Potenzial in der Nutzung lokaler erneuerbarer Energien. Zunächst bestehe aber noch Bedarf an angewandter Forschung.

Erneuerbare Energien

In der ersten Forschungsphase werden von den Energie-Ingenieuren der Fondazione Bruno Kessler in Trient Sensoren an relevanten Komponenten wie Pistenraupen, Schneekanonen und Beheizung installiert, um den Energieverbrauch zu messen – und die Entwicklung des Energieverbrauchs im Saisonverlauf.

Das Institut für Interdisziplinäre Gebirgsforschung bringt seine Kompetenz in der Entwicklung von internetbasierten Geographischen Informationssystemen (WebGIS) ein. Dabei geht es um die Ermittlung von Art und Menge der Quellen für erneuerbare Energie vor Ort. Zu prüfen ist etwa die Verfügbarkeit von Biomasse, Solar- und Hydropotenzial sowie Geothermie.

Die entscheidenden Daten werden via WebGIS verfügbar gemacht. Dieses ist kostenfrei nutzbar. Auch die Software ist frei und kann beliebig weiterentwickelt werden.

WebGIS

Haller beschreibt das System als eine Art Atlas mit verschiedenen Karten, die von den Projektpartnern berechnet wurden. Aus den Karten geht die Raumstruktur hervor – das heißt Besiedlung sowie Wald-, Wiesen- und Ackerflächen, … Das System lässt aber auch Abfragen zu – wie etwa : ‚Wie viel Brennholz gibt es theoretisch pro Einwohner in meiner Gemeinde?

Hier finden Sie das WebGIS aus dem vorangegangenen Projekt Alpes

Im Projekt Smart Altitude wird WebGIS genutzt, um die erneuerbaren Energieträger zu kardieren – das Windpotenzial für Windenergie, das Solarpotenzial für Photovoltaik, das Hydropotenzial für die Wasserkraft, …

Den Nutzern soll WebGIS zu besseren Entscheidungen verhelfen. Zum Beispiel in der Frage nach dem besten Standort für ein Hotel.

Herausforderungen

Die drei Testregionen sind sehr verschieden – in der Anordnung der Siedlungen, der Weite des Liftnetzwerks aber auch der Verwaltung; Faktoren, die für die Gewinnung alternativer Energien wichtig sind. Dazu ein kleiner Einblick:

  • Les Orres ist ein 1970 gegründetes Skiressort, das geplant wurde und stark zentralistisch verwaltet wird. Lifte, Schneekanonen, Kongresszentrum und selbst das Tourismusbüro und das lokale Buchungssystem sind in der Hand einer privaten Firma, an der die öffentliche Hand mit neunundneunzig Prozent beteiligt ist.
  • Das Skiressort Madonna di Campiglio ist kompakt besiedelt und von familiengeführten Hotels geprägt. Im Aufeinandertreffen von öffentlichen und privaten Akteuren ergeben sich verschiedene Interessen.
  • Krvavec ist ein vergleichsweise kleines Skigebiet, das aufgrund seiner Entstehungsgeschichte keinen richtigen Ortskern aufweist. Das Liftnetzwerk ist relativ klein.

Smart Altitude wird im Rahmen des Alpenraumprogramms vom Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung kofinanziert.

 

Madonna di Campiglio (c) Michal Průcha on Unsplash

 

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