© Pixabay - Gerd Altmann

Ein Spin-off der Universität Graz fand innerhalb kürzester Zeit einen vorhandenen Wirkstoff, der gegen das Coronavirus 2019-nCoV eingesetzt werden kann. Der schnelle Erfolg von Innophore, so der Name des Spin-off, basiert auf der eigens entwickelten computerbasierten Plattform.

Die zu Jahreswechsel aus der chinesischen Stadt Wuhan bekannt gewordene Coronavirus-Epidemie wird auf ein zuvor unbekanntes Coronavirus zurückgeführt, das von bestimmten Wirbeltieren auf den Menschen übertragbar ist. Bei den Betroffenen ruft es eine schwere Lungenentzündung hervor. Es kam bereits zu Todesfällen.

Coronavirus 2019-nCoV

Am 13. Januar 2020 wurde die komplette Genomsequenz eines Isolats des neuen Coronavirus in der NCBI-GenBank hinterlegt, einem der drei großen DNA-Sequenzdatenbanken. Nahezu gleichzeitig wurde ein erstes Nachweisverfahren publiziert. Die seither von der World Health Organisation (WHO) verwendete Bezeichnung 2019-nCoV gilt als vorläufig.

Die Veröffentlichung des Genoms war der Moment für Innophore. Das Spin-off hatte mit der Catalaphore-Plattform eine Suchmaschine für die pharmazeutische Industrie sowie für industrielle Prozesse entwickelt. Basierend auf Künstlicher Intelligenz und Big Data  kann diese schnell und kostengünstig Enzyme und Wirkstoffe finden. Im Normalfall erfordert dieser Prozess aufwändige und langwierige Tests in chemischen Laboren. Im Fall von Viruserkrankungen, wie dem Coronavirus 2019-nCoV ist Zeit ein wichtiger Faktor – und der große Vorteil der Catalaphore-Plattform.

 

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Bio-informatische Prozesse (c) Andreas Schlesinger

Foto: Mittels bio-informatischer Prozesse fand das Start-up Innophore das Schlüsselenzym und Wirkstoffe zur Bekämpfung des Coronavirus 2019-nCoV.

Suche nach Gegenwirkstoff

Gleich nach Veröffentlichung des Genoms machte sich das Team Innophore aus Eigeninitiative auf die Suche nach einem Schlüsselenzym dieser Virenklasse – und wurde fündig. Dieser Fund war die Basis für die weitere Suche nach Wirkstoffen, die für andere Viren bewilligt wurden und die zumindest theoretisch zur Bekämpfung des Coronavirus 2019-nCoV geeignet sein könnten; und auch bei dieser Suche führte die Catalaphore-Plattform zum Erfolg.

Dieses Finden von bereits bewilligten Arzneimitteln für neue pharmazeutische Zwecke läuft in Forschungskreisen unter den Bezeichnungen Drug Repurposing oder Drug Repositioning.

Konsortium zur Bekämpfung des Coronavirus 2019-nCoV

Nach Veröffentlichung der Ergebnisse wurde Innophore von einem Vertreter eines großen Pharmakonzerns in Peking kontaktiert. Seither arbeitet das Spin-off in einem Konsortium an Vorschlägen für mögliche Medikamente gegen das Coronavirus 2019-nCoV. Neben dem Pharmakonzern sind in dem Konsortium das Chinese Center for Disease Control and Prevention und ein Team an ausgewählten Bio-Informatikern aktiv.

Ob der von Innophore ermittelte und empfohlene Wirkstoff tatsächlich die gewünschte Wirkung gegen das Virus erzielt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Innophore wurde 2017 als Spin-off der Universität Graz und des Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib) von Christian Gruber, Georg Steinkeller und Karl Gruber gegründet. Mit der EOSS Industries als strategischen Investor baute sich das Unternehmen einen internationalen Kundenstock auf, zu dem renommierte Big Player wie Merck oder Henkel zählen.

Hier finden Sie einen Link zum Blogbeitrag von Innophore zum Thema.

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie verfolgt neue Trends in Gesellschaft, Design, Technologie und Wirtschaft findet es spannend, interdisziplinäre Tendenzen zwischen den verschiedenen Bereichen zu beobachten. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.