Parkbob startete vor vier Jahren mit einer App für parkplatzsuchende Autolenker in Wien. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte das Start-up seine Services weiter. Heute ist es Experte für digitale Mobilitätsdienstleistungen und kooperiert mit Shared Mobility-Anbietern weltweit.

Vier Jahre nach Gründung ist die Unterstützung bei der Parkplatzsuche auch schon bei Amazons Sprachsteuerung integriert. Jetzt ist es Alexa, die Fahrzeuglenkern Auskunft über freie Parkplätze und Parkgebühren gibt. Bald soll Parkbob auch für Navigationsgeräte und incar-Systeme verfügbar sein. Dabei ist das Service für die Kunden immer kostenlos. Das eigentliche Profit-Center liegt im B2B-Bereich und dabei konkret in den Bereichen Mobilität und Automotive.

Es waren mehrere Faktoren, die zum raschen Wachstum von Parkbob führten: Entscheidend waren jedoch Risikokapitalfinanzierung, die Expansion in die USA und Diversifizierung. Heute deckt Parkbob insgesamt sechzig Städte weltweit ab. Kooperationspartner ist Reach Now von BMW/Daimler.

Der Gründer Christian Adelsberger im Interview:

 

Parkbob, Christian Adelsberger

Christian Adelsberger (c) Parkbob

Wie würden Sie die Unternehmensaktivitäten von Parkbob zusammenfassen?

Wir sind vor vier Jahren mit Parken auf der Straße gestartet, machen mittlerweile aber viel mehr. Dabei spielt die Nutzung des urbanen Raums eine große Rolle. Es geht um die letzte Meile. Wir unterstützen Unternehmen im Bereich Mobilität und Automotive, alle Mobilitätsprozesse zu digitalisieren – und das auf drei Ebenen. Wir digitalisieren …

  •  … den urbanen Raum – Städte haben zwar Geodaten, aber nicht vollständig.
  • … die Nutzungsregeln, die für den urbanen Raum gelten. Circa sechzig Prozent des Parkraums sind geregelt.
  •  … das Nutzungsverhalten, um das Service dort verfügbar zu machen, wo wirklich Nachfrage besteht. Damit helfen wir Shared Mobility-Anbietern, ihre Flotten so zu verteilen, dass sie die Nachfrage bedienen. Normalerweise sind die Geräte unregelmäßig verteilt. Wir zeigen, wie sie verteilt sein müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Der Namensschale entwachsen, werden wir uns bald einen neuen Namen geben, der generischer und allgemeiner wird – mit Konnotationen zu Urbanität und Mobilität.

Was war Ihr Zugang zu Parkbob?

Es war die persönliche Erfahrung, Frustration darüber, wie Parken in der Stadt funktioniert. Ich habe einmal nach stundenlanger Autofahrt mit der Familie vierzig Minuten Parkplatz gesucht. Damals dachte ich: Das muss doch besser gehen! Nach einigem Überlegen bin ich draufgekommen, dass es ja eigentlich nur ein Informationsdefizit ist. Das war der Zündfunke.

Ich bin Betriebswirt, habe in Innsbruck studiert und war dann lang in London, Seattle und Berlin. Dort bin ich rasch im Start-up-Business gelandet und die Dynamik hat meinem Wesen entsprochen. Durch den Sektor Finanzdienstleistungen habe ich in verschiedenen Industrien gearbeitet, die von der Digitalisierung erfasst waren. Schon damals war erkennbar, dass sich nicht nur Services ändern werden, sondern auch die Strukturen. Im Bereich Mobilität war mir klar, dass der Sektor so stark von der Digitalisierung erschüttert werden wird, dass die Umwälzungen sicher zwanzig Jahre andauern werden.

Was ist Ihre Motivation? Welches Problem lösen Sie und warum ist das wichtig?

Mir geht es darum, etwas Erfolgreiches Großes zu bauen und das hat das Kleid eines Unternehmens. Etwas zu schaffen, das einen positiven Einfluss auf Menschen hat. Das Problem, das wir mit Parkbob lösen, sind die Ineffizienzen, die in der urbanen Mobilität bestehen. Etwa zwanzig Prozent der Verkehrsprobleme im innerstädtischen Verkehr sind auf Parkprobleme zurückzuführen.

Was war das größte Hindernis, das Sie überwinden mussten? Gab es einen Moment in dem Sie aufgeben wollten?

In meiner Erfahrung wachsen die Hindernisse mit dem Erfolg – auch weil die eigenen Ansprüche steigen. Das erste Hindernis tauchte schon in der Gründungsphase auf, als ich erfuhr, dass der Techniker, der mich im Ideenstadium begleitete, nicht mitmachen will. Als Start-up muss man muss sich von vornherein darüber im Klaren sein, dass man jahrelang dem Risiko ausgesetzt ist.

Später war es nicht ganz selbstverständlich, in die USA zu expandieren. Als österreichisches Unternehmen auf internationaler Ebene überhaupt wahrgenommen zu werden, ist nicht einfach. Aber das haben wir gut gemeistert. 2019 werden wir den größten Teil des Umsatzes in Nordamerika erwirtschaften.

Wie kam die Expansion in die USA?

Wir arbeiten in unserem Kundensegment hauptsächlich mit internationalen Unternehmen – das heißt, wir müssen ebenfalls internationale Abdeckung mitbringen, wenn wir interessant sein wollen. Außerdem hatte ich aufgrund meiner persönlichen Historie Interesse daran. Ich habe meine ersten Berufserfahrungen im Ausland gemacht – in London, Seattle und Berlin.

Was waren die bisher schönsten Momente? Welche Leistungen haben Sie wirklich stolz gemacht?

Wir haben bei null angefangen. Am Anfang hatten wir ein Büro mit dreizehn Quadratmetern und einem halben Mitarbeiter. Mit der ersten Finanzierung kamen die ersten Mitarbeiter – und das meist direkt von der Uni. Dabei war es schön zu sehen, wie rasch sich Mitarbeiter oft in kurzer Zeit zu Experten auf ihrem Gebiet entwickeln.

Was können wir im kommenden Jahr von Ihnen erwarten?

Wir werden unsere Entwicklungsarbeit auf die USA konzentrieren und vieles davon nach Europa zurückführen. Insbesondere sind es die Erfolge aus Car- und Scooter-Sharing, die wir nach Europa bringen wollen. Dazu werden wir Kooperationen eingehen und ausbauen.

Wo möchten Sie mit Ihrem Unternehmen in fünf Jahren sein – was ist Ihr höchstes Ziel?

In fünf Jahren soll das Unternehmen ein etablierter globaler Player sein, der wesentlich dazu beiträgt, mehr Menschen Zugang zu leistbarer Mobilität zu geben.

Was macht Ihre Innovation besser oder anders als existierende Dinge?

Aufgrund der beschränkten Mittel als kleines Start-up haben wir früh begonnen, skalierbare Methoden und Technologien einzusetzen – künstliche Intelligenz, Data Science und Machine Learning.

Danke für das Gespräch.

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