Alternative Energien sind immer weiter auf dem Vormarsch – auf der Straße und im Sport auf vier und zwei Rädern und nun auch auf dem Wasser. Elektroantriebe, Solarenergie, Wasserstoff, alles ist besser als fossile Brennstoffe, die nicht nur in ihren Ressourcen begrenzt sind, sondern auch die Umwelt mehr oder weniger belasten. Während die neue Art der Mobilität auf der Straße schon soweit fortgeschritten ist, dass es bereits Rennserien gibt (Formel E seit 2015, MotoE seit 2019) ist man auf dem Wasser noch nicht ganz soweit. Da sind bislang nur Prototypen künftiger Boote zu sehen. Am vergangenen Wochenende waren solche Prototypen an der Côte d‘Azur zu sehen, als Fürst Albert von Monaco zur „Monaco Solar & Energy Boat Challenge“ eingeladen hatte.

Ziel der Veranstaltung, die von der International Powerboating Federation (UIM) und der Prince Albert II. of Monaco Foundation organisiert wurde, war, „Lösungen für nachhaltigen Wassersport“ zu präsentieren und in die Praxis umzusetzen. Die sechste Ausgabe des weltweit einzigartigen Wettbewerbs mit 34 Teams aus 14 Nationen ermöglichte wieder einen Ausblick auf die Zukunft, bei dem Forscher, Wissenschaftler, Ingenieurstudenten und Fachleute aus den Bereichen Yachting und Energie ihre Ideen der Öffentlichkeit präsentierten. „Die Aus- und Weiterbildung unserer jungen Menschen, ihre Entwicklung, Kreativität, Sensibilisierung und ihr Engagement sind die Garanten für eine bessere Zukunft“, sagte Fürst Albert. „Geben wir ihnen eine Chance, geben wir ihnen alle Werkzeuge, die sie für ihren Erfolg brauchen, und vor allem vertrauen wir ihnen.“

© YCM – Studio Borlenghi

Prototypen in drei Klassen

Die Teilnehmer kämpften in drei Klassen um Siege und Platzierungen: Energieklasse, Solarklasse und Offshoreklasse. Das größte Feld verzeichnete die in zwei Hauptkategorien – A-Klasse und Offene Klasse – unterteilte Solarklasse mit 19 Teilnehmern. Am Ende hatten in beiden Klassen die Niederlande die Nase vorne. In der offenen Klasse siegte Team New Nexus mit einem Vorsprung von 287 Punkten auf den Zweitplatzierten. In der A-Klasse belegte Team Sunflare Platz 1.

Die Niederlande war mit Studenten des TU Delft Solar Boat Teams auch in der Offshore-Klasse stark vertreten und kämpften mit dem Vita Yachts Team aus Schottland um den Sieg. Am Ende wurde „gerecht geteilt“. Während die Niederländer das lange 32nm Rennen ohne Nachladen für sich entschieden, gewannen die Schotten das 16nm Langstreckenrennen mit Nachladen. Allerdings stand bei Team Niederlande nicht der Speed im Fokus, sondern die Reichweite.

In der erst im vergangenen Jahr eingeführten Energieklasse traten sieben Teilnehmer gegeneinander an. Ziel dabei war herauszufinden, wer das leistungsstärkste und langlebigste Antriebssystem für einen Standard-Katamaran des YCM entwickelt hatte. Der Sieg ging hier an das französische Wave ESTACA Team, das alle Wettbewerbe der Klasse dominierte.

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Kein eindeutiger Favorit

Insgesamt tauschten sich mehr als 400 Teilnehmer, Aussteller, Referenten und schätzungsweise tausend Besucher an den vier Tagen der Veranstaltung über Innovationen im Bereich Boote aus. „Die Monaco Solar & Energy Boat Challenge leistet einen Beitrag zum Nachdenken über die Zukunft des Segelns“, erklärte YCM-Generalsekretär Bernard d’Alessandri. „Mit dieser Veranstaltung und als Teil des Projekts, Monaco zu einer Yachthauptstadt zu machen, bildet das Fürstentum einen Knotenpunkt für Experimente von Industrie, Ingenieuren, Werften, Studenten und Eigentümern, um die energie- und umweltpolitischen Herausforderungen des nautischen Sektors zu bewältigen.“

Am Ende zeigte sich, dass es im nautischen Bereich keinen eindeutigen Favoriten für ein Antriebskonzept gibt. Da scheint einerseits Wasserstoff eine effektive Alternative zu traditionellen Antrieben zu sein, aber auch die Solarenergie und hybride Lösungen haben sich bewährt. Ein Beispiel dafür ist die niederländische Gruppe SBM Offshore, die ihren größten Standort mit rund 900 Mitarbeitern in Monaco hat. Das Unternehmen zeigte sein thermoelektrisches Projekt mit Wasserstoff als Energiequelle. Dabei wird die von der Brennstoffzelle erzeugte Wärme so optimal genutzt, dass die Batterie einen Wirkungsgrad von fast 60% hat. Der Prototyp wurde mit dem Innovationspreis der Credit Suisse ausgezeichnet.

Für die Verastaltung 2020 haben sich jetzt bereits mehr als ein Dutzend Teams angemeldet, darunter auch eines vom Visun Royal Yacht Club in China. Die deutsche Werft Nobiskrug hat ebenfalls zugesagt, im kommenden Jahr zurückzukommen und hat auch schon potentielle neue Mitarbeiter gefunden. Gleiches gilt für den Schiffsmotorenhersteller Torqueedo, der eine Flotte von Elektro-Tendern präsentierte. Außerdem haben wahrscheinlich insgesamt rund 20 junge Menschen dank der „Job Dating“ Initiative des Yacht Club de Monaco im Rahmen dieser Veranstaltung eine Anstellung gefunden.

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Tech Talks

Das Ende der Veranstaltung bildeten Tech Talks, bei denen die Teams die Möglichkeit hatten, ihr Projekt vorzustellen – und andere zu inspirieren. So, wie das Start-up FinX mit seiner elektrischen biomimetischen Membran, das auf der Art basiert, auf die Fische ihre Flossen zum Schwimmen benutzen. Sie wurde als Ersatz für Bootspropeller konzipiert. Professor Paolo Schinto vom Politecnico di Milano stellte sein Projekt vor, an dem er mit seinem Team arbeitet: Das Recycling von Lithium-Ionen-Batterien.

Der Yacht Club de Monaco nutzte die Gelegenheit, seinen künftigen Null-Emissions-Ausschuss für Regatten und alle Arten von Veranstaltungen vorzustellen, die der Club das ganze Jahr über organisiert. So hat Marinebauer Espen Oeino einen 100% umweltfreundlichen Katamaran entworfen. Dank des technischen Know-Hows von Dario Calzavara (Terra Modena), der bei der Monaco Solar & Energy Boat Challenge zum Design des Lanéva-Prototypen beigetragen hat, wird das Boot so leise und ohne CO2-Emissionen sein, dass es zur Beobachtung von Walen vor dem Fürstentum genutzt werden soll.

Gewinner der 6. Ausgabe der Monaco Solar & Energy Boat Challenge:

Energieklasse: Wave ESTACA (Frankreich)
Offshore-Klasse, langes Rennen: TU Delft Solar Boat Team (Niederlande)
Offshore-Klasse, Langstreckenrennen: VITA Yachts (Schottland)
Solar Offene Klasse: Neuer Nexus (Niederlande)
Solar A-Klasse: Sonnenblende (Niederlande)
Geschwindigkeitsrekord: Anvera Elab (Italien) 74,49 km/h (übertraf damit den bisherigen Rekord von 2016 mit 49,10 km/h)
Innovationspreis: SBM Offshore (Monaco) Solarboot Twente (Pays-Bas) HydroVinci (Frankreich)
Best Tech Talk Preis: Solarboot Twente (Pays-Bas)