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Belastbar, ressourceneffizient, klima- und umweltfreundlich, sicher und lückenlos soll das Mobilitätssystem der Zukunft sein – so das EU H2020 Work Programme Smart, green and integrated transport. Was mühelos klingt, verlangt eine ganzheitliche Betrachtung und eine umsichtige Planung. Die Zielvorgaben sind mitunter widersprüchlich – und Zielkonflikte und vielfältige Wechselwirkungen zu berücksichtigen.

Laut Pariser Klimaabkommen muss der Anstieg der weltweiten Durchschnittstemperatur möglichst auf 1,5 Grad begrenzt werden. Auch Österreich hat sich dazu verpflichtet, sieht sich aber im Sektor Verkehr vor einer großen Herausforderung. Der Verkehr ist mit einem Anteil von 28,8 Prozent zweitgrößter Verursacher von Treibhausgas-Emissionen. Während in den anderen relevanten Sektoren Energie und Industrie, Gebäude und Landwirtschaft die Treibhausgas-Emissionen zwischen 1990 und 2016 reduziert werden konnten, verzeichnete der Verkehrssektor im gleichen Zeitraum einen massiven Anstieg um 66,7 Prozent (Quelle: Anderl et al 2018).

Bedarf an disruptiven Technologien

Die Experten im AIT Center for Mobility Systems sehen Bedarf an disruptiven Technologien. Elektromobilität oder der Einsatz biogener Treibstoffe, können einen großen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten, werden aber für eine umfassende Mobilitätswende nicht ausreichen. Es brauche darüber hinaus neue Organisationsformen von Mobilität, vor allem aber ein verändertes Mobilitätsverhalten jedes einzelnen Bürgers.

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Menschenzentriertes Mobilitätssystem

Um einen Beitrag zum Diskurs über die Mobilität der Zukunft zu leisten, veröffentlichte das AIT Center for Mobility Systems das Perspektivenpapier Nachhaltig, sicher & digital: Perspektiven für ein menschenzentriertes Mobilitätssystem. In dem Papier werden Trends und Rahmenbedingungen aufgezeigt. Unter anderem wurden drei Prinzipien für ein klimagerechtes Mobilitätssystem festgemacht: Effizienz, Konsistenz und Suffizienz.

Effizienz

Mit Effizienz ist das Verhältnis zwischen Ressourceneinsatz und erzielten Ergebnissen gemeint. Problematisch ist, dass Effizienzsteigerung oft durch Rebound-Effekte verwässert oder sogar aufgehoben wird. So sollten etwa in der Vergangenheit sparsamere Motoren zu Treibstoffeinsparungen führen. Tatsächlich wurden im Gegenzug leistungsstärkere Autos verkauft, mit denen öfter und länger gefahren wurde.

Die Forschenden im AIT Center for Mobility Systems sehen einen starken Klima-Effekt in der effizienteren Nutzung vorhandener Ressourcen – zum einen durch Pooling und zum anderen durch Vermeidung von Leerfahrten. Handlungsbedarf sehen sie vor allem in Gebieten mit geringerer Bevölkerungsdichte. Hier die zentralen Themen:

  • On-Demand-Services zur Vermeidung von Leerfahrten von Linienbussen und Individualverkehr;
  • Horizontale Kooperationen für eine betreiberübergreifende Zustellung;

Konsistenz

Konsistenz zielt auf die Vereinbarkeit von Natur und Technik. Dies ist zum Beispiel durch die Verlagerung auf biogenen Treibstoff der Fall. Hürden in diesem Innovationsfeld sind noch mangelnde technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit. Dennoch trägt das Konsistenz-Prinzip enorm zu einem nachhaltigen Mobilitätssystem bei, sind die Experten des AIT Center for Mobility Systems überzeugt. Hier die Maßnahmen im Überblick:

  • Verlagerung zu alternativen Antriebssystemen wie Batterie oder Wasserstoff inklusive einer umweltschonenden Fahrzeug- und Antriebsproduktion;
  • Förderung aktiver Mobilität wie zu Fuß gehen oder Radfahren;
  • Verlagerung des Personen- und Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene oder die verstärkte Nutzung von Binnenschifffahrt für den Gütertransport;

Voraussetzung für diese Maßnahmen ist eine zukunftsorientierte Verkehrsinfrastruktur, welche die Mobilitätsformen erst möglich macht.

Suffizienz

Das Suffizienz-Prinzip erfordert eine verantwortungsvolle Ressourcennutzung und somit eine Änderung des menschlichen Mobilitätsverhaltens. Die Experten des AIT Center for Mobility Systems denken ein individuelles Mobilitätskonto an, das für jede Person die maximal verträgliche Menge an Emissionen in einem bestimmten Zeitraum anzeigt. An dieser Stelle orten sie jedoch noch großen Bedarf an umfassender Forschungsarbeit.

Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs wäre der Einsatz von Technologien wie Virtual Reality, der so manche Reise überflüssig machen würde.

Nur in der konsequenten Verbindung dieser drei Prinzipien scheint den Experten des AIT Center for Mobility Systems ein zukunftsorientiertes und klimaverträgliches Mobilitätssystem möglich.

Zur Originalpublikation

 

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger ist Schriftstellerin. Sie lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie interessiert sich für neue Trends in Design, Technologie und Wirtschaft. Sie ist besonders gespannt auf interdisziplinäre Tendenzen zu entdecken und Grenzen zwischen verschiedenen Disziplinen zu verwischen. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.