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In seinem bekannten Buch der „Schwarze Schwan“ analysiert Nassim Nicolas Taleb de Einfluss höchst unwahrscheinlicher Ereignisse auf unser Leben. Veranschaulicht am Schwarzen Schwan, der in Europa für nichtexistierend gehalten wurde, weil es hier keine schwarzen Schwäne gibt, bis dann durch die ersten Auswanderer in Australien schwarze Schwäne entdeckt wurden.

Ganz aktuell erleben wir gerade wieder einen solchen schwarzen Schwan. Völlig überraschend verändert der sogenannte Corona-Virus die Welt. Was vor ein paar Monaten noch perfekt funktioniert hat, internationale Lieferketten, weltweite Reisemöglichkeiten, das Gefühl von Sicherheit – zumindest in Europa, wird gerade und vor unseren Augen, ohne dass wir wirklich etwas dagegen tun können, massiv eingeschränkt. Der Corona-Virus erschüttert unsere Grundannahmen einer globalen, vernetzten und sicheren Welt. Er zeigt uns auf, wie labil und abhängig unsere Welt ist.

VUCA Welt

Dabei passt er hervorragend in unsere VUCA Welt. Seine Auswirkungen sind höchst volatil, es besteht eine sehe hohe Unsicherheit bezüglich seiner gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung, sein Einfluss auf uns und unser Leben ist äußerst komplex und wir haben, Stand heute, noch keine Ahnung, wie wir ihm wirksam begegnen sollen bzw. welche Bereiche unseres Lebens alle betroffen sein werden. Eigentlich ein typischer Vertreter unserer sogenannten VUCA Welt.

Warum tun wir uns o schwer mit diesen schwarzen Schwänen? Den für uns vollkommen unerwarteten Ereignissen, von denen wir glaubten, dass es sie nicht gäbe, und wenn, dass sie uns niemals betreffen würden?

Menschen sind die Summe ihrer Gewohnheiten. Ohne sie, ohne Routinen, Glaubenssätze und Denkmuster (Biases) könnten wir kaum überleben. Wir müssten, amerikanischen Studien zufolge, über 30.000 bewusste Entscheidungen am Tage treffen. Das wäre eine Entscheidung alle 2 Sekunden. Jeder, der schon einmal sehr viele Entscheidungen in kurzer Zeit hat treffen müssen weiß, wie sehr dies kognitiv erschöpfend sein kann.

Orientierung und Sicherheit

Diese Schwarzen Schwäne fordern unsere Gewohnheiten, Glaubenssätze und Denkmuster heraus. Weil sie und mit etwas Neuem konfrontieren, das wir so nicht erwartet haben. Und das wir, je nach Persönlichkeit und Betroffenheit, als Bedrohung interpretieren und mit Angst reagieren. Hinzu kommt, dass wir dazu neigen, auf der Basis unserer Erfahrungen und Prägungen die Vergangenheit in die Zukunft zu extrapolieren. Meistens einigermaßen linear. Dies tun wir, weil uns dies Orientierung und Sicherheit gibt. Und weil exponentielles Denken für viele Menschen anspruchsvoll und anstrengend ist. Also neigen wir dazu, lieber in linearen Zusammenhängen zu denken.

Das dies falsch ist wissen wir. Wir wissen, dass die Welt sich nicht linear entwickelt, sondern eher exponentiell – und das in vielen Lebensbereichen. Man nehme hier nur die Entwicklung in der Halbleitertechnik, in der Digitalisierung oder der Umwelttechnik. Innovationen sind Antworten auf die Anforderungen und Herausforderungen der jeweiligen Zeit. Sie sind so zusagen, die Disruption des Problems. Die sogenannten Schwarze Schwäne zeigen uns auf, unser Weltbild aus Routinen und Denkmustern herauszufordern und anzupassen. Sie weisen uns darauf hin, wo wir unser Weltbild in Frage stellen müssen und neue Antworten und Lösungen finden müssen.

Keine Schwarze Schwäne?

Und diese schwarzen Schwäne gibt es nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen. Z.B. wenn Start-Ups in Folge ihres Wachstums an sogenannte Wachstumsschwellen stoßen und ihre Organisation, Kommunikation und Entscheidungswege anpassen müssen. Viele Startups scheitern an diesem Punkt, weil die Gründer sich nicht and die Gegebenheiten anpassen wollen und ihre Kultur (= Summe der Gewohnheiten im Unternehmen) um jeden Preis behalten wollen. Nun sind Wachstumsschwellen keine schwarzen Schwäne. Oder? Für Gründer, die nicht wahrhaben wollen, dass sich ihr Unternehmen im Laufe der Zeit verändern wird, die glauben, dass diese Veränderungen nur bei anderen existieren und sie selbst nicht betreffen werden, sind auch Wachstumsschwellen schwarze Schwäne.
Welche schwarzen Schwäne gibt es in Deinem Leben?

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Über den Autor

Author profile picture Über 20 Jahre habe ich mein eigenes Unternehmen geführt, mit mehr als 270 Mitarbeitern an 5 Standorten in Europa Kunden in 43 Ländern beliefert, Unternehmensnachfolge, Internationalisierung und Expansion erlebt – aber auch Marktzusammenbruch, Insolvenz und Neuaufbau gemeistert. Als Unternehmer kenne ich Spitzenzeiten wie auch Existenzängste. Heute berate und begleite ich zum einen Unternehmer, die momentan ähnliches erleben wie ich damals. Aber ebenso bin ich ebenbürtiger Ansprechpartner für Unternehmer, die schon erfolgreich sind und strategisch noch weiter an ihrem Erfolg und dem ihres Unternehmens feilen möchten. Familiengeführte Unternehmen und ihre Führungskräfte sind meine Welt. Für diese bin ich Sparringspartner in allen Belangen ihrer Unternehmerrolle. Als Scout richte ich den Fokus auf das, was im Markt passiert, was ich dort sehe und wahrnehme und für meine Kunden interessant sein könnte. Und all das immer mit praxisrelevanten, wissenschaftlichen Erkenntnissen gefüttert, die ich mit meiner Erfahrung und meinem Know-how reflektiere.