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Jedes Jahr werden alleine in Deutschland rund 460.000 Menschen wegen einer chronischen Herzschwäche ins Krankenhaus eingewiesen. Mehr als wegen jeder anderen Krankheit. Als Ursachen für eine chronische Herzinsuffizienz gelten unter anderem Erkrankungen wie Bluthochdruck, andere koronare Herzerkrankungen, Herzinfarkte oder Herzmuskelentzündungen. Darüber hinaus gibt es bei manchen Formen der Herzmuskelerkrankung auch eine genetische Vorbelastung.

Die Folgen der Krankheit sind eine entscheidende Einschränkung der Lebensqualität und eine erhöhte, vorzeitige Sterblichkeit. Die Behandlung der Krankheit ist noch immer schwierig. Zwar gibt es mittlerweile wirksame Medikamente zur Therapie der Herzinsuffizienz und vor allem der zugrundeliegenden Erkrankungen, trotzdem ist die Zahl der Krankenhausaufenthalte und die Sterblichkeit noch immer sehr hoch. Neue Studiendaten geben nun aber Anlass zur Hoffnung. Zwei Medikamente, die ursprünglich für Diabetes mellitus entwickelt wurden, haben sich als sehr wirksam gegen Herzinsuffizienz erwiesen: Dapagliflozin und Empagliflozin aus der Gruppe der SGLT 2-Hemmer.

Geringeres Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle

SGLT2-Inhibitoren hemmen die Wiederaufnahme von Glukose vom sogenannten Primärharn zurück ins Blut. Das bewirkt einen Glukoseverlust und somit eine Senkung des Blutzuckerspiegels. Neben dem Glukoseverlust über die Niere bewirken diese Medikamente aber auch einen Natriumverlust und führen dadurch zu Stoffwechselveränderungen, die sich günstig auf das Herz auswirken könnten.

In zwei großen Studien, die in Deutschland unter Leitung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V. durchgeführt wurden, wurde jetzt die Wirkung der beiden Medikamente auf die Herzschwäche untersucht. Dabei handelt es sich um große multizentrische Studien mit insgesamt mehr als 8.000 Patienten, die doppelblind und randomisiert behandelt wurden. Mit eingeschlossen wurden auch herzinsuffiziente Patienten mit einer eingeschränkten Ventrikelfunktion mit und ohne Diabetes, die alle auch weiter mit einer optimalen Standardtherapie der Herzschwäche versorgt wurden.

Dabei zeigte sich in beiden Studien, dass das Risiko für kardiovaskuläre Todesfälle und Herzinsuffizienz-Krankenhausaufnahmen um etwa 25 % abnahm. Die Effekte seien in beiden Studien unabhängig von einer modernen Begleittherapie und bei Patienten mit und ohne Diabetes mellitus vergleichbar, berichten die Wissenschaftler.

Aus Diabetes-Medikamenten werden Herzinsuffizienz-Medikamente

„Beeindruckend ist die konsistente Abnahme von Herzinsuffizienzkomplikationen bei Diabetikern und Nicht-Diabetikern in den Studien“, sagt Prof. Dr. Michael Böhm, Pressesprecher der DGK und Wissenschaftlicher Leiter beider Studien für Deutschland. „Das zeigt, dass sich aus einem Diabetesmedikament ein effizientes Herzinsuffizienzmedikament ausweislich der Wirkung bei Nicht-Diabetikern entwickeln kann.“ Diese Studienergebnisse seien eine „wirklich gute Nachricht für alle Patienten mit Herzschwäche. Bisher zeigte kein anderes Medikament derart überzeugende Ergebnisse, ins-besondere auch weil gleichzeitig die Nierenfunktion deutlich gebessert wird“, betont Prof. Dr. Andreas Zeiher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

Böhm geht nun davon aus, dass die SGLT2-Hemmer höchstwahrscheinlich in die Europäischen Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der Herzinsuffizienz aufgenommen werden, die im Jahr 2021 erscheinen werden. Diese neue Leitlinie zur Herzinsuffizienz ist aktuell von einem internationalen Expertengremium in Vorbereitung.

Die Ergebnisse beider Studien wurden im New England Journal of Medicine publiziert.
https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMc1917241
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa2022190

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.