Kein Land der Welt hat mehr High-Tech Startups pro Kopf als Israel. In der Woche des Eurovision Song Contest widmet sich Innovation Origins in einer kurzen Serie der Startup Nation. Heute: 5 Gründe, warum Israel ein so erfolgreiches Innovationsland ist.

Innovations-Attaché Racheli Kreisberg der niederländischen Botschaft in Tel Aviv arbeitet seit 2016 daran, die Zusammenarbeit im Bereich der Innovation zwischen den beiden Ländern zu stärken. Seit Dezember dieses Jahres besteht das israelisch-niederländische Innovationszentrum mit dem Ziel, die Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung zwischen den beiden Ländern zu initiieren und zu fördern. Kreisberg nennt fünf Gründe, warum die israelische Wirtschaft so innovativ ist.

Racheli Kreisberg, Innovations-Attaché bei der niederländischen Botschaft in Tel Aviv.

In welchen Bereichen sind Sie am erfolgreichsten?

Kreisberg: „Wir konzentrieren uns auf schnell wachsende Technologien, so genannte Key Emerging Technologies. Photonik, Robotik, Halbleiter und Chemie sind die wichtigsten. Aber wir arbeiten so breit wie möglich. So wird in diesem Jahr zum Beispiel zum vierten Mal eine Scoutingmission für Banken und Versicherungen durchgeführt. Auch im Bereich der Cybersicherheit und der künstlichen Intelligenz gibt es viel voneinander zu lernen. Wir hatten die größten Erfolge in der Provinz Noord-Brabant, wo viele solcher Unternehmen tätig sind.“

Warum ist Israel für die Niederlande so interessant?

„Einfach ausgedrückt: Niederländische Unternehmen sind an Innovationen interessiert und es gibt viele Innovationen in Israel. Dies liegt in der DNA des Landes, wo die Juden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in eine Wüste zurückkehrten. Sie mussten sofort mit der Innovation im Bereich Wasser und Landwirtschaft beginnen und aus dem Nichts etwas machen. Israel ist ein Land der Einwanderer aus aller Welt, die alle ein neues Leben begonnen haben. Außerdem: Israel ist klein, so dass sich Unternehmen direkt auf den internationalen Markt konzentrieren müssen. Drittens hat der jüdische Glaube einen starken Fokus auf das Studium. Es ist ein Glaube, in dem man alles in Frage stellen kann und alles studiert wird. Die große Zahl der jüdischen Nobelpreisträger im Laufe der Jahre ist natürlich nicht aus dem Nichts gekommen.“

Ein vierter Grund, warum Israel bei der Innovation so gut abschneidet, hat mit der Armee zu tun, sagt Kreisberg. „Natürlich ist auch die Militärindustrie hoch entwickelt und verfügt über zahlreiche zivile Spin-offs. Aber auch die Wehrpflicht wirkt sich aus: Sie gibt jungen Menschen ein hohes Maß an Verantwortung. Das schafft Unternehmertum.“

Der fünfte Grund ist die starke Bindung an wohlhabende Juden aus der Diaspora (hauptsächlich aus den USA), die ein gutes Herz für Israel haben. Laut einem vor zwei Jahren veröffentlichten Bericht investieren sie durchschnittlich 2 Milliarden Euro pro Jahr in die israelische Wirtschaft. Kreisberg: „Zusammen mit einem guten Ökosystem, in das die Regierung viel Geld investiert, macht dies Israel zu einem sehr guten Klima für Innovationen.“

Was können die Niederlande von Israel lernen?

„Vor allem sich etwas wagen und wagen zu versagen. Natürlich scheitern Unternehmen auf der ganzen Welt, aber vor allem in Israel hört man: Ich habe das meiste aus meinen Fehlern gelernt.“

Und umgekehrt?

„Wegen seiner begrenzten Größe ist Israel ein Start-Up, aber keine Scale-Up-Nation. Große niederländische Unternehmen können israelische Technologie integrieren und davon profitieren. Ein israelisches Start-Up in die Niederlande zu bringen, kann ein guter Weg sein, um weiter zu wachsen.“

Inwieweit beeinflusst die Palästina-Frage die Zusammenarbeit im Bereich der Innovation?

„Wir halten uns an die niederländische Politik und tätigen daher keine Geschäfte mit israelischen Unternehmen, die außerhalb der Green Line tätig sind. Das ist etwas, das in allen Kooperationen sehr sorgfältig geprüft wird.“

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