©Pixabay

„Die Zukunft zeigt sich lange, bevor Sie eintritt.“ (Rainer-Maria Rilke)

Deutschland ist durch einen Unternehmensskandal erschüttert, wie es ihn lange nicht gegeben hat. Die Insolvenz der Fa. Wirecard führte nicht nur dazu, dass Gläubiger und Aktionäre sehr viel Geld verloren, sondern auch zur Erkenntnis, dass etablierte Kontrollmechanismen nicht so funktioniert haben, wie sie hätten sollen. Schlimmer noch, es besteht der schwere Verdacht, dass absichtlich weggeschaut wurde und Warnsignale nicht erkannt werden wollten. Für die Wirtschaftsprüfer, die Finanzaufsicht und die Bundesregierung eine schwere Schlappe. Den Schaden tragen die Gläubiger, die Mitarbeiter und die Aktionäre. Wegschauen, nicht wahrhaben wollen und eindeutige Fakten zu ignorieren is eine der Hauptursachen warum Unternehmen – egal welcher Größenordnung, vom Startup bis zum Großkonzern – scheitern.

Keine Masterpläne


Seit Jahren warnen Virologen vor der Gefahr neuer Epidemien. Es hat immer wieder Epidemien im Verlauf der Menschheitsgeschichte gegeben, die große Teile der Menschen einer Region bedroht haben. Sie sind, so gesehen, nichts Neues. Als Covid-19 Anfang des Jahres Europa erreichte hatte ich trotzdem den Eindruck, dass die Regierungen hier vollkommen überrascht und überfordert waren. Keine Masterpläne, Prozesse, Abläufe, die seitens der Regierungen hätten herangezogen werden können. Und wenn es diese gab, wie z.B. in Deutschland, dann wurden sie nicht verwendet. Warum? Es ist die Aufgabe von Regierungen, ebenso wie der Vorstände und Geschäftsführer von Unternehmen, sich mit den Risiken für ihre Länder bzw. Unternehmen auseinanderzusetzen und entsprechende Vorsorge bzw. Massnahmepläne zu erstellen. Dies wurde offensichtlich nicht getan.

Himmel auf den Kopf

Bei Wirecard und Corona wurden offensichtlich frühzeitige Warnungen nicht beachtet, als unwahrscheinlich bewertet und führten nicht zu den Folgerungen, die Schlimmeres hätten verhindert können.
Es passiert äußerst selten, dass einem, wie von Asterix, Obelix und den Galliern befürchtet, der Himmel auf den Kopf fällt. In der Regel gibt es frühzeitige Zeichen, Veränderungen, Warnungen, die, würde man sich mit ihnen beschäftigen, auch zu entsprechenden Maßnahmen und Handlungen führen. Dies trifft auch Unternehmer, die nicht wahrhaben wollen, dass ihr Unternehmen Verluste schreibt und von den Gewinnen der Vergangenheit lebt, genauso zu, wie auf Vorstände, die, wie z.B. die deutsche Automobilindustrie, technologische Veränderungen verschläft – wie z.B. die Entwicklung von Elektroautos. Was kann ein amerikanisches Startup-Unternehmen, wie Tesla, anders oder besser, als die besten Automobilhersteller der Welt?

Es kann Fakten erkennen, sich an Tatsachen orientieren und ohne Blick in die Vergangenheit Entscheidungen für die Zukunft treffen. Es muss sich nicht an Gewohnheiten, Erwartungen und Selbstbildern orientieren, sondern kann frisch und frei Zukunft entwickeln und Märkte disruptieren. Während etablierte Unternehmen sich mit Veränderungsprozessen beschäftigen, die sich damit beschäftigen, wie die Vergangenheit gegenwartsfähig wird, beschäftigen sich Startups mit der Zukunft und der Transformation von Märkten, Prozessen und Technologien.
Das Nicht-Wahr-Haben-Wollen von Fakten, das Ignorieren von Informationen und das Ignorieren besseren Wissens kommt besonders dann vor, wenn es gefestigte Vorstellungen, Selbstbilder und Gewohnheiten gibt. Das fängt bei jedem Einzelnen von uns an und hört bei unseren Vorstellungen über die Welt und das Universum auf. Im Laufe der Zeit entwickeln Menschen, Unternehmen und Staaten ein Bild von sich selbst und streben danach, dieses zu erhalten. Das führt dazu, dass sie dazu neigen Informationen, die nicht diesem Selbstbild entsprechen, zu ignorieren und nicht zu beachten.

Vorzeige-Startup

Wirecard war das Vorzeige-Startup in Deutschland. Endlich gab es ein sogenanntes Unicorn das es geschafft hatte, unter die Großen zu kommen. Als eine der größten Wirtschaftsnationen der Welt hat Deutschland schon lange darauf gewartet, endlich einmal auch ein Unternehmen vorzeigen zu können, welches den Vergleich mit den Erfolgsgeschichten aus dem Silikon-Valley nicht scheuen brauchte. Alle waren blind: Politiker, Aufsichtsorgane, Aktionäre und Mitarbeiter. Die Anschuldigen passten nichts ins Bild, das sich die Beteiligten von Wirecard gemacht haben. Also wurden sie ignoriert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf.

Alles unter Kontrolle?

Ebenso passten die Warnungen von Epidemiologen während der letzten Jahre nicht in das Selbstbild von Regierungen. Gerade hatten viele von ihnen die letzte Finanzkrise mehr oder weniger erfolgreich gemeistert, da sollte kein Makel das Bild der boomenden Wirtschaft schädigen. Das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, sollte nicht durch Themen, die man vielleicht gar nicht kontrollieren kann, befleckt werden. Da ist Wegschauen schon viel angenehmer. Man muss die eigene Illusion nicht in Frage stellen.
Was hat das mit Startups zu tun? Startups die Transformateure unserer heutigen Zeit. Sie entwickeln neue Produkte, Dienstleistungen und Technologien, mit denen die Probleme und Herausforderungen unserer Zeit in der Zukunft gelöst werden sollen. Sie sind ein aktiver Teil der Transformation. Viele Gründer und Gründungsteams handeln aus einem Gefühl tiefer Überzeugung. Diese Überzeugung, nichts anderes als das Selbstbild von etablierten Strukturen, kann zur Gefahr werden, wenn sie zur Ideologie, Blindheit und Ignoranz wird. Junge Unternehmen und ihre Führungsteams tun gut daran, sich selbst und ihre Überzeugungen immer wieder auf dem Prüfstand zu stellen und zu „challengen“. Damit die Überzeugung von heute, nicht zum Stolperstein der Transformation von morgen wird.

Werden Sie Mitglied!

Auf Innovation Origins können Sie täglich die neuesten Nachrichten über die Welt der Innovation lesen. Wir wollen, dass es so bleibt, aber wir können es nicht allein tun! Gefallen Ihnen unsere Artikel und möchten Sie den unabhängigen Journalismus unterstützen? Dann werden Sie Mitglied und lesen Sie unsere Geschichten garantiert werbefrei.

Über den Autor

Author profile picture Über 20 Jahre habe ich mein eigenes Unternehmen geführt, mit mehr als 270 Mitarbeitern an 5 Standorten in Europa Kunden in 43 Ländern beliefert, Unternehmensnachfolge, Internationalisierung und Expansion erlebt – aber auch Marktzusammenbruch, Insolvenz und Neuaufbau gemeistert. Als Unternehmer kenne ich Spitzenzeiten wie auch Existenzängste. Heute berate und begleite ich zum einen Unternehmer, die momentan ähnliches erleben wie ich damals. Aber ebenso bin ich ebenbürtiger Ansprechpartner für Unternehmer, die schon erfolgreich sind und strategisch noch weiter an ihrem Erfolg und dem ihres Unternehmens feilen möchten. Familiengeführte Unternehmen und ihre Führungskräfte sind meine Welt. Für diese bin ich Sparringspartner in allen Belangen ihrer Unternehmerrolle. Als Scout richte ich den Fokus auf das, was im Markt passiert, was ich dort sehe und wahrnehme und für meine Kunden interessant sein könnte. Und all das immer mit praxisrelevanten, wissenschaftlichen Erkenntnissen gefüttert, die ich mit meiner Erfahrung und meinem Know-how reflektiere.