Wandteppich aus Game of Thrones SEASON 7 Episode 4 (c) Wikimedia Commons Kal242382

Trotz Mittelalter-Setting – die Fernsehserie Game of Thrones bietet sehr moderne Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten zur Identifikation, sagt der Bildungswissenschafter und Psychologe Gerald Poscheschnik. Er hat sich den Plot der Erfolgsserie genauer angesehen.

Die achte und letzte Staffel von Game of Thrones ist angelaufen – und bannt ihre Zuseher mit mittelalterlichem Setting, epischen Schlachten, Drachen und Magie. Die Fernsehserie zählt zu den erfolgreichsten der vergangenen Jahre und bewegt die Massen. Die Handlung wird auf Partys, in Blogs, Podcasts und Zeitungsartikeln  diskutiert – und im Internet spekuliert man, welcher der Charaktere die letzte Folge überleben wird und wer am Ende auf dem Thron sitzen wird.

Kollektive Psyche

Game of Thrones ist eine der erfolgreichsten Fernsehserien der vergangenen Jahre. Grund, für Poscheschnik, Leiter des Instituts für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung an der Universität Innsbruck, sich den Plot aus der Perspektive der Psycho-Analyse anzuschauen. Sein Ansatz: Was sagt die Serie über die kollektive Psyche?

Die Interpretation von Filmen ist in der psycho-analytischen Forschung nicht ungewöhnlich. Beliebtes Untersuchungsobjekt sind zum Beispiel die Filme von Alfred Hitchcock, einem der einflussreichsten Regisseure aller Zeiten. Seine erfolgreichsten Filme – wie etwa Vertigo – bieten eine Menge an Analysematerial.

„Psycho-Analyse interessiert sich dabei immer auch für den Subtext, das heißt, für Themen, die nicht explizit angesprochen werden. Game of Thrones bietet hier ein wunderbar breites Feld“, so Poscheschnik. Durchdringe man die äußere Form, dann entdecke man, dass die Serie ein Spiegel unserer Gesellschaft ist. Zudem sei Popkultur immer auch Ausdruck eines Zeitgeists, manchmal sogar Katalysator und das zeige gerade Game of Thrones sehr gut, so der Wissenschafter.

Erfolgskriterien

Zunächst erfülle die Serie alle Kriterien, die erfolgreiche Serien auszeichnen: Dem Publikum biete sich ein sehr dichter Teppich an Erzählsträngen. Die Charaktere seien in ihrer Ambivalenz glaubwürdig. Sie seien weder plump noch böse und vollziehen einen Entwicklungsbogen. Auch die Spannung bleibe aufrecht: Man will wissen, wie es weitergeht, so Poscheschnik.

Negiertes

Räumlich umfasst der Plot drei Schauplätze. Zentral für die Handlung ist Westeros, der Hauptkontinent, der europäisch mittelalterlich geprägt ist. Im Norden lauert eine Gefahr, die von den Bewohnern als Märchen abgetan wird. Es sind die sogenannten Weißen Wanderer, zombie-ähnliche Figuren. Schutz vor den Weißen Wanderern bietet eine Mauer aus Eis, die als unüberwindbar gilt. Im Osten ist Westeros durch ein Meer vom Nachbarkontinent Essos getrennt – einem Ort voller Wunder und Magie. Hier lebt die ehemalige Herrscherfamilie Westeros, die aus ihrer Heimat vertrieben wurde und hier bereitet die letzte Thronerbin der Dynastie ihre Rückkehr vor.

Unbewusstes

Poscheschnik ortet in den Schauplätzen und Handlungssträngen Unbewusstes, das auch die Gesellschaft der Gegenwart prägt. „Westeros ist die Welt im Konflikt, im Niedergang, symbolisiert durch den Tod des Königs. Hier herrscht Krieg, hier wird intrigiert, gemordet, auch vermeintlich edle Charaktere können hier nicht viel ausrichten und sterben in der Serie“, erklärt er. Auch in unserer Gegenwartskultur nehme die subjektive Unsicherheit zu und Gesellschaften werden gespalten. Wobei es nicht die vordergründige Handlung sei, die sich auf die moderne westliche Gesellschaft übertragen lasse, sondern die Gruppendynamik und die Stimmung.

Verdrängtes

Die belächelte Gefahr im Norden verkörpert Verdrängtes. Warnende werden nicht ernstgenommen, bis die Gefahr unmittelbar ist. „Das ist ein kollektiver Prozess“, sagt Poscheschnik, „das Individuum ist unmächtig etwas zu unternehmen und ignoriert die Gefahr“. Für den Wissenschafter liegen Vergleiche mit realen Bedrohungen, wie dem Klimawandel nahe. Auch dessen Gefahr wurde lange negiert.

Hoffnung

Essos hingegen verkörpere die Hoffnung. Die Königin, welche die Ordnung wiederherstellen möchte, kommt von dort.

“Essos ist Projektionsfläche für die Hoffnung auf eine positive Wende, auf eine Lösung der Konflikte und eine Abwehr der Gefahr. In Zeiten der Angst und der Krise taucht immer Hoffnung auf und dient auch dazu, uns über Schlimmes hinwegzutragen und zu trösten – auch eine Form des Selbstbetrugs, ähnlich der Verdrängung.“ Gerald Poscheschnik

 

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie verfolgt neue Trends in Gesellschaft, Design, Technologie und Wirtschaft findet es spannend, interdisziplinäre Tendenzen zwischen den verschiedenen Bereichen zu beobachten. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.