Philipp Hüttl und Markus Hörmanseder (c) Liberty Home

Liberty Home ist das Ergebnis einer Bachelorarbeit. Zwei Studenten entwickelten aus dem Tiny House-Prinzip ein zweigleisiges Geschäftsmodell, das den sozialen Aspekt der Re-Integration von Obdachlosen einschließt. Erste Pilotprojekte laufen.

„Wir sind vom Land in die Stadt gekommen und waren hier erstmals mit Obdachlosigkeit konfrontiert. Deshalb sollte unsere Arbeit auch einen sozialen Aspekt haben“, sagt Markus Hörmanseder. Er schrieb die Bachelor-Arbeit gemeinsam mit seinem Studienkollegen Philipp Hüttl am Institut für Bauingenieurwesen und Baumanagement am FH-Campus Wien. Ihre Mission: Menschen, die auf der Straße stehen, zu einem Zuhause zu verhelfen. Dafür wollen sie mit sozialen Organisationen im Bereich Obdachlosenhilfe zusammenarbeiten. Die Finanzierung erfolgt durch die Vermietung und den Verkauf ihrer Häuser an Unternehmen, Festivals und Privatpersonen.

Seit Abschluss ihrer Arbeit haben die Bachelor in spe mehrere Preise bekommen: den Social Impact Award Austria, den European CIDIC Award und den Staatspreis Patent 2018 in der Kategorie Beste Marke vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie. Nach dem Studienabschluss im kommenden Juni wollen sie sich ihrem Social Business voll widmen.

(c) Liberty Home

Nachhaltig

Die Inspiration lieferte die Tiny House-Bewegung aus den USA, für die Hörmanseder und Hüttl zukunftsweisendes Potenzial sehen. „Auch bei uns tauchen neue Wohnformen auf. Mehr Mobilität ist gefragt. Aber wir sehen darin auch eine neue Wohnform für Obdachlose“, so Hörmanseder. Auf dem Weg zurück in ein geregeltes Leben sind die eigenen vier Wände ein erster notwendiger Schritt.

Die Konzeption war von den Lebenszykluskosten unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit geleitet. Hörmanseder verglich vier Strukturen nach CO2-Äquivalenten. Hüttl übersetzte das Prozessverbesserungs-System Six Sigma auf das Bauwesen, um eine Bauweise mit wenig Verschnitt, wenig Leerzeit und geringem Einsatz von Arbeitskraft zu entwickeln.

Flexibel

Sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Perspektive erwies sich die Vollholz-Variante als besonders geeignet. Die Häuser haben eine Fläche von zehn Quadratmeter, sind für maximal drei Personen geeignet und komplett ausgestattet – inklusive Smart Home Technologien. Aufgrund der modularen Bauweise und den vielfältigen Funktionen lassen sich die Tiny Houses für unterschiedlichste Zwecke einsetzen – dauerhaft und temporär. So haben die Entrepreneure auch schon Anfragen von Künstlern, die im Liberty Home ein ideales Atelier sehen. Durch die robuste Bauweise ist das Modell mit PKW- oder LKW-Anhänger auch transportfähig. Last but not least gibt es Liberty Home auch in Cartrailer-Version.

Inklusion

In der Projektentwicklung setzt das Team auf Inklusion.

„Wer die Erfahrung nicht hat, muss zuhören. Wir sind durch Wien gegangen und haben mit Obdachlosen gesprochen.“ Markus Hörmanseder

Auch später, in der Phase des zweiten Prototyps, wurden nicht nur Architekten, sondern auch Obdachlose einbezogen. Mittlerweile haben die beiden eine Person im Team, die selbst jahrelang von Obdachlosigkeit betroffen war.

Pilotprojekte

Erste Pilotprojekte laufen bereits in beiden Geschäftszweigen. Mit dem Mietmodell war Liberty Home unlängst Teil des Sound Everest Winterfestival in der Wintersportregion Schladming. Die Musikveranstaltung lief über drei Tage und zählte dreitausend Besucher. „Ein Kamerateam hat im Liberty Home geschlafen und Künstler haben es als Garderobe genutzt“, erzählt Hörmanseder. Das Feedback war sehr positiv. Darüberhinaus interessierte sich der lokale Tourismusverband für das Modell, das Hotels in Stoßzeiten entlasten könnte.

Das Sozialmodell wird in einem ersten Pilotprojekt mit einer öffentlichen Förderstelle verhandelt. Kooperationspartner ist der Verein Juno, der sich seit vierzehn Jahren für alleinerziehende Mütter in prekären Lebenssituationen engagiert. Hörmanseder moniert, dass diese kaum Unterstützung bekommen. Wenige seien offiziell wohnungslos gemeldet, weil sie dann keine Sozialhilfe bekommen. Zitat: “Wir können nur das Haus liefern. Die soziale Betreuung regeln wir über starke Kooperationspartner.“

Philipp Hüttl und Markus Hörmanseder (c) Philipp Benedikt/Red Bull Content Pool

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie verfolgt neue Trends in Gesellschaft, Design, Technologie und Wirtschaft findet es spannend, interdisziplinäre Tendenzen zwischen den verschiedenen Bereichen zu beobachten. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.