3D-Druck-Design aus dem Film Black Panther (c) Matt Kenneda/Marvel Studios 2018 - Costume Design Ruth Carter

Die Hollywood-Produktion Black Panther erhielt eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Film und sieben weiteren Kategorien. Darunter auch Bestes Kostümdesign. Das Kostüm der Hauptdarstellerin Queen Ramonda kam aus dem 3D-Drucker. Designt wurde es von Julia Körner, einer Österreicherin, die in den USA lebt.

Julia Körner arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Architektur, Produkt- und Modedesign und hat eine ausgeprägte Expertise in digitalen Fertigungsmethoden und 3D-Druck. Sie arbeitete bereits für renommierte Modehäuser wie Chanel und Iris van Herpen. 2016 wurde Körner von Ruth Carter kontaktiert, die bei den Haute Couture Shows in Paris auf sie aufmerksam geworden war. Carter war beim Produzenten Marvel Studios für das Kostümdesign von Black Panther verantwortlich.

Körner sollte Kostüme für einen Film designen. Der Auftrag lief unter dem Codenamen Motherland. Der Titel wurde nicht genannt. Körner realisierte dessen Dimension erst, als sie das Kostüm auf der Leinwand sah und die Verkaufszahlen bekannt wurden. Körner im Exklusiv-Interview:

Was war die Erwartung der Auftraggeberin – warum wollte sie ein 3D-Druck-Design?

Körner: “Sie wollte mit dem Kostüm den Afro-Futurismus des Films verkörpern – und eine Symbiose zwischen afrikanischer Ästhetik und modernster Technologie schaffen. Es ging um das Design von zwei Kronen und eines Schulterumhangs. In der 3D-Technologie sah sie die Möglichkeit, komplexe Strukturen zu schaffen, die mit handwerklichen Methoden nicht zu schaffen sind.”

3D-Druck-Design aus dem Film Black Panther (c) Matt Kenneda/Marvel Studios 2018 – Costume Design Ruth Carter

Sie haben vier Monate an den Kostümen gearbeitet. Was war die technische Herausforderung?

“Eine der Herausforderungen war es, einen zuvor in der Filmindustrie unbekannten Arbeitsprozess zu etablieren; traditionelle und innovative Herstellungsprozesse zusammenzuführen. Alle meine Designs entstehen mit speziellen Programmen am Computer. Ich modelliere an einem virtuellen Körper, dessen Masse ich im Vorfeld bestimme. Sobald meine Entwürfe gedruckt sind, ist es schwierig, Anpassungen, oder Änderungen vorzunehmen. Das macht die Arbeit kompliziert.”

Das Kostüm wurde in Europa gedruckt – bei Materialise, einem Druckunternehmen in Belgien. Wodurch wurde diese Wahl beeinflusst?

“Ich arbeite mit Materialise schon seit über zehn Jahren zusammen. Wir haben bereits mehrere 3D-Druck-Projekte realisiert, die ausgezeichnet wurden. Die Firma ist sehr verlässlich, arbeitet mit Spezialisten aus der Industrie und bietet außerordentlichen Service.”

Der 3D-Druck basierte auf Pulver und Laser, der das Pulver Lage für Lage in Form schmilzt. Welche Kriterien sprechen für Material und Technik?

“Für Modeprojekte arbeite ich mit der Selective Laser Sintering (SLS) Technik, bei der unter anderem mit PA12 gedruckt wird. Ein Material aus Polyamid, welches Flexibilität, Stärke und Detailgenauigkeit ermöglicht.”

Die Designerin Julia Körner (c) Ger Ger

Denken Sie, dass Black Panther das Interesse an 3D-Druck-Kostümen in der Filmindustrie geweckt hat?

“Das denke ich nicht nur, sondern weiß ich. Bereits im März werden wieder Kostüme von mir auf der Kinoleinwand zu sehen sein. Ich bin mir sicher, dass da noch viel kommen wird. Denn mit dieser Technologie ist es möglich, innovative und detaillierte Kostüme zu kreieren.”

Warum sind es Architekten, die 3-D-Modedesign konstruieren?

“Der 3D-Druck wird vor allem in der Architektur und nicht in der Mode verwendet. Man benötigt Wissen über digitale Herstellungsprozesse und dreidimensionales Computer-Design. Das wird in der Mode-Ausbildung nicht vermittelt. Ich habe bei Ross Lovegrove (Anm.: ein britischer Industriedesigner) gelernt, wie 3D-Druck in der Herstellung von Produkten eingesetzt wird. Seither fasziniert mich die Realisierung von digitalen Entwürfen im 1:1 Maßstab.

Mode ist der kleinste Maßstab von Architektur – der Raum, der unseren Körper direkt umgibt, die kleinste Form einer zweiten Haut. In dem Maßstab kann man den 3D-Druck eins zu eins als Produkt einsetzen und mit komplexen Strukturen arbeiten.”

Sie arbeiten mit speziellen Computer-Programmen, mit denen sie einen virtuellen Körper modellieren und Codes schreiben. Welche Software nutzen Sie?

“Ich modelliere in 3D in diversen Architektur Programmen und verwende auch visuelle Programmier-Software.”

Danke für das Gespräch.

Die Oscar-Verleihung findet am 24. Februar 2019 statt.

Über Julia Körner

Die interdisziplinär arbeitende Designerin wurde in Salzburg geboren und studierte Architektur an der Universität für Angewandte Kunst in Wien und Emergent Technologies und Design an der Architectural Association in London. Seit 2012 unterrichtet sie am Architekturinstitut der Universität Kalifornien in Los Angeles (UCLA). 2015 gründete sie ihr eigenes auf 3D-Druck spezialisiertes Modelabel JK Design. Seither wurden ihre Arbeiten national und international ausgezeichnet und vielfach publiziert. Der 3D-Druck von Kleidern wird noch vorwiegend im Kunstkontext behandelt und Körners Arbeiten fanden in zahlreiche Gruppenausstellungen in Museen Eingang. Darunter das Metropolitan Museum in New York (MET) und das Palais des Beaux Arts in Brüssel.

 

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie verfolgt neue Trends in Gesellschaft, Design, Technologie und Wirtschaft findet es spannend, interdisziplinäre Tendenzen zwischen den verschiedenen Bereichen zu beobachten. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.