Mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar, enthüllt NGC 1788 dem Very Large Telescope der ESO in diesem bisher detailreichsten Bild seine dezenten Farben. ©: ESO

Das Very Large Telescope (VLT) der Europäischen Südsternwarte (ESO) hat wieder einmal spektakuläre Bilder eingefangen. Dieses Mal von einem Nebel im Sternbild Orion, rund 2.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. NGC 1788, auch bekannt als Fledermausnebel, weil seine Form an eine Fledermaus erinnert, liegt in einer der dunkelsten Ecken des Sternbilds Orion und ist daher mit bloßem Auge nicht wahrnehmbar.

Der Nebel selbst strahlt auch kein Licht aus und wird nur von den jungen Sternen in seinem Innern beleuchtet. Die Strahlen dieser Sterne schaffen es dennoch, die undurchsichtigen Staubwolken, die sie umgeben, zu durchdringen und ein schwaches Licht aus dem Nebel zu senden. „Man unterscheidet hier zwischen leuchtenden Gasnebeln und Dunkelnebeln, die das Licht nur absorbieren. Nebel wie der Orionnebel oder derjenige in der Großen Magellanschen Wolke werden zum Leuchten angeregt. Sie leuchten also selber. Dieser Nebel hier kann das nicht“, erklärt Dr. Markus Nielbock vom Haus der Astronomie in Heidelberg.

„Er erscheint daher als Silhouette vor den Sternen. Teilweise werden Bereiche des Nebels so beleuchtet, dass man darin das Sternenlicht reflektiert sieht. Diese Bereiche erscheinen dann leicht bläulich.“ Das sei derselbe Effekt, der den Himmel in unserer Atmopshäre blau erscheinen lässt“, betont er. „Die Photonen des Sternlichts werden leicht an den Staubteilchen gestreut und können so auf Umwegen zu uns kommen, auch wenn wir die Sterne nicht direkt sehen, da sie verdeckt werden. Blaues Licht wird besonders stark abgelenkt, rotes Licht kann nahezu ohne Streuung den Nebel (die Wolke) passieren. Daher erscheinen die Sterne, die durch die Wolke leuchten auch leicht gerötet. Licht, das auf direktem Weg zu uns kommt, hat einen höheren Rotanteil als das Sternlicht, das auf Umwegen über Streuung zu uns kommt. Zusammengefasst: Dieser Nebel leuchtet nicht von selbst sondern reflektiert und absorbiert Sternlicht.“

Fledermausnebel
Dieses Bild aus dem Digitized Sky Survey 2 deckt ein Sichtfeld von 3,0° x 2,9° ab und zeigt, dass der Fledermausnebel Teil einer viel größeren Nebelstruktur ist. © ESO/Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide de Martin

Detailliertestes Porträt des Nebels

Der deutsch-britische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel entdeckte NGC 1788 am 1. Februar 1786, die wissenschaftlichen Messgeräte haben seit dieser ersten Beschreibung aber einen langen Weg der Entwicklung beschritten. Im Jahr 2010 wurde am ESO-Observatorium La Silla mit dem MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop bereits ein schönes Bild gemacht, das vom VLT aufgenommene Bild ist jedoch das detaillierteste Porträt dieses Nebels, das je aufgenommen wurde.

„Aber diese erneut beobachtete Szenerie lässt es dagegen sprichwörtlich verblassen“, freut man sich bei der ESO. „Wie im Flug eingefangen, wurden die winzigen Details der staubigen Flügel dieser kosmischen Fledermaus zum zwanzigsten Jahrestag eines der vielseitigsten Instrumente der ESO, des FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph 2 (FORS2), aufgenommen.“

Der Nebel im Orion scheint von anderen kosmischen Objekten isoliert zu sein, trotzdem vermuten Astronomen, dass er von starken Sternwinden der massereichen Sterne hinter ihm geformt wurde. Dabei werden die Ströme aus glühendem Plasma mit unglaublicher Geschwindigkeit aus der oberen Atmosphäre eines Sterns geschleudert und formen die Wolken, die die sich entwickelnden Sterne der kosmischen Fledermaus umhüllen. Die starken Winde und ihr Licht formen den Nebel aber nicht nur, sie machen ihn auch zu einem Zuhause für eine Vielzahl von jungen Sonnen.

„Dunkelnebel sind die Überbleibsel bei der Entstehung von eher massearmen Sternen, die sich aus Wolken aus Staub und Gas bilden. Ganz in der Nähe befinden sich sehr junge massearme Sterne (sog. T-Tauri-Sterne) die sich wahrscheinlich aus der Wolke gebildet haben“, sagt Nielbock. „Diese sind gerade dabei, ihre unmittelbare Umgebung durch ihren Sternwind frei zu blasen. Offenbar gibt es aber auch den einen oder anderen massereichen Stern in der Umgebung. Diese können aber entweder nicht allzu massereich sein oder müssten in einiger Entfernung zum Nebel stehen.“

Das sei ein ähnliches Phänomen wie bei den blasenbildenden Sternen in der Großen Magellanschen Wolke. „Da war es ganz ähnlich. Nur dort waren massereiche Sterne dabei, die das umgebende Gas zudem zum Leuchten anregen. Das ist hier nicht der Fall. Die Sterne geben keine Strahlung ab, die energiereich genug wäre, um das zu schaffen. Die dortigen massereichen Sterne haben dann zwar genug Kraft, die Wolke zu durchlöchern, regen den Nebel aber nicht zum Leuchten an“, führt Niebock aus. „Gerade solche jungen Sterne sind recht aktiv und haben womöglich starke Sternwinde. Zudem ist das der übliche Prozess, der gerade neu entstandene Sternhaufen freilegt. Sie schlüpfen sozusagen aus dem Ei, in dem sie sich entwickelt haben. Üblicherweise bleibt ein freier Sternhaufen übrig und das übrig gebliebene Ausgangsmaterial verteilt sich in der Umgebung.“

Diese Grafik zeigt die Position des Reflexionsnebels NGC 1788 im Sternbild Orion (Der Jäger). Die Karte enthält die meisten Sterne, die für das bloße Auge unter guten Bedingungen sichtbar sind. Der auf dem Bild dargestellte Himmelsbereich ist markiert. © ESO, IAU and Sky & Telescope

Junge Hüpfer

NGC 1788 ist rund 3.000 Lichtjahre von der Sonne entfernt und seine Sterne sind nach kosmischen Maßstäben mit einem Durchschnittsalter von rund einer Million Jahren noch sehr jung. Zum Vergleich: Unsere Sonne ist bereits stattliche 4,5 Milliarden Jahre alt. Astronomen haben in detaillierten Untersuchungen außerdem herausgefunden, dass die Sterne in NGC 1788 ihrem Alter nach geordnet sind. An der linken Seite des roten Wasserstoffbandes befinden sich die älteren Sterne, rechts des Bandes die etwas jüngeren. Aus diesen jüngeren Sternen besteht auch der Sternhaufen, der den Reflexionsnebel beleuchtet. Noch weiter rechts sind die jüngsten Sterne, die sich allerdings noch in den Staubkokons, in denen sie entstanden sind und nur durch Beobachtungen im Infrarot- oder Millimeterwellenbereich nachgewiesen werden können.

Dieses Bild von NGC 1788 wurde im Rahmen des ESO Cosmic Gems-Programms erstellt, einer Initiative, die Bilder von interessanten, faszinierenden oder optisch ansprechenden Objekten mit ESO-Teleskopen für Zwecke der Bildung und Öffentlichkeitsarbeit liefert. Das Programm nutzt Teleskopzeit und liefert mit Hilfe von FORS2 atemberaubende Bilder von einigen der markantesten Objekte am Nachthimmel, wie zum Beispiel diesem filigranen Reflexionsnebel.

Laut Dr. Nielbock gibt es keine speziellen neue Erkenntnisse aus dieser neuen Aufnahme, die bisher nicht bekannt waren. „Da die Aufnahme aus dem Cosmic Gems-Programm stammt, wurde das Bild lediglich aus ästhtischen Gründen aufgenommen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass es für manche wissenschaftlichen Zwecke verwertbar ist. So könnte man bei wiederholter Aufnahme durch die gute Detailschärfe mit der Zeit Bewegungen erkennen. Dadurch könnte man auf die Geschwindigkeit schließen, mit der die Wolke sich auflöst. Das könnte einen Rückschluss auf die Eigenschaften der Sternwinde zulassen.“

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.