Die NASA/ESA hat die bisher detailreichste Aufnahme der Triangulum-Galaxie, einer Spiralgalaxie, veröffentlicht, die sich nur drei Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt befindet. Gemacht hat das bisher größte hochauflösende Mosaikbild der Galaxie das Weltraumteleskop Hubble.

Dieses neue Bild der Triangulum-Galaxie – auch bekannt als Messier 33 oder NGC 598 – hat eine Auflösung von 665 Millionen Pixel, zeigt die zentrale Region der Galaxie, ihre inneren Spiralarme und besteht aus 54 separaten Bildern der Hubble’s Advanced Camera for Surveys. „Es geht beim Bild der Triangulum-Galaxie nicht um die Auflösung (welche für alle Hubble Bilder gleich ist), sondern um die Größe der zusammengesetzten Aufnahme“, sagt Mathias Jäger, Pressesprecher der European Space Agency (ESA) in Garching bei München. „Da Hubble fast die gesamte Galaxie abgedeckt hat, ermöglicht es dies Astronomen, nicht nur einzelne Teilbereiche der Galaxie, sondern die Galaxie als Ganzes zu untersuchen. Da uns die Galaxie auch verhältnismäßig nah ist, können wir dies auch auch kosmisch kleinen Skalen machen.“

Die Triangulum-Galaxie ist die drittgrößten Galaxie unserer Lokalen Gruppe von mehr als 50 Galaxien, die durch die Schwerkraft miteinander verbunden sind, und eines der am weitesten entfernten Objekte, die von der Erde aus als schwaches, verschwommenes Objekt im Sternbild Triangulum (Dreieck) mit bloßem Auge sichtbar sind. Sie ist aber auch die kleinste Spiralgalaxie der Gruppe und misst nur etwa 60.000 Lichtjahre. Die größte der Galaxien, die Andromeda-Galaxie, misst dagegen rund 200.000 Lichtjahre; die Milchstraße hat einen Durchmesser von rund 100.000 Lichtjahren.

Copyright: NASA, ESA, and M. Durbin, J. Dalcanton, and B. F. Williams (University of Washington)

Klein, aber etwas ganz Besonderes

Im Gegensatz zu den beiden anderen Spiralen ist die Triangulum-Galaxie nicht nur kleiner, sondern hat folglich auch weniger Sterne; mindestens eine Größenordnung weniger als die Milchstraße und zwei Größenordnungen weniger als Andromeda. Genaue Zahlen über die Anzahl der Sterne sind laut ESA jedoch schwierig zu benennen. „Bezüglich der Zahlen der Sterne sind wir bewusst etwas vage geblieben, da es hier einige Unsicherheiten gibt“, bestätigt Jäger. „Die Triangulum-Galaxie hat schätzungsweise 40 Milliarden Sterne, die Milchstraße zwischen 200-300 Milliarden, die Andromeda-Galaxie bis zu 1.000 Milliarden.“

Die Triangulum-Galaxie weist aber noch weitere Unterschiede zu den beiden größeren Spiralen auf. Erstens hat sie keinen hellen Bulge im Zentrum. „Der fehlende Bulge wird im allgemeinen dadurch erklärt, dass es im Zentrum der Galaxie auch kein supermassereiches Schwarzes Loch gibt“ erklärt Mathias Jäger. „Auch wenn es noch nicht restlos geklärt ist, wie der Bulge und supermassereiche Schwarze Löcher zusammenhängen, scheint es zwischen beiden eine Verbindung in der Entstehung und Entwicklung zu geben.“

Zweitens unterscheidet sie sich auch in puncto Balken, der ihre Spiralarme mit der Mitte verbindet, von Andromeda und der Milchstraße. „Etwa ein Drittel der Spiralgalaxien im Universum haben keinen Balken. Indem die Triangulum-Galaxie keinen aufweist, passt unsere Lokale Gruppe an Galaxien also perfekt zum Durchschnitt“, weiß Jäger. „Ein Balken ist oft das Ergebnis einer Dichtewelle, die sich radial vom Zentrum der Galaxie ausbreitet und die Umlaufbahnen der inneren Sterne beeinflusst. Möglicherweise bildet sich die Struktur aber auch infolge gegenseitiger gravitativer Störungen von Galaxien aus – dies würde erklären, warum die isolierte Triangulum-Galaxie keinen aufweist. “

Besseres Verständnis von Entstehung und Entwicklung von Sternen

Copyright: ESO/Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide De Martin

Dafür enthält die Triangulum-Galaxie jedoch eine große Menge an Gas und Staub, was dazu führt, dass sich neue Sterne schnell bilden: Alle zwei Jahre, mit einer Rate von etwa einer Sonnenmasse. Genau diese Fülle von Gaswolken veranlasste die Astronomen dazu, diese detaillierte Untersuchung durchzuführen. Das Hubble-Bild zeigt zwei der vier hellsten Regionen der Galaxie: NGC 595 und NGC 604, wobei NGC 604 die zweithellste Region des ionisierten Wasserstoffs innerhalb der Lokalen Gruppe ist und auch zu den größten bekannten Sternbildungsregionen der Lokalen Gruppe gehört.

Diese detaillierten Beobachtungen der Triangulum-Galaxie hätten einen enormen Wert – „kombiniert mit denen der Milchstraße, der Andromeda-Galaxie und der unregelmäßigen Magellanschen Wolkengalaxien“, heißt es heißt es bei der ESO. Sie würden den Astronomen helfen, die Entstehung und Entwicklung von Sternen besser zu verstehen.

„Da die Aufnahmen noch recht neu sind, arbeiten die Wissenschaftler noch daran, die Daten auszuwerten und die Ergebnisse zu publizieren“, bestätigt Jäger. „Aber es wurden unter anderem folgende Ziele definiert: räumlich aufgelöste Karten der jüngsten Sternentstehungsgeschichte; Karten des kühlen, staubigen interstellaren Mediums; Temperaturen und Lichtstärken für ~15 Millionen Sterne; Vermessung des Alters und der Massen von ~1000 Sternhaufen.“

Titelbild: NASA, ESA, and M. Durbin, J. Dalcanton, and B. F. Williams (University of Washington)

https://www.youtube.com/watch?v=WUILeBvqRtI

Das könnte Sie auch interessieren:
R Aquarii – der Todeskampf eines Sterns
LMU-Physiker: „Überraschend, wie schnell Planeten entstehen“
Supererde entdeckt – ein kalter, lebensfeindlicher Ort
ESO-Teleskop zeigt erstes bestätigtes Bild eines neugeborenen Planeten
Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie erfolgreich getestet
Hubble findet weitere Hinweise auf einen Mond außerhalb des Sonnensystems