Weltweit leiden derzeit rund 46,8 Millionen Menschen unter Demenz, Prognosen für das Jahr 2050 gehen von einem Zuwachs von 181% aus. Das bedeutet, dass die Zahl der Menschen, die an einer Form von Demenz leiden, auf etwa 131,5 Millionen ansteigen wird. Momentan sind Demenzkrankheiten wie Alzheimer, vaskuläre Demenz oder auch Lewy-Körperchen-Demenz, frontotemporale Demenz, Parkinson-Demenz, und alle andere Formen unheilbar. Die verschiedenen Arten von Demenz entwickeln sich jedoch von Mensch zu Mensch unterschiedlich und nicht jede Demenz ist Alzheimer. Während einige Menschen viele Jahre mit der Krankheit leben können, verläuft sie bei anderen aggressiver und die Patienten versterben auch früher.

Für Ärzte wäre es also sehr hilfreich, wenn sie eine Möglichkeit hätten, die Schwere der Krankheit zum Zeitpunkt der Diagnose bestimmen zu können. Das könnte den Medizinern bei der Planung und der Betreuung und Versorgung helfen, als auch den Betroffenen besser helfen zu verstehen, wie sich ihre Krankheit entwickeln wird.

Genau diese Hilfe könnte bald möglich werden. Sara Garcia-Ptacek vom Karolinska Institut in Stockholm und ihre Kollegen werteten im Rahmen einer Studie die Daten von 50.000 Personen über 65 Jahre aus, bei denen zwischen 2007 und 2015 eine Demenz diagnostiziert und im schwedischen Demenzregister eingetragen wurde. In diesem Zeitraum waren 20.000 im Schnitt 4,8 Jahre nach der Diagnose gestorben. Die Forscher untersuchten den Einfluss einer Reihe von leicht zu identifizierenden Faktoren auf die Lebenserwartung nach der Diagnose und erstellten zwei klare, schematische Tabellen.

Tabellen veranschaulichen die dreijährige Überlebenswahrscheinlichkeit von Menschen mit diagnostizierten Demenzkrankheiten. Dunkelgrün zeigt ein geringes Sterberisiko an, während Dunkelviolett ein hohes Sterberisiko innerhalb von drei Jahren anzeigt. © Karolinska Institutet

Tabellen zur Prognose des Krankheitsverlaufs und der Lebenserwartung

Die erste Tabelle ist speziell für Hausärzte und basiert auf Faktoren wie Geschlecht, Alter, kognitive Leistungsfähigkeit (gemessen mit der MMSE, Mini-Mental State Examination) und Komorbidität (gemessen mit dem Charlson Komorbiditätsindex). Die zweite Tabelle ist für Spezialkliniken, die auch den spezifischen Subtyp der Demenz berücksichtigen. So ist Alzheimer beispielsweise oft weniger aggressiv als vaskuläre Demenz. Anhand der Parameter können Ärzte Fall für Fall die Werte in die Tabelle eintragen und so besser beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass der Patient innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose stirbt.

Das Tool sei für Menschen gedacht, die Demenzkranke in der Primärversorgung oder in Fachkliniken betreuen oder behandeln, erklären die Wissenschaftler. Ein Ziel sei es, Ärzten und Pflegedienstleistern ein besseres Verständnis dafür zu vermitteln, welche Patienten dringend einen Pflegeplan benötigen und wer von einer zusätzlichen Überwachung profitieren könne. Außerdem solle es Ärzten und Betreuern helfen, mit ihren Patienten über ihre Krankheit und ihre mögliche Lebenserwartung zu sprechen.

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Die Hauptautorin der Studie, Sara Garcia-Ptacek, sagt, dass viele Patienten wissen wollen, wie sich ihre Krankheit entwickeln wird. Daher sei ein solches Tool sehr nützlich, um diese Fragen beantworten zu können. Das Tool können auch dazu verwendet werden, mit Patienten über ihre künftige Versorgung zu sprechen, die das Thema nicht selbst anschneiden, erklärt Garcia-Ptacek, die auch als Neurologin am Stockholm South General Hospital tätig ist. „In diesen Fällen kann ein solches Werkzeug ein Anreiz sein, ein solches Gespräch zu beginnen, das stattfinden sollte, bevor es zu viele kognitive Hindernisse gibt. In diesem Gespräch könnte man darüber sprechen, wo jemand lieber wohnen würde, zu Hause oder in einer anderen Unterkunft, oder um alles andere, was geplant werden muss.”

Die Studie wurde gemeinsam mit Forschern des Radboud University Medical Center in den Niederlanden durchgeführt und mit Zuschüssen des Swedish Research Council, des Swedish Research Council for Health, Work Life and Welfare (Forte), der Swedish Society for Medical Research, des Swedish Order of St John, Region Stockholm (ALF), der Foundation for Geriatric Diseases at Karolinska Institutet, der Loo and Hans Osterman Foundation for Medical Research, des Radboud University Medical Center in den Niederlanden und des Alzheimer Nederland finanziert.