Das Münchner Start-up GRDXKN entwickelte eine neuartige Technologie, die Textilien Funktionen im Druckverfahren verleiht. Das innovative Material kann vielfältig eingesetzt werden – wie etwa in der Akustik- Interieur- und Automotive-Industrie. Pilotprojekte gibt es bereits für schützende Sportbekleidung auf Asphalt – wie zum Beispiel Biken, wo Funktionen wie widerstandsfähig, abriebfest und schockabsorbierend gefragt sind. Bei der Simulation eines Sturzes bei 30 km/h zeigte ein mit GRDXKN bedrucktes Textil die vielfache Abriebfestigkeit von Lycra.

Der Gründer Bastian Müller im Interview:

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Bastian Müller (c) Natalie Weinmann

Wie ist die Idee zu deinem Start-up GRDXKN gekommen?

Ich habe an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale Produktdesign studiert. In meiner Diplomarbeit beschäftigte ich mich mit Reisegepäck und den partiell unterschiedlichen Anforderungen an die Materialfestigkeit von zum Beispiel Taschenkörper und Henkel. Ich wollte homogen arbeiten und habe überlegt, wie ich Textilien und Techniken einsetzen kann, um partiell verschiedene Funktionen zu erzeugen. Dabei setzte ich mich mit Druckverfahren auseinander – und es stellte sich rasch heraus, dass das ein Ansatz ist, den es lohnt, weiterzuverfolgen. Auch wenn ich in meiner Diplomarbeit Probleme wie Materialbruch durch Spannung noch nicht lösen konnte.

Nach ersten Berufserfahrungen im Team des Industriedesigners Stefan Diez, wechselte ich 2014 an die Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, wo ich als Assistent in der Abteilung Industrial Design tätig war. Hier hatte ich die Möglichkeit an meine Diplomarbeit anzuknüpfen und die Probleme in Herstellerkooperationen nach dem Trial and Error-Prinzip zu lösen.

GRDXKN ist ein Druckverfahren, eine Technologie – und du hast dann beschlossen, ein PR-Label zu gründen. Was war der Hintergrund?

In der Entwicklungsphase versuchte ich mit einem britischen Hersteller von Fahrradsätteln eine Kooperation zu starten. Nachdem sich dieser zurückgezogen hatte, beschloss ich ein PR-Label zu gründen, um zu zeigen, was mit dem Druckverfahren alles machbar ist. Zunächst war es eine Taschenkollektion, die ich unter dem Namen Mimicri launchte. Das Feedback war gut und als sich eine Kollegin für das Label interessierte, vergab ich mit dem Label eine erste Lizenz.

Ich wollte mein Druckverfahren weiterentwickeln, um das volle Potenzial der Technologie aufzuzeigen. In meinen Überlegungen kam ich dann über das E-Bike rasch an Kleidung – und den Mangel an cooler, leichter, komfortabler und gleichzeitig schützender Radbekleidung. Ich entwickelte verschiedene Produkte, gründete das PR-Label Patronace und präsentierte auf den Fachmessen Eurobike, Ispo und Outdoor. Das Interesse war groß und 2019 kam der Stein kam ins Rollen. Jetzt geht es darum, verschiedene Bereiche zu eruieren und entsprechende Produkte zu entwickeln. Eine Reihe von Pilotprojekten laufen.

Was ist deine Motivation? Welches Problem löst du und warum ist das wichtig?

Wir bedrucken Textilien und wollen so deren Materialverhalten und deren technische Eigenschaften steuern. Das Druckverfahren beruht auf Komponenten aus der Textildruck- und Beschichtungstechnik. Der Hauptbestandteil ist Polyurethan. Das Verfahren ist wasserbasiert und lösemittelfrei – und dadurch um ein Vielfaches nachhaltiger als chemisch aufbereitetes Polyurethan. Die Technologie ermöglicht eine vollkommen neue Konstruktion von schützender Kleidung.

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Patronace (c) Natalie Weinmann

Was war das größte Hindernis, das du überwinden musstest?

Die Begeisterungsfähigkeit der Industriepartner ist hoch, aber die Geduld für die Durchführung eines Pilotprojekts ist immer wieder eine Herausforderung. Ich bin idealistisch und finde, dass es bei einem Pilotprojekt noch nicht nur um Zahlen gehen sollte. Ich folge als erstes dem Ideal, auch wenn ich aus Kostengründen anders entscheiden müsste. Mit meiner Einstellung werde ich kaum einen Investor bekommen. Das habe ich schon gemerkt. Ich bin mir sicher, dass sich das Start-up in ein finanzierbares Projekt überführen lässt. Dazu braucht es auch Mut und ich habe mich dafür entschieden.

Was waren die bisher schönsten Momente? Welche Leistungen haben dich wirklich stolz gemacht?

Ich bin stolz auf unsere Kooperationspartner. Bei uns gehen die Top Ten der Sportartikelindustrie aus und ein – und überlegen, wie sie das Druckverfahren nutzen könnten.

Wo möchtest du mit GRDXKN in fünf Jahren sein?

Ich möchte weiter designerisch tätig sein – und an spannenden neuen Anwendungen arbeiten. Bis dahin möchte ich Partner, welche die Technologie in ihre DNA einfließen lassen. Die strukturierte Oberfläche der schützenden Textilie ist von weitem erkennbar – und das könnte ein Hersteller für sich branden.

Was macht deine Innovation besser/anders als existierende Dinge?

Integrierte und waschbare Protektoren gibt es im urbanen Biking noch nicht. Ich habe noch nichts Vergleichbares gefunden.

Hier finden Sie den Link zum Patronace Video

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