The Plasmics team (c) Plasmics

„3D-Druck muss ganz einfach werden,“ sagt Konrad Schreiner, der Gründer von Plasmics. „Wenn die Nutzerfreundlichkeit nicht gegeben ist, verwendet man ihn nicht.“ In seinem 3D-Druck Verfahren wird das gesamte Objekt gedruckt – in einem Durchgang. Das heißt, wenn er eine Lampe druckt, dann kommt sie komplett verdrahtet aus dem Drucker.

Eigentlich hat Schreiner Wirtschaft studiert, hatte aber immer schon einen Bezug zum Maschinenbau. Die Idee zum Multimaterialdrucker kam ihm in seinem ersten Job. Er arbeitete in einem pharmaproduzierenden Unternehmen und Pharmaprodukte erfordern spezielle Herstellungsparameter: Jedes Produkt muss partikelrein sein. Das heißt, man muss Linienreinheit von einem Material auf das nächste gewährleisten. Dieses Prinzip hat er für sein 3D-Druck Verfahren übernommen: Während andere 3D-Drucker verschiedene Materialien durch ein und dieselbe Düse drucken, hat sein System für jedes Material eine eigene Düse.

Wir sprechen schon lang davon, dass einmal jeder einen 3D-Drucker zu Hause haben wird – warum ist er noch nicht da?

Der 3D-Druck ist schon dreißig Jahre alt. Mittlerweile gibt es verschiedene Technologien und der Hype ist vorbei. Aber jetzt ist der Moment, wo man anfangen kann, kommerzialisierbare 3D-Druck Verfahren zu verfolgen – um zur Marktreife zu kommen.

Warum hat sich 3D-Druck noch nicht durchgesetzt?

Er ist noch zu teuer und die Qualität ist noch nicht ausreichend. Auch dürften Konsumenten die Notwendigkeit noch nicht sehen. Es ist ihnen noch nicht bewusst, dass sie 3D-Objekte selbst kreieren können. Das zeigt das Beispiel der Gummiente aus China, die trotz des hohen Aufwands billig bei uns zu kaufen ist. Die Rohstoffe und die Ente werden in China produziert. Dann wird die Gummiente verpackt und mit dem Containerschiff über das Meer transportiert. Hier wird sie auf Lastkraftwagen geladen, in Verteilerzentren gebracht und anschließend in die Geschäfte geliefert. Sie ist nur deshalb so billig, weil sie in großen Mengen produziert wird und weil dahinter ein höchst effizienter Lieferprozess steht. Das Sourcing in Billiglohnländern geht allerdings zu Lasten der Umwelt. Außerdem bezweifle ich, dass man die Gummiente mit den gleichen Augen betrachten würde, wenn einem klar wäre, dass sie schon tausende Kilometer zurückgelegt hat.

Plasmics ist ein Multimaterialdrucker. Welche Materialien können gedruckt werden?

Kunststoffe bilden einen Fokus und niedrigschmelzende Legierungen bis hin zu Metallen, die bei Temperaturen bis zu 400 Grad schmelzen. Bei der Zuführung von Metallen sind wir allerdings noch in der Experimentierphase.

Und was kann man damit drucken?

Die meisten Objekte bestehen aus verschiedenen Materialien – und viele aus Metall und Kunststoffen. Bei einer Lampe zum Beispiel ist der Fuß aus weichem Gummi, der Körper aus Kunststoff und innen verlaufen Leiterbahnen. Das sind verschiedene Prozesse, die wir kombinieren.

Was war das größte Hindernis, das ihr überwinden musstet?

Es ist nicht einfach, ein stimmiges Team zu finden. Ich habe mit allen Mitteln gearbeitet, damit ich die richtigen Leute für die richtige Position finde. Wenn man Erfolg haben will, muss man gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten.

Schwierig ist es auch, die Idee des 3D-Drucks zu etablieren. Die Technik ist disruptiv, das heißt, man kann damit viele Herstellungsprozesse ersetzen. Aber die bestehenden Prozesse funktionieren und sind billig. Deshalb ist es nicht einfach zu erklären, warum sie ersetzt werden sollen. Vor allem weil der 3D-Druck in Europa mehr kostet als die Gummiente aus China.

Wir sehen die Zukunft in der lokalen Fertigung. Wenn man alles lokal herstellen kann, hat man kein Interesse mehr, die Dinge von weit herzuholen. Außer etwa Handwerkskunst aus Taiwan, die aber auch einen ideellen Wert hat.

Was waren die schönsten Momente?

Vor einem Jahr als der erste Prototyp funktioniert hat. Der erste Prototyp, der unser Versprechen gehalten hat – vor Investoren. Auch wenn nach wie vor einige Herausforderungen zu meistern sind.

3D-Druck Verfahren, Plasmics
der Plasmics 3D-Drucker (c) Plasmics

Welche Herausforderungen sind das?

Es müssen noch mehr Modelle entwickelt werden, die Endverbraucher zu Hause ausdrucken können. Nutzer haben kaum Interesse, ihre eigenen Modelle zu designen. Da steckt Wissen dahinter, das man sich nicht an einem Nachmittag aneignet. Der Schlüssel zum Markt sind also zunächst Personen mit Fachwissen. Zum Beispiel Orthopäden, die 3D-Modelle für Einlegesohlen konstruieren und sich so zum Produktdesigner entwickeln können. Wir bieten ihnen eine Verkaufsplattform für ihre Modelle sowie die Herstellungstechnologie. Kunden sollen sie einfach downloaden können, ähnlich einem App Store.

Was können wir uns in einem Jahr von euch erwarten?

Wir planen den Launch spätestens im September zur Form Next 2020 in Frankfurt, so die Messe in der COVID-19 Krise stattfindet. Dort werden wir nur einen Teil vom 3D-Druck Verfahren zeigen. Die Entwicklung, die am wichtigsten für den Multimaterialdrucker ist – und die sich zunächst noch an Experten richtet.

Wo möchtet ihr mit Plasmics in fünf Jahren sein?

Das Team ist sicher die größte Herausforderung. Jeder ist motiviert und hat Ideen. Aber dadurch besteht die Gefahr, den Fokus zu verlieren. Deshalb haben wir begonnen, unsere Timeline in Produkten zu staffeln. So dass weiterhin die Pipeline zu Produkten gewährleistet ist. Das gilt zumindest für die kommenden zwei Jahre. In fünf Jahren möchten wir dann schon den 3D-Drucker für dich und mich haben.

Was macht euer 3D-Druck Verfahren besser als existierende Dinge?

Wir sind überzeugt davon, dass wir den besseren Ansatz haben. Als wir angefangen haben, gab es noch keinen 3D-Drucker mit Wechselmechanismus. Dieser ermöglicht es, mit einem Drucker verschiedene Materialien zu drucken. Andere 3D-Druck Verfahren verarbeiten alle Materialien durch dieselbe Düse. Wir haben für jedes Material die richtige Düse. Jedes Material entwickelt sich unter Hitzeeinwirkung und im Abkühlprozess anders. Materialien dehnen sich aus und ziehen sich zusammen. Mit einer one-size-fits-all Lösung kommen wir da nicht dran.

Danke für das Gespräch.

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger ist Schriftstellerin. Sie lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie interessiert sich für neue Trends in Design, Technologie und Wirtschaft. Sie ist besonders gespannt auf interdisziplinäre Tendenzen zu entdecken und Grenzen zwischen verschiedenen Disziplinen zu verwischen. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.