© Rob Stork

Studenten sollten öfter den Hörsaal verlassen. Sie lernen viel mehr, indem sie in interdisziplinären Teams Lösungen für praktische Herausforderungen finden. Dafür spricht sich Professorin Isabelle Reymen (TU/e) von der Technischen Universität Eindhoven aus. Es ist auch genau das, was sie mit TU/e innovation Space macht. Am Freitag hielt sie ihre Antrittsrede. Mit dieser Rede nimmt sie offiziell ihre Position als Professorin ein und gibt ihre Vision von der Zukunft der Bildung wieder.

Was einst als Ort der Zusammenführung von Studententeams und Start-ups begann, entwickelte sich zu einer neuen Form der Ausbildung. Ein Ort, an dem die Studenten durch Erfahrung lernen. Unternehmen stellen Studenten aus verschiedenen Studiengängen vor Herausforderungen, damit sie versuchen können, diese gemeinsam zu lösen. Zum Beispiel Fragen um nachhaltige Energie oder die drohende Nahrungsmittelknappheit im Jahr 2050. Unternehmen, Studenten und Lehrer arbeiten gemeinsam an Innovationen im weitesten Sinne des Wortes. Laut Reymen sollte das in der Bildung künftig viel weiter ausgebaut werden. Tatsächlich will die Universität Eindhoven bis 2030 rund achtzig Prozent ihrer Ausbildung auf diese Weise gestalten.

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Die Community wächst

Die TU/e begann mit dieser Art der Bildung zu experimentieren und ist inzwischen zu einem internationalen Vorbild geworden. Nach einem Pilotprojekt im Gaslab, einem kleinen Gebäude an der Rückseite des Campus, ist TU/e innovation Space in einen größeren Raum in der Mitte des Geländes umgezogen. Mittlerweile haben sich alle eingelebt und das erste Jahr in Matrix, dem neuen Gebäude, ist zu Ende. Reymen arbeitet nun daran, den TU/e Innovation Space weiter zu professionalisieren. Es geht darum, mehr Struktur zu schaffen. „Während des Pilotprojekts haben wir sehr spontan gearbeitet und haben den Studenten die nötigen Informationen auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Jetzt wollen wir Prozesse umfassender etablieren und strukturieren. Wie bei der Ermittlung und Zuordnung der verschiedenen Herausforderungen von Unternehmen”, sagte Reymen früher zu IO.

Auf diese Weise können sich letztlich mehr Studenten an den TU/e Innovation Space wenden. Im vergangenen Studienjahr haben mehr als 1.600 Studenten diese Kurse besucht. Sie arbeiteten gemeinsam an 46 Projekten. Es haben bereits Studenten aller Fakultäten im TU/e Innovation Space gearbeitet. Ein großer Teil der Studenten ist außerhalb ihrer regulären Kurse in die Community eingetreten. Zum Beispiel über ein Start-up oder ein Studententeam. Bachelor-Studenten können ihre Abschlussarbeit über den TU/e Innovation Space durchführen. Darüber hinaus haben die Masterstudenten die Möglichkeit, im Rahmen ihres Studiums an einem praktischen Projekt zu arbeiten. So verschmelzen Theorie und Praxis.

Bildung verändert sich

In ihrer Antrittsrede erwähnte Reymen einige Beispiele für einen Bildungswandel. Wie z.B. häufiger in interdisziplinären Teams zu arbeiten, im Job zu lernen und die zunehmende Bedeutung der Selbstreflexion für die Studenten. Studenten können, z.B. durch Projekte des TU/e Innovation Spaces, viel mehr ihren eigenen Weg bestimmen. Dies erfordert eine gewisse Disziplin und Offenheit. Die Lehrer sollen dabei eine Coaching-Rolle spielen. Nach Ansicht der Professorin wollen die Studenten einen Einfluss auf die Gesellschaft ausüben. Sie wollen wirklich etwas beitragen. Das ist vor allem möglich, wenn sich die Universität auf sozial relevante Forschung konzentriert und offen ist für Herausforderungen aus der Wirtschaft.

Die Zukunft des TU/e Innovation Spaces

Neben dem weiteren Ausbau des auf Herausforderungen basierten Lernens, d.h. einer praxisnahen Ausbildung, will sich Reymen auch auf die Herausforderungen der Zukunft konzentrieren. So möchte sie beispielsweise mehr Möglichkeiten in den Bereichen Agro-Lebensmittel und KI sehen. Um das zu erreichen, müssen die Netzwerke ausgebaut werden. Auf diese Weise kann die Universität neue Partnerschaften mit Unternehmern eingehen. Darüber hinaus wird an Herausforderungen gearbeitet, an denen Studenten auf verschiedenen Studiengängen (Bachelor, Master, HBO, MBO) zusammenarbeiten können. Aus diesem Grund arbeitet die Universität mit Fontys und Summa zusammen. Die ersten Schritte wurden bereits unternommen, um mit den anderen (technischen) Universitäten in den Niederlanden an einer lebensmittelbezogenen Herausforderung für das Verteidigungsministerium zu arbeiten. Laut Reymen gibt es für die TU/e Innovation Space noch viele Möglichkeiten, weiter zu wachsen.

Erforschung von Lehrmethoden

Neben dem täglichen Management ist Reymen auch an der Erforschung dieser Form der Bildung beteiligt. Damit Studenten, Unternehmen und Wissensinstitutionen zusammenarbeiten können, muss es eine Kultur geben, die das ermöglicht. Der High Tech Campus ist ein Beispiel für ein solches innovatives Ökosystem. Hier gibt es Raum für die Zusammenarbeit verschiedener Parteien, und es werden Aktivitäten organisiert, um dies zu unterstützen. Reymen ist der Ansicht, dass die Universitäten dabei eine immer wichtigere Rolle spielen. Vor allem, weil sie immer aktiver in der Zusammenarbeit mit Unternehmen werden.

In naher Zukunft wird sich die Professorin darauf konzentrieren, die spezifische Rolle des TU/e Innovation Space innerhalb dieser regionalen Ökosysteme weiter zu erforschen. Darüber hinaus beschäftigt sie sich auch mit Themen innerhalb der Universität. Zum Beispiel, was die beste Methode ist, um die Arbeit von interdisziplinären Teams zu bewerten. Sie untersucht auch, wie Studenten lernen können, effektiver über sich selbst zu nachzudenken und welch Rolle Disziplin für Studenten spielt.

Es geht um Menschen

Die Universität Eindhoven liegt in einer Region, in der Zusammenarbeit an der Tagesordnung ist. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sie eine führende Rolle im Bereich der auf Herausforderungen basierten Bildung spielt. Aber am Ende sind es die Menschen, die das Team ausmachen. Deshalb sagt Reymen, dass das das Wichtigste in ihrer Forschung und Arbeit an der TU/e innovation Space sei: Es geht um die Menschen.

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Über den Autor

Author profile picture Linda Bak ist immer auf der Suche nach den Geschichten hinter den Nachrichten. Sie ist fasziniert von Statistiken und verwendet nicht nur Worte, sondern auch Zahlen, um diese Geschichten zu erzählen.