Female Tech Heroes wurde von Ingelou Stol als Mitbegründerin im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht. Aber es soll dabei nicht nur um ein Gespräch unter Frauen gehen. Jetzt sind die Männer an der Reihe. Die Vielfalt im Technologiebereich ist letztlich etwas, das wir gemeinsam gestalten müssen.

Stol, Kommunikationsmanagerin auf dem High-Tech-Campus in Eindhoven, ist zusammen mit Hilde de Vocht die treibende Kraft hinter den Female Tech Heroes, einem Netzwerk, das zum Ziel hat, weibliche Talente im Technologiesektor zu fördern.

Welchen Bedarf decken die Female Tech Heroes ab?

“Allein hier auf dem High-Tech-Campus arbeiten 12.000 Menschen aus 100 Nationen in 220 Unternehmen. Es ist eine Art Mini-Unternehmen. Die Gespräche mit den Unternehmen haben gezeigt, dass sie sich alle um Vielfalt bemühen und dass sie darum kämpfen, weibliche Mitarbeiter zu gewinnen. Die einzelnen Unternehmen hatten schon alle möglichen Arten von Diversity-Initiativen gegründet, aber sie waren voneinander getrennt. Wir sahen die Notwendigkeit der Unterstützung und dachten: Lasst uns diese Aufgabe übernehmen. Und so entstand die Initiative ‘Female Tech Heroes’: ein Netzwerk mit inzwischen 2000 Mitgliedern. Ziel ist, mehr Frauen und letztlich mehr Vielfalt in den Technologiesektor zu bringen”.

Ingelou Stol

“Nachdem wir Neelie Kroes als Botschafterin eingestellt hatten, ging es plötzlich sehr schnell. Innerhalb von zwei Monaten hatten wir 1400 neue Anträge für das Netzwerk. Das sorgte für alle Arten von Medienauftritten und Interviews und half uns, mehr Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Das Thema der Gleichstellung der Geschlechter passt daher nicht nur zu den Zielen der nachhaltigen Entwicklung, mehr Vielfalt führt auch zu einem Umsatzwachstum. Gut für die Unternehmen, aber auch gut für die Gesellschaft”.

Warum sind sowohl männliche als auch weibliche Rollenmodelle wichtig?

“Das Dinner der Female Tech Heroes im Rahmen der Dutch Design Week im vergangenen Oktober war ein großer Erfolg. Dabei kristalisierten sich die wichtigsten Themen heraus. Zum Beispiel die geschlechtsspezifische Voreingenommenheit und die Bedeutung weiblicher Rollenmodelle. Mit dem Netzwerk Female Tech Heroes wollten wir zunächst Gleichgesinnte zusammenbringen. Das hat ganz gut funktioniert. Aber wir wollen auch einen positiven Einfluss im Hinblick auf mehr Frauen und Vielfalt im Technologiesektor ausüben. Hier kommen die Entscheidungsträger ins Spiel. Und so müssen wir auch Männer einbeziehen und männliche Vorbilder schaffen. Ein männlicher Unternehmer, Hans Meeske, sagt: “Das Geschlecht sollte kein Thema sein. Dabei geht es nicht nur um Gehaltsunterschiede, sondern auch um Dinge wie die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. In vielen Unternehmen sind solche Dinge noch nicht selbstverständlich”.

Auf welche Weise würden Sie gerne mehr Männer in Female Tech Heroes einbeziehen?

“Indem wir einflussreiche Männer ansprechen. Wir wollen mehr Männern eine Bühne bieten. Beispielsweise organisieren wir derzeit eine zweitägige Konferenz im Rahmen der niederländischen Technologiewoche am 9. und 10. Juni. Es wird 2 x 500 Besucherinnen geben. Ziel ist es, dass mindestens 20 Prozent des Publikums Männer sind.

Mehrere Männer werden bei der Konferenz auf der Bühne stehen. Darüber hinaus wollen wir in unserer neuen Interviewreihe mehrere männliche Vorbilder porträtieren. Das Ziel ist letztlich, dass Männer und Frauen miteinander reden. Das ist auch der Grund, warum wir vor kurzem beschlossen haben, das Logo von Female Tech Heroes zu ändern. Statt einer einzelnen weiblichen Figur wollen wir auch den männlichen Anteil einbeziehen.

In der Zwischenzeit haben wir eine Menge Reaktionen auf dieses Logo-Thema erhalten. Es mögen kleine Schritte sein, aber alles muss auch organisch geschehen. Die Veränderungen, von denen immer deutlicher wird, wie sie aussehen sollen. Dass es nicht nur darum geht, dass ein Klub von Frauen etwas miteinander macht, sondern dass es wirklich eine Bewegung ist, die uns alle betrifft”.

Eines der hier diskutierten Themen war das Unternehmertum und der Mangel an Unternehmerinnen. Welchen Beitrag wollen Sie dazu leisten?

“Es versteht sich von selbst, dass es auf der kommenden Konferenz der Niederländischen Technologiewoche im Juni auch um Unternehmertum gehen wird, da mehr als 22 Prozent unserer Mitglieder Unternehmerinnen sind und 11 Prozent angeben, dass sie Unternehmerinnen werden wollen.

Es wird einen Vortrag des Außenministeriums über internationales Unternehmertum geben. Wir arbeiten aber auch an einem Pilotprojekt für eine Reihe von Mentorensitzungen. Mit etwa dreißig Personen, Männer und Frauen, die eine erfolgreiche Karriere in der Technikbranche haben und andere Female Tech Heroes unter ihre Fittiche nehmen und sie unterstützen werden. Dies kann in allen möglichen Bereichen geschehen, wie z.B. Gleichstellung und Work-Life-Balance”.

Unternehmerinnen müssen sich mit der geschlechtsspezifischen Voreingenommenheit auseinandersetzen. Was zeigt uns das?

“Mehr als die Hälfte unserer Mitglieder gibt an, dass sie unter einer männlichen Kultur leiden. Es gibt immer noch wenige weibliche Führungskräfte, es mangelt an Investitionsgeldern und Unternehmerinnen müssen sich mit allen möglichen bewussten und unbewussten Vorurteilen auseinandersetzen. Zum Beispiel die Wahrnehmung, dass eine junge, blonde Frau keine Maschinenbauerin sein kann, wie eines unserer Mitglieder in der Umfrage angab. Frauen werden oft für ihr Aussehen kritisiert.

Oder nehmen Sie die künstliche Intelligenz (KI), zum Beispiel Gesichtserkennungsprogramme. Oft werden dafür viele Daten gesammelt, so dass jeder denkt, sie seien neutral. Aber das sind sie überhaupt nicht. Diese Programme werden von Menschen gemacht, die ihre eigene Voreingenommenheit einbringen. Denken Sie zum Beispiel an Digitalkameras mit Gesichtserkennung. Wenn Sie jemanden porträtieren wollen, der asiatisch aussieht, dann werden Sie gefragt, ob diese Person die Augen öffnen möchte.

Es kann aber auch vorkommen, dass einer Ärztin Zugang verwehrt und sie an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert wird. Allein deshalb, weil sie aufgrund ihres Aussehens als Frau erkannt wird und weil der Algorithmus meint, sie könne keine Ärztin sein. Es kann wirklich gefährlich werden, wenn Menschen auf der Grundlage solcher Algorithmen bewertet werden.”

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Über den Autor

Author profile picture Erzsó Alföldy ist ein vielseitiger und erfahrener Journalist mit einem Hintergrund in Wissenschaft und Kultur. Schreibt über Nachhaltigkeit, den Energiewandel und Chancengleichheit für Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Verfolgt aufmerksam die Entwicklungen in ihrem Heimatland Ungarn. Für Innovation Origins produziert sie derzeit eine Reihe von Artikeln über weibliches Unternehmertum und die Finanzierungslücke.