Der Name Piëch ist in der Automobilbranche seit vier Generationen eine Größe für sich. Allerdings denkt man dabei wohl in erster Linie an Ferdinand Karl Piëch, den Porsche-Großaktionär und ehemaligen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden des Volkswagenkonzerns. Kaum jemand kannte bisher seinen Sohn, Anton „Toni“ Piëch.

Anton Piëch studierte an der amerikanischen Elite-Universität Princeton East Asien Studies und lebte anschließend zwölf Jahre in China. Dort betrieb er seine eigene Medienagentur, bevor er nach Europa zurückkehrte. 2016 gründete er Piëch Automotive, um seinen eigenen Elektrosportwagen, den Piëch Mark Zero zu bauen. Eine Studie des Autos wurde erstmals auf dem Genfer Autosalon 2019 vorgestellt und soll das erste Fahrzeug einer ganzen Produktfamilie sein, die in den nächsten drei Jahren auf den Markt gebracht werden soll.

Vom Design her erinnert der Piëch Mark Zero zwar an die klassischen Sportwagen der 1960er Jahre, sein Innenleben strotzt aber nur so vor technischen und technologischen Innovationen. Der Zweisitzer wird rein elektrisch angetrieben, möglich wären aber auch Hybrid, Brennstoffzelle oder sogar ein Verbrennungsmotor. „Ich bin besonders auf unser variables und modulares Konzept stolz. Wir werden sehr schnell auf Veränderungen des Marktes, auf Wünsche unserer Kunden sowie Änderungen in der Gesetzgebung reagieren können, ohne das komplette Auto permanent neu entwickeln zu müssen“, erklärt Klaus Schmidt, Head of Engineering bei Piëch Automotive, der bei BMW über 30 Jahre lang Sportwagen entwickelte. „Wir können außerdem das Auto mithilfe von Updates immer relativ leicht auf dem Stand der Technik halten, sowohl hinsichtlich der Software als auch der Hardware. Und wir können, basierend auf dieser Struktur, theoretisch bis zu sechzig Varianten bauen. Das ist, so glaube ich, einmalig in der Automobilindustrie.“

Sportliche Ladezeit von 4:40 Minuten

© Piëch Automotive

Aktuell ist jedoch nur ein Elektroantrieb geplant. Mit drei Motoren. Dabei sitzt ein Asynchronmotor an der Vorderachse und zwei Synchronmotoren an der Hinterachse. Alle drei Motoren haben jeweils eine Leistung von 150 kW – insgesamt also mehr als 600 PS. Die Batteriemodule sind beim aktuell geplanten Package am Mitteltunnel und an der Hinterachse untergebracht, im Gegensatz zum klassischen Unterflur-Konzept anderer Hersteller. Dadurch sind Achslastverteilung und Fahrverhalten ähnlich wie bei einem klassischen Sportwagen mit Verbrennungsmotor. Außerdem ermögliche diese Anordnung die sportwagentypische, niedrige Sitzposition und ein präzises Handling mit unmittelbarer Rückmeldung an den Fahrer, betont man bei Piëch Automotive.

Ebenfalls im Gegensatz zu den meisten anderen Elektroautos können sich bei dem elektrischen GT auch die Höchstgeschwindigkeit, 250 km/h und die Reichweite, stolze 500 Kilometer, sehen lassen. Das schafft ein Tesla zwar auch, und in der Beschleunigung von 0 auf 100 in 3,2 Sekunden ist der Piëch Mark Zero etwas langsamer als die Konkurrenz aus den USA. Das Besondere an dem neuen Renner der Firma mit Sitz in Zürich und München ist aber die Ladezeit.

Dank einer innovativen Technologie erhöht sich die Batterietemperatur auch bei höchster Beanspruchung nicht um mehr als 15 Grad. Weder bei Vollgas noch beim Schnellladen oder Entladen. Das hat unter anderem der TÜV Süd bereits bestätigt. Dadurch, dass somit deutlich stärkere Ströme fließen können, verkürzt sich die Ladezeit beachtlich. Neben dem herkömmlichen CSC-Laden würden die Zellen im Schnelllademodus eine sensationell kurze Ladedauer von nur 4:40 Minuten für 80 Prozent Batteriekapazität bieten, erklären Piëch und seine Kollegen. Das Schnellladen dauert faktisch also kaum länger als das Volltanken eines Autos mit Verbrennungsmotor.

Dadurch, dass sich die Batterietemperatur kaum erhöht, muss sie nicht mit Wasser gekühlt werden. Es reicht eine Luftkühlung, was zu einer Gewichtseinsparung von rund 200 Kilogramm beiträgt. Das Gesamtgewicht des Fahrzeug kann so unter 1.800 Kilogramm gehalten werden. Klaus Schmidt verspricht außerdem eine hohe Rekuperations-Rate der Zellen beim Bremsen sowie ein langlebiges Batteriesystem und freut sich schon auf „schnelle Nürburgring-Runden am Stück mit dem Piëch Mark Zero.“

Batterien und Ladeinfrastruktur aus China

Die Lithium-Ionen-Batterie für den Piëch Mark Zero werden von der DESTEN Group geliefert. Das Unternehmen mit Sitz in Hongkong und seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Qingdao, China wurde 2015 in Hongkong gegründet und entwickelt und produziert „hoch innovative Produkte in den Bereichen Energiespeicher und Ladetechnologie“. Die Batterien können extrem schnell geladen werden und sind laut Schmidt mit 3.000 bis 5.000 Ladezyklen extrem langlebig. Außerdem sei die Technologie besonders sicher und die Batterie wurde von führenden, unabhängigen Instituten und Unternehmen wie Hofer getestet und vom TÜV zertifiziert.

© Piëch Automotive

Für die Ladeinfrastruktur sorgt ebenfalls ein Unternehmen aus Hongkong. Die Qingdao TGOOD Electric Co Ltd. wurde 2004 als deutsch-chinesisches Joint Venture gegründet und ist mit 42% Marktanteil mittlerweile weltweiter Marktführer. In China gibt es aktuell 210.000 TGOOD-Ladestationen. Für Piëch-Kundenwollen die Chinesen außerdem eine Wallbox-Ladestation liefern, so dass auch in der heimischen Garage eine Schnellladung möglich ist. Diese Wallbox-Ladestation lässt sich übrigens auch als modularer Speicher, z.B. in Verbindung mit Solarpanels, nutzen oder kann die Batterien auch entladen.

Gigantische „verteilte Batterie“

Falls Nutzer dieses Entladen „in einem definierten Rahmen zulassen“, kann ein ganzes Ladenetzwerk auf eine immens große „verteilte Batterie“ zugreifen. „Durch diesen Energiespeicher kann erstmals ein Stromnetz in die Lage versetzt werden, deutlich mehr regenerative Energie aus Wind und Sonne aufzunehmen, und so der Elektromobilität wirklich sauberen Strom zur Verfügung zu stellen“, weiß man bei Piëch Automotive. Ein solcher „MicroGrid“, mit dem TGOOD schon jede Menge Erfahrung hat, kann auch zur Absicherung des Stromnetzes dienen, z.B. beim schnellen Lastausgleich oder bei der Notstromversorgung.

Im Jahr 2022 soll der erste Piëch Mark Zero auf den Markt kommen. Ganz billig wird der allerdings nicht. Mit einem Preis zwischen 150.000 und 170.000 Euro liegt er im Bereich des Panamera Turbo. Neben dem zweisitzigen GT2 planen Anton Piëch und sein Team für dir Zukunft auch einen viersitzigen GT4 und einen sportlichen SUV. Konzepte in Form von Cabrios oder auch Pick-ups seien ebeknso denkbar.

Technische Daten Piëch Mark Zero

Maße:
Länge/Breite/Höhe: 4.432 / 1.991 / 1.250 mm (ohne Außenspiegel)
Überhang: vorne: 897 mm / hinten: 915 mm
Gewicht: unter 1.800 kg
Radstand: 2.620 mm

Fahrleistungen:
Systemleistung:
Vorderachse: ein Asynchronmotor mit 150 kW
Hinterachse: zwei Synchronmotoren (mechanisch entkoppelt) mit je 150 kW
Beschleunigung: 0–100 km/h in 3,2 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Reichweite nach WLTP: ca. 500 km

Teil 2 über die Idee hinter dem Piëch Mark Zero lesen Sie morgen.