Seit 1993 zieht das Goodwood Festival of Speed jedes Jahr rund 180.000 Zuschauer aus aller Welt an. Die Zuschauer, die 2019 den Weg ins englische West Sussex gefunden hatten, wurden Zeuge eines neuen Rekords des Hill-Climb-Klassikers. Ein Elektro-Rennwagen war erstmals schneller als ein Formel-1-Auto.

1999 nahm auch der damalige Formel-1-Testpilot Nick Heidfeld an dem Rennen teil. In seinem 574 kW (780 PS) starken McLaren-Mercedes MP4/13 legte er den 1,86 Kilometer langen Bergauf-Kurs mit seinen neun Kurven in 41,6 Sekunden zurück. Eine Rekordzeit, die 20 Jahre lang unerreicht blieb. 2019 unterbot der dreimalige Le-Mans-Sieger Romain Dumas diese Bestzeit um 1,7 Sekunden und schrieb Motorsportgeschichte. Dumas war nach 39,9 Sekunden im Ziel – in einem 500 kW (680 PS) starken elektrisch angetriebenen Volkswagen ID.R. Der Franzose war außerdem auch beim „Sunday Shootout“ am Sonntag Schnellster.

Goodwood

© Volkswagen

„Mit dem ID.R den Gesamtrekord in Goodwood aufgestellt zu haben, macht mich sehr stolz“, freute sich der 41-Jährige, der bereits 2018 Gesamtsieger war und die Elektro-Bestzeit eingefahren hatte. „Das kurze Bergrennen ist eine ganz spezielle Herausforderung. Weil die Strecke so kurz ist, durfte ich mir nicht den kleinsten Fahrfehler erlauben und auch bei der Feinabstimmung des ID.R musste jedes Detail passen. Das war besonders anspruchsvoll, weil wir vorher nicht auf der Strecke testen konnten.“

Dritter Rekord in Folge

Im Juni vergangenen Jahres hatte sich Dumas schon beim legendären Pikes Peak International Hill Climb in Colorado zum Sieger gekrönt und den Streckenrekord seines Landsmanns Sébastien Loeb aus dem Jahr 2013 pulverisiert. Im Juni 2019 umrundete Dumas die 20,8 Kilometer lange Nürburgring-Nordschleife im von zwei E-Motoren angetriebenen ID.R in 6:05,336 Minuten – schneller als jedes andere Elektrofahrzeug zuvor.

Für das Goodwood Festival of Speed hatte Volkswagen Motorsport den ID.R gezielt modifiziert. Aufgrund der Kürze der Strecke konnte ein kleinerer Akku eingebaut und das Gesamtgewicht des Autos so auf unter 1.000 Kilogramm gesenkt werden. „Wir haben im Vergleich zum Nürburgring eine kleinere Batterie verwendet und die Leistungsabgabe optimiert“, erklärte François-Xavier Demaison, Technischer Direktor Volkswagen Motorsport. „Dadurch wiegt die neue Sprintversion des ID.R inklusive Fahrer weniger als 1.000 Kilogramm.“ Außerdem fehlte bei der Rekordfahrt in Großbritannien auch das für die Hochgeschwindigkeitsabschnitte des Nürburgrings entwickelte Drag-Reduction-System (DRS). Aufgrund der Streckencharakteristik in Goodwood war das bei diesem Bergrennen nicht nötig.

Goodwood

© Volkswagen

Entwicklungen aus dem Rennsport

In Goodwood bekamen die Zuschauer erneut schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Zukunft der Elektro-Mobilität. Der Volkswagen ID.3 soll im kommenden Jahr als erstes Modell der neuen ID-Familie auf den Markt kommen. Darüber hinaus arbeitet man in Wolfsburg mit den Studien ID. BUZZ und ID. VIZZION an weiteren Varianten der rein elektrisch angetriebenen Baureihe.

Volkswagen ist aber nicht der einzige Autokonzern, der auf der Rennstrecke die Elektromobilität erprobt und die Erkenntnisse aus dem Sport dann in die Serienproduktion einfließen lässt. Renault, Audi, Venturi, Jaguar, Mahindra, Mercedes, Nissan und auch BMW engagieren sich in der Formel E. Porsche hält mit dem 919 Hybrid Evo den Rekord für die schnellste Runde auf der Formel-1-Strecke in Spa.

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