Das Gesundheitswesen hat das Ziel, die Menschen gesund zu erhalten. Das Wiener Health-Tech-Start-up Medicus ai möchte dieses Ziel unterstützen – mit einer KI-basierten Plattform, die medizinische Befunde verständlich aufbereitet. Gleichzeitig soll die Plattform Ärzte und Diagnostiklabors in ihrer Arbeit unterstützen.

Ärzte und anderes Personal im Gesundheitswesen sind in der Befundbesprechung gefordert, Ergebnisse verständlich zu erklären. Wenn dies nicht gelingt, sind Patienten weder die Auswirkungen auf deren Gesundheitsstatus noch die Notwendigkeit von Therapie und Kontrollen klar. An diesem Punkt setzt Medicus ai an. Das Start-up wurde vom Zahnarzt Baher al Hakim gegründet, der aus einer Arztfamilie kommt und die Kommunikationsprobleme zwischen Arzt und Patient auch von seinem Vater und seinem Bruder kennt. Gleichzeitig ist er überzeugt davon, dass die Technologie einen Punkt erreicht hat, an dem Automatisierung und Künstliche Intelligenz viel personalisierte Information auf einer große Skala ermöglichen kann.

Die Software, die al Hakim in einem globalen Team entwickelte, visualisiert Blutbefunde und medizinische Berichte in einer verständlichen Art. Auf diese Weise werde die richtige Information zur richtigen Zeit geliefert – in einer personalisierten Art und ohne Ärzten viel Zeit für die Kommunikation abzuverlangen. Mit dem Resultat, dass Patienten, welche die Bedeutung von Befunden kennen, Therapien und Kontrollen eher einhalten. Die Apple App ist frei im App-Store verfügbar und nutzbar, hat aber zusätzlich Premium-Funktionen, die speziell zum Beispiel an Sportliche und chronisch Kranke adressiert sind. So können Patienten etwa auch ihre Fitnessdaten darauf speichern und so ein größeres Bild ihrer Gesundheit darstellen.

Plattformübergreifend

Alles was Medicus ai macht, soll dem Patienten zugute kommen, so das Mantra des Start-up. Dennoch richtet sich das Geschäftsmodell nicht primär an Patienten, sondern an Diagnoselabors und gesetzliche Versicherungsunternehmen. Al Hakim sieht eine Innovationswelle kommen, welche die die gesamte Diagnostik-Branche grundlegend verändern werde. Probleme seien Kommodifizierung, geringere Gewinnspannen und strengere Regulierungen. Die Lösungen des Start-ups würden Laboren eine unterstützende, plattformübergreifende Software und ein attraktives, umfassendes Dienstleistungspaket liefern, so der CEO al Hakim in einem Statement auf derbrutkasten.com

Darüberhinaus sollen die intelligenten Funktionen auch Ärzte über verschiedene Schritte der Diagnosefindung unterstützen.

Das Geschäftsmodell basiert indes auf Krankenhäusern und gesetzlichen Versicherungsunternehmen, die das Vertrauen der Konsumenten genießen.

Privatsphäre

Nicht zuletzt durch die verschiedenen Stakeholder hat die Privatsphäre der Patienten einen hohen Stellenwert. Wie al Hakim betont, sei das System DSGVO-konform. Zudem wurde ein zentraler Server vermieden, so dass jede Form von Intelligenz direkt auf dem Gerät geschehe. Die Daten verlassen das digitale Gerät des Nutzers nur mit dessen Zustimmung. Dieser kann sie aber mit Ärzten und Personen seines Vertrauens teilen.

Kooperation

Medicus ai wurde im November 2018 vom Europäischen Innovations- und Technologieinstitut (EIT) in der Kategorie „Digital Wellbeing“ als eines der Top 2 europäischen Scaleups prämiert. Im Februar 2019 erhielt das Start-up in einer Series A-Runde eine Investition von 2,75 Millionen Euro von Roche Diagnostics. Ende Juli 2019 schaffte es Medicus ai in Kickstart Innovation, den größten Accelerator der Schweiz. Die Zeichen stehen auf Erfolg. Dennoch ist al Hakim mit seiner Technologie nicht allein im Markt. Wie er in einem Interview auf derbrustkasten.com anmerkt, seien mehrere Industrien involviert und viel Arbeit schon gemacht. Mitbewerber sehe er als Partner. Sein Ziel sei es verschiedene Gesundheitsaspekte abzudecken. Zitat. „Wir sind schneller, wenn wir kooperieren und dann die Umsätze teilen.“

 

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