Die junge Beratungsfirma Drebble unterstützt Wirtschaft und Wissensinstitutionen bei der Digitalisierung, zum Beispiel bei den Themen Künstliche Intelligenz und Internet der Dinge. Erst letztes Jahr gründeten Willem Remie und Pascal den Boef ihr Start-up, und jetzt haben sie bereits fünf Mitarbeiter. Die ehemaligen Studenten der Technischen Universität Eindhoven (TU/e) vermarkten ihr Wissen auf eine intelligente Art und Weise. Indem sie Projekte sowohl für Unternehmen als auch für Wissenseinrichtungen durchführen, versuchen sie, diese beiden Bereiche stärker miteinander zu verbinden. Laut Willem Remie geschieht dies noch viel zu wenig. “Dabei führt diese Verbindung zu mehr Innovation.”

Was machen Sie bei Drebble’s?

“Wir unterstüzen Unternehmen und Wissensinstitutionen in Fragen der Digitalisierung. Dazu gehören Schlüsselbegriffe, wie ‘Industrie 4.0’ und ‘Internet der Dinge’. Wir versuchen diese Technologien für die Unternehmen leicht anwendbar und praktikabel zu machen.

Im Moment arbeiten wir an einem spannenden Auftrag für Total. Wir werden alle gasbezogenen Aktivitäten in einer Cloud verbinden, so dass beispielsweise Wartungspersonal leicht auf die notwendigen Daten zugreifen kann. Dadurch kann die Wartung an Tankstellen leichter überwacht werden, so dass das Unternehmen nicht mehr mit bösen Überraschungen rechnen muss. Total befindet sich im Prozess der Digitalisierung und arbeitet auch zunehmend an Nachhaltigkeit und Innovation. Auf diese Weise leisten wir unseren Beitrag.

Wir arbeiten auch an einer Matlab-Toolbox für die TU/e. Matlab ist eine Programmiersprache. Sie wird in der Wissenschaft häufig verwendet, um Theorien zu testen und Simulationen durchzuführen. Im Moment entwickeln Doktoranden, Absolventen oder andere Studierende oft selbst einen Code, um z.B. eine Theorie zu testen. Mit Matlab können Universitäten eine Bibliothek aufbauen, in der verschiedene Studiengänge zusammenkommen. Da alles in der gleichen Programmiersprache erfolgt, kann neue Forschung schneller beginnen. Außerdem ermöglicht es den Studierenden und anderen Personen, im Anschluss an ein Projekt schnell mit den gewonnenen Informationen umzugehen. Es ist eine Schande, wenn all diese Projekte in der Schublade landen, weil andere Leute den Code nicht lesen können.”

Wie hat alles angefangen?

“Schon während meines Studiums habe ich begonnen, als Freiberufler zu arbeiten. Ich habe mehrere Tätigkeiten in der Offshore-Öl- und Gasindustrie gehabt. Aber die Entwicklungen innerhalb dieser Art von Unternehmen sind mir nicht schnell genug gegangen. Mein Antrieb unternehmerisch tätig zu sein wuchs. Vor drei Jahren ging ich in die Handelskammer, um mich dort registrieren zu lassen. Das erste Projekt habe ich zusammen mit einer Kommilitonin durchgeführt. Ich hatte also sofort jemanden auf der Gehaltsliste.

Für den ersten Kunden haben wir eine Anzeige für eine Zapfsäule entworfen und programmiert. Die Anzeige sollte die Benutzer durch den Prozess des Auffüllens mit Flüssiggas führen. Das funktioniert eigentlich genauso wie bei einer gewöhnliche Benzinpumpe, aber das Tanken ist gefährlicher und daher komplizierter. Durch die Anzeige gibt es eine klare Gebrauchsanweisung für den Verbraucher.

Das war eine schöne Aufgabe während der Studienzeit, aber jetzt konzentrieren wir uns auf komplexere Dinge. So arbeiten wir beispielsweise mit dem Team für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zusammen. Im Jahr 2024 wird es eine neue Klassifizierung geben, in der es dann Rennen mit Fahrzeugen gibt, die vollständig mit Wasserstoff angetrieben werden. Total entwickelt eine Betankungsanlage zum Tanken des Autos. Wasserstoff ist ein komplexes Gas. Um einen Tank so optimal, so schnell und so gut wie möglich zu füllen, haben wir ein mathematisches Modell erstellt.

Im vergangenen April beschlossen Pascal und ich, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen. Das ist Drebble. Damit werden wir die Arbeit, die wir bereits geleistet haben, fortsetzen und natürlich in Zukunft weiter ausbauen.”

Was ist Ihre Motivation dafür?

“Wir wollen uns den technologischen Herausforderungen stellen. Dabei finden wir es sehr wichtig, dass eine Technologie in der Praxis anwendbar ist. Studieren macht zwar Spaß, aber eine Erfindung lohnt sich erst dann wirklich, wenn sie in der Praxis eingesetzt werden kann. Mit Drebble versuchen wir, Wissenschaft und Wirtschaft zu verbinden. Die Theorie sollte die Praxis unterstützen und voranbringen. Aber das passiert nicht immer. Das ist die Lücke, die wir versuchen zu füllen.

Als Start-up können wir dies leichter tun als beispielsweise die Universität selbst, die auch in dieser Richtung arbeitet. Wo die Universität versucht, die Zusammenarbeit in konkreten Projekten zu gestalten, sind wir als junges Unternehmen sehr flexibel. Wir sitzen in einem solchen Unternehmen buchstäblich mit am Tisch und sehen, was gebraucht wird. Bei Total dauerte es ziemlich lange, bis sie wirklich erkannten, dass sich die Welt verändert und dass sie als Unternehmen etwas damit zu tun haben. Inzwischen haben wir genügend Unterstützung geleistet und arbeiten deshalb an interessanten Projekten.

Wir versuchen, sowohl auf der Seite der Universität als auch auf der Seite der Wirtschaft aktiv zu sein. Und ich versuche, Unternehmen davon zu überzeugen, dass sie mit dem an einer Universität entwickelten Wissen und den Innovationen etwas tun sollten und können. Es fällt mir auf, dass manche Unternehmen viel besseren Zugang zum Campus haben als andere. Die Lücke ist kleiner, wenn die Unternehmer selbst ein Netzwerk rund um die Universität aufgebaut haben. Aber für die überwiegende Mehrheit der Unternehmer, insbesondere für die KMU, ist der Campus eine Art Niemandsland, von dem sie nicht wissen, was los ist.”

Was war Ihr Champagner-Moment?

“Ich habe fast ein Jahr lang mit Total über den Auftrag verhandelt, den wir dann im vergangenen September bekommen haben. Das war eine aufregende Zeit. Zunächst einmal, weil wir die technische Herausforderung sehr interessant fanden und daran arbeiten wollten. Aber auch, weil es uns finanzielle Sicherheit und Halt geben würde. Und das ist bei einem Start-up oft noch schwierig. Deshalb haben wir eine Party veranstaltet, als das Geschäft offiziell abgeschlossen wurde.”

Was können wir im kommenden Jahr von Ihnen erwarten?

“Wir haben jetzt zwei große Kunden, TU/e und Total. Wir haben ein gutes Verhältnis zu ihnen und eine langfristige Zusammenarbeit ist geplant. Das ist sehr schön. Aber wir möchten noch einige andere Projekte hinzufügen. In jedem Fall wird Wolfpack, ebenfalls ein Start-up-Unternehmen, das an der Universität startete, das Projekt für Total unterstützen. Innerhalb dieser Struktur werden verschiedene Pläne für die Digitalisierung ausgearbeitet, und Wolfpack wird bei der Entwicklung spezifischer Anwendungen helfen. Sie werden dafür sorgen, dass die Pläne tatsächlich umgesetzt werden.”

Was ist Ihr Zukunftstraum?

“Mit diesen verschiedenen Projekten in verschiedenen Unternehmen versuchen wir zu zeigen, was wir können. Wir sind immer auf der Suche nach Kunden, die über einen längeren Zeitraum mit uns zusammenarbeiten wollen. In der Zukunft würden wir sehr gerne ein weiteres Projekt für ASML durchführen oder mit ASML zusammenarbeiten. Das ist ein Unternehmen im Bereich der Hochtechnologie. Aber um da reinzukommen, müssen wir uns erst einmal bewährt haben. Daran arbeiten wir gerade.

Wir sind nicht der Prototyp eines Start-up-Märchens. Wir haben eine Leidenschaft für Technologie. Das ist es, was uns antreibt und was wir Tag und Nacht tun wollen. Mit Drebble wollen wir nur Projekte durchführen, die uns gefallen und in denen wir eine Herausforderung sehen. Bisher ist es uns immer gelungen, diese ‘Regel’ einzuhalten. Jeden Monat schauen wir uns in die Augen und fragen uns, ob wir als Unternehmer noch immer gerne dabei sind. Die Antwort lautet immer noch ‘Ja’. Und darum geht es schließlich.”

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