Die Bewirtschaftung von Land wirkt sich auf die biologische Vielfalt der Arten aus. Ein Effekt, der besonders bei der Zwischennutzung von Wiesen und Weiden als Ackerfläche zu beobachten ist. Jetzt zeigte eine Studie, dass es sich dabei nicht nur um kurzfristige Effekte handelt. Betroffen sind besonders Grashüpfer, Bienen und Schwebfliegen.

Die Fläche von Wiesen- und Weiden ist in den vergangenen 20 Jahren in Europa dramatisch zurückgegangen. Meist werden diese in Ackerfläche umgewandelt. Ein typisches Beispiel ist das Val-de-Sévre im Südwesten Frankreichs, wo die Grünfläche seit 1994 um 30 Prozent schrumpfte. Dabei ist die Zwischennutzung von Wiesen und Weiden als Ackerfläche eine gängige Praxis. Die lokale Landnutzung ist über 20 Jahre hinweg dokumentiert. Das ermöglichte Wissenschaftern vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum die Erforschung von längerfristigen Auswirkungen der Praxis der Zwischennutzung auf die biologische Vielfalt der Arten.

Untersuchung der biologischen Vielfalt der Arten

Die Forschenden gingen folgenden Fragen nach

  • Wie lange besteht die Wiese oder Weide bereits?
  • Wie oft wurde die Nutzung zwischen Ackerfläche und Wiese oder Weide gewechselt?
  • Wie lange waren naheliegende Flächen bereits Ackerland?

Zusätzlich wurde erhoben, welche Pflanzen, Wildbienen, Schwebfliegen, Grashüpfer, Laufkäfer, Spinnen und Vogelarten auf den untersuchten Flächen im Jahr 2014 zu finden waren.

Spezialisten unter den Arten verschwinden

Wie sich zeigte, reduziert eine Zwischennutzung von Wiesen und Weiden die biologische Vielfalt der Arten nachhaltig. Besonders betroffen waren Flächen,

  • die lange als Ackerland genutzt wurden;
  • in deren Nähe es kein Dauergrünland gibt;

Wobei sich auf den von der Zwischennutzung betroffenen Wiesen und Weiden nicht unbedingt weniger Arten befinden. Vielmehr gleichen sich die Arten funktional sehr an – insbesondere wenn es um Strategien zur Bewegung und Nahrungssuche geht. Die Umwandlung von Wiesen und Weiden in Ackerfläche lässt langfristig die Spezialisten unter den Arten verschwinden.

Schwächung des Agrarökosystems

Der Ko-Autor der Studie, Peter Manning, sieht in der gängigen Landnutzung „eine Aussterbeschuld, die erst nach vielen Jahren sichtbar wird“.

Die mangelnde biologische Diversität in der Artengemeinschaft ist kaum in der Lage

  • den Verlust einzelner Arten abzupuffern;
  • Schädlinge einzudämmen;

Mit den Wiesen und Weiden die biologische Vielfalt der Arten erhalten

Besonders dramatisch zeigte sich die Situation bei Grashüpfern, Bienen und Schwebfliegen, also Arten am unteren Ende der Nahrungskette. Da die verschiedenen Ebenen der Nahrungskette interagieren, sehen die Forschenden die Notwendigkeit zum raschen Handeln. Es sollte allerhöchste Priorität haben, die noch bestehenden Wiesen und Weiden im ländlichen Raum vor Zwischennutzung zu schützen. Nur so kann der Verlust von biologischen Arten, die nur bedingt mobil sind und spezielle Nahrungsvorlieben haben, gestoppt werden. Schließlich profitiere das gesamte Agrarökosystem von der biologischen Vielfalt der Arten, so die Forschenden.

Originalpublikation:

Le Provost, G., Badenhausser, I., Le Bagousse-Pinguet, Y. et al. (2020): Land-use history impacts functional diversity across multiple trophic groups. PNAS, doi: 10.1073/pnas.1910023117

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