© University of Cambridge

Wer einen Herzinfarkt überlebt hat, wird nie wieder völlig gesund sein, da sich Herzzellen nicht auf natürlichem Wege regenerieren können. Nach einem Herzinfarkt bildet sich Narbengewebe, das an sich schon hilft, das Organ zusammenzuhalten. Aber dieses Gewebe passt nicht so zum Herzen wie gesunde Zellen. Im Laufe der Zeit kann dies auch weitere Herzinfarkte zur Folge haben und in vielen Fällen sogar zum Tod führen.

So war es zumindest bis jetzt. Forscher der Universität Cambridge sind mehr oder weniger zufällig über ein Gen gestolpert, das die Regeneration von Herzzellen stimuliert. Sie machten diese Entdeckung wurde bei der Erforschung von Krebsbehandlungen.

Jedes Jahr erleiden 23 Millionen Menschen einen Herzinfarkt

Die Universität versuchte, das Gen auszuschalten, das bei Mäusen für Metastasen verantwortlich ist. Dieses Gen wird als Myc-Gen bezeichnet. Doch indem man das Gen in Kombination mit einem anderen Gen überaktiv machte, geschah etwas Unerwartetes – Herzzellen begannen sich zu regenerieren.

Mohamed Hassan, Pixabay

„Das ist wirklich aufregend”, sagt die leitende Forscherin, Catherine Wilson. „Keine der derzeitigen Behandlungsmethoden für Herzkrankheiten ist in der Lage, die Degeneration des Herzgewebes rückgängig zu machen. Sie verlangsamen nur das Fortschreiten der Krankheit. Jetzt haben wir einen Weg gefunden, das bei einer Maus zu erreichen.“

Jedes Jahr erleiden etwa 23 Millionen Menschen weltweit einen Herzinfarkt, was ihn zu einem der größten Probleme der öffentlichen Gesundheit macht. Nach einem Herzinfarkt kann ein erwachsenes menschliches Herz bis zu einer Milliarde Herzmuskelzellen, die so genannten Kardiomyozyten, verlieren. Die Forschungsergebnisse wurden diese Woche in der Wissenschaftszeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Myc und Ccnt1

Der Zellzyklus, in dem sich die Zellen selbst reproduzieren, wird bei Säugetierzellen streng kontrolliert. Krebs entsteht, wenn Zellen beginnen, sich unkontrolliert zu vermehren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Myc-Gen. Es ist bekannt, dass Myc bei der überwiegenden Mehrheit der Krebsarten überaktiv ist, so dass die Bekämpfung dieses Gens zu einer der höchsten Prioritäten in der Krebsforschung geworden ist.

Ein Grossteil der jüngsten Forschung hat sich auf Versuche konzentriert, Myc als Werkzeug der Krebstherapie nutzbar zu machen. Als die Forscher Myc in einem Mausmodell überaktiv machten, bemerkten sie seine Wirkung unter anderem in der Leber und der Lunge. Dort vermehrten sich im Laufe weniger Tage eine enorme Menge an Krebszellen. Im Gegensatz dazu passierte im Herzen nicht so viel.

Sie entdeckten, dass die mykokontrollierte Aktivität in den Herzmuskelzellen stark von der Konzentration eines anderen Proteins namens Cyclin T1 abhängt, das vom Ccnt1-Gen produziert wird. Wenn die Gene Ccnt1 und Myc gemeinsam aktiv werden, schaltet das Herz in einen regenerativen Zustand, und die Zellen beginnen sich zu regenerieren.

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Über den Autor

Author profile picture Maurits Kuypers schloss sein Studium der Makroökonomie an der Universität Amsterdam mit dem Schwerpunkt internationale Arbeit ab. Seit 1997 ist er als Journalist tätig, zunächst 10 Jahre lang in der Redaktion von Het Financieele Dagblad in Amsterdam, dann als freier Korrespondent in Berlin und Mitteleuropa. Wenn es um technologische Innovationen geht, hat er immer ein Auge auf die finanzielle Machbarkeit eines Projekts.