Das Frankfurter Pharma-Start-up-Unternehmen Farmako hat einen neuen Weg gefunden, Cannabinoide aus gentechnisch veränderten Bakterien herzustellen, die Zucker in die Wirkstoffe der Cannabispflanze umwandeln. Farmako hat dies im Februar beim Europäischen Patentamt zum Patent angemeldet, teilte das Unternehmen mit.

Laut Sprecherin Victoria Schneider will das Unternehmen auf die stark wachsende Nachfrage nach Cannabinoiden für den medizinischen Gebrauch reagieren. Der Gründer und CEO Niklas Kouparanis (29) spricht von einer “Revolution” in der Pharmaindustrie. Die Cannabiswirkstoffe wie THC und Cannabidiol (CBD) werden immer noch fast ausschließlich aus den Blüten von Cannabispflanzen gewonnen. Es gibt jedoch mehrere Universitäten und Unternehmen, die versuchen, die medizinisch aktiven Substanzen in der Pflanze synthetisch herzustellen. Farmako war eines der ersten, welches dies tat.

Das Farmako-Team mit dem bekannten Start-up-Unternehmer Sebastian Diemer (Dritter von links)

Sie waren nicht die Allerersten. Es gibt auch zwei amerikanische Unternehmen, die Cannabinoide mit Hilfe von Bierhefe herstellen können. Doch laut dem Molekularbiologen und Farmako-Mitbegründer Patrick Schmitt (26 Jahre) ist diese Technik teuer und schwer in industrielle Produktion umzusetzen. Mit den Farmako-Bakterien soll dies ein Stück einfacher sein.

KREUZUNGSZUCHT MIT MALARIA

Die von Farmako verwendeten Bakterien werden auch als “Tequila-Bakterien” bezeichnet, weil sie bei der Herstellung des bekannten mexikanischen alkoholischen Getränks verwendet werden. Der offizielle Name ist Zymomonas mobilis. Farmako hat dieses Bakterium genetisch verändert, indem es Gene aus dem Malaria-Parasiten hinzugefügt und andere Teile des genetischen Materials entfernt hat.

Laut Sprecher Schneider sind die potenziellen Möglichkeiten enorm. In Europa gibt es mehrere Länder, die pharmazeutisches Cannabis legalisiert haben, darunter Deutschland, Dänemark und Großbritannien. In Kanada gibt es einen Markt von 30 Milliarden Euro. Für Europa schätzt der Berater Prohibition Partners, dass der Markt bis 2028 auf 58 Milliarden Euro wachsen wird. Laut Schneider gibt es auch Vorteile für die Kunden. Die Kosten für medizinisches Cannabis können gesenkt und das Angebot erhöht werden, so Schneider.

Farmako ist erst ein Jahr alt und beschäftigt fast 40 Mitarbeiter. Das Unternehmen plant, die Produktion von synthetischem Cannabis in der zweiten Hälfte dieses Jahres aufzunehmen. Das Unternehmen verdient sein Geld auch aus dem “normalen” Handel mit medizinischem Cannabis, wie beispielsweise CBD-Öl. Ziel ist es, ein europäischer Marktführer zu werden. Anfang dieses Monats unterzeichnete sie eine Vereinbarung mit der polnischen Firma Pharmacann über den Import von 50 Tonnen Marihuana-Blüten und Marihuana-Öl in den nächsten vier Jahren. Deutsche Apotheken importieren noch immer viele Cannabismedikamente aus den Niederlanden und Kanada.

Neben Kouparinis und Schmitt ist Sebastian Diemer als Finanzier in das Unternehmen eingebunden. Diemer ist in der Berliner Start-up-Community mit verschiedenen Start-ups und überschwänglichem Lifestyle bekannt. Berichten zufolge verkaufte er eines der von ihm gegründeten Unternehmen, Kreditech, für mehrere Millionen.

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Über den Autor

Author profile picture Maurits Kuypers schloss sein Studium der Makroökonomie an der Universität Amsterdam mit dem Schwerpunkt internationale Arbeit ab. Seit 1997 ist er als Journalist tätig, zunächst 10 Jahre lang in der Redaktion von Het Financieele Dagblad in Amsterdam, dann als freier Korrespondent in Berlin und Mitteleuropa. Wenn es um technologische Innovationen geht, hat er immer ein Auge auf die finanzielle Machbarkeit eines Projekts.