Sicher: Die Kraft des Meeres zur Stromerzeugung zu nutzen ist nichts Neues. Doch während die derzeit bekannten Anlagen auf Gezeiten setzen und vielleicht sogar auch die Meereswelt negativ beeinflussen, hat sich das deutsche Start-up Sinn Power ein anderes Konzept einfallen lassen: Bestehend aus transportfähigen Modulen nutzt diese Anlage Meereswellen zur Energieerzeugung – und ist dabei von Weitem betrachtet gerade einmal so groß wie ein Boot. Gleichzeitig schützt die einzigartige Konstruktion Umwelt und Meeresbewohner und hat als „Abfallprodukt“ sogar noch einen Generator für Kleinwindanlagen im petto. Kein Wunder, dass das junge Unternehmen mittlerweile mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Und Grund genug für uns, den Gründer und CEO der Sinn Power GmbH zu interviewen.

Dr.-Ing. Philipp Sinn, Gründer und CEO der SINN Power GmbH, im Interview mit Innovation Origins

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Wie kamen Sie auf die Idee zur Gründung von Sinn-Power?

@Sinn Power

Als erfahrener Segler habe ich schon früh gelernt, die unendliche Kraft der Meereswellen zu schätzen. Schlussendlich entstand die Firmengründung aus meiner Promotion heraus, bei der ich mich lange und intensiv mit verschiedenen Technologien zur regenerativen Stromerzeugung aus Meereswellen beschäftigt habe.

Was macht Sinn Power im Vergleich zu anderen Produkten besonders?

Die Sinn Power Wellenkraftwerkstechnologie basiert auf einem simplen Konzept: Modularität und Skalierbarkeit. Dank diesem Ansatz besteht eine Flexibilität, die bisherige Konkurrenten noch nicht erreichen konnten. Das Sinn Power Wellenkraftwerk besteht aus einem Verbund von mehreren Einzelmodulen, jedes Modul ist identisch und durch eine starre Tragwerksstruktur werden die Module in einem Verbund auf der Meeresoberfläche getragen.

Dank des modularen Ansatzes, kann das Wellenkraftwerk individuell an Kundenwünsche und Standort angepasst werden. Es besteht keine Gefahr für die Meeresbewohner und auch visuell gibt es keine Beeinträchtigungen. Mit einer Entfernung von mehreren hundert Metern, könnte man das Wellenkraftwerk mit einem kleinen Boot aus der Ferne verwechseln.

Welche Hürden standen Ihnen anfangs im Weg?

Aller Anfang ist schwer! Technologien in dieser Größe fordern eine lange und intensive Forschungs- und Entwicklungszeit und natürlich auch ein gewisses Budget. Aber durch unseren Ansatz können sehr viele Kosten gespart werden, vor allem bietet das modulare Konzept auch einen einfachen Transport – auch an abgelegene Küsten, denn alle Komponenten sind optimiert für ISO-Container.

Worauf sind Sie heute besonders stolz?

Erst kürzlich hat Sinn Power den Hauptpreis der Cleantech Open Global Ideas Challenge gewonnen. Dabei handelt es sich um einen internationalen Wettbewerb des Cleantech Netzwerkes „Cleantech Open“. Durch eine Nominierung des StartGreen Awards wurden wir deutschlandweit als einer von drei nationalen Champions zum CTO Global Forum nach Los Angeles eingeladen. Diese Wettbewerbe und Netzwerke sind eine tolle Bereicherung, vor allem auch im Networking.

Auch sind wir natürlich besonders stolz, dass unser Forschungsprojekt an der Hafenmauer von Heraklion in Griechenland vom BMWi (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) gefördert wird. Förderungen wie diese unterstreichen nochmals das unglaubliche ökologische und ökonomische Potenzial unserer Technologie.

@Sinn Power

An unserem Forschungsstandort in Heraklion, konnten wir erstmals 1:1 Tests unserer Module in Originalgröße durchführen. Dadurch konnten wir viel lernen und kommen der Kommerzialisierung unserer Wellenkraftwerke wieder in Stück näher.

Ein weiteres, wichtiges Beispiel ist unser PowerTrain, Generator und Herzstück unserer Technologie. Da es kein Produkt auf dem Markt gab, was den Anforderungen unseres Kraftwerkes und dem maritimen Umfeld entsprach, haben wir es selber entwickelt. Nun haben wir einen Generator, den PowerTrain 3.4, der über eine CE-Zulassung verfügt und bereits an Kunden vertrieben wird. Seit Mitte 2019 beliefert Sinn Power Unternehmen aus der Kleinwind-Industrie, denn der PowerTrain 3.4 bietet eine optimale Ergänzung für Kleinwindanlagen bis 3 kW und kann durch die integrierte Leistungselektronik Kosten einsparen. Somit erschließen wir auch neue Märkte mit einem selbstentwickelten High-Tech Produkt.

Nochmal kurz zusammengefasst: Ich bin sehr stolz auf unser agiles Engineering bei Sinn Power!

Wo sehen Sie Sinn Power in naher und ferner Zukunft?

Ab 2020 gibt es die neue Version: Der PowerTrain 4.0. Dieser verfügt über eine höhere Nennleistung und kann je nach Anwendungsgebiet modular erweitert werden. Dies wird eine wegweisende Lösung für komplexe Off-grid, Smart-grid und Hybrid Applikationen bieten.

Schon bald wird Sinn Power Menschen an Küsten weltweit mit erneuerbarer und zuverlässiger Energie aus der Kraft der Weltmeere versorgen können. Derzeit bereiten wir uns auf Pilotprojekte vor, um das Sinn Power Wellenkraftwerk vor dem Markteintritt mit Langzeit-Tests zu testen und optimieren. Während der langen und intensiven Forschungs- und Entwicklungszeit haben wir festgestellt, dass manche Produkte, wie z.B. unsere Generatoreinheiten, auf dem Markt noch nicht für das maritime Umfeld ausgelegt sind. Durch agiles Engineering konnten wir diese Produkte selber entwickeln und erschließen zusätzlich noch neue Märkte: Der Sinn PowerTrain bietet eine kompakte, IP-68 geschützte Lösung, um bisherige technologische Herausforderungen von Energieanlagen im kleineren Leistungsbereich (1–10 kW) zu reduzieren.

Besonders Hersteller von Kleinwindanlagen profitieren schon heute von dieser Technologie und wir freuen uns darauf, unsere Produktfamilie PowerTrain 4.0, ein vollumfängliches Smart-Grid-System, ab kommenden Sommer zu verkaufen. Auch hier gibt es wieder eine Besonderheit: Unsere Generatoren und Leistungselektronikkomponenten der neuesten Generation sind individuell auf hunderte von Anwendungsfällen kombinierbar und können modular erweitert und kombiniert werden. Auch können sie problemlos in bereits bestehenden Energiesystemen oder -anlagen integriert werden. Unser mittelfristiges Ziel ist es, diese als festen Bestandteil z.B. in der Kleinwindbranche zu etablieren. Dies ist auch extrem wichtig und hilfreich für unsere Wellenkraftwerke, da wir so auch unseren Stückzahlen näherkommen, um später unseren Kunden das beste Produkt zum richtigen Preis anbieten zu können.

Welche Tipps haben Sie zum Abschluss für andere Gründer?

Im Leben gilt: nicht träumen, sondern machen. Dies mit aller Konsequenz, Fleiß und Überzeugung. Irgendwann habe ich mir das klar gemacht, seitdem komme ich voran, ohne dass es mich zu sehr stresst, sondern mit viel Freude und Erfolg und das im Geschäftlichen wie im Privaten. Dann schafft man es auch, Menschen um sich zu bringen, die genauso denken und handeln – was das eigentliche Sein multipliziert.