„Wir stellen Stents her, die kranke Blutgefäße heilen“, sagt Bart Sanders, Mitbegründer von STENTiT. Sanders und seine Partnerin Sol Cabrera stellen aus löslichen Mikrofasern Stents her, kleine Röhrchen, die ein Blutgefäß offen halten. Das Immunsystem des Patienten reagiert darauf und stimuliert die Zellen, das Blutgefäß wieder aufzubauen. Derzeit werden Stents hauptsächlich aus Metall oder Kunststoff hergestellt. „Mit einem Metallstent kann das Blutgefäß sich langfristig wieder verschließen.“

STENTiT ist ein Spin-off der Technischen Universität Eindhoven (TU/e). Cabrera und Sanders führten gemeinsame Doktorarbeiten zur Entwicklung von Herzklappen durch, die mit dem Körper wachsen. Cabrera arbeitete an dem löslichen Stent, während Sanders die Technik der Herstellung neuen Gewebes erforschte. „Nach unserer Forschung haben wir festgestellt, dass wir unsere Kräfte weiter bündeln können, indem wir gemeinsam einen neuen Stenttyp entwickeln, der kranke Blutgefäße reparieren kann“, erklärt Sanders.

Was ist Ihre Motivation? Was ist das Problem, das Sie lösen wollen?

„Wir wollen die Technologie aus dem Labor zum Patienten bringen. Wir wissen, dass die derzeit verwendeten Stents nicht optimal sind. Das wollen wir ändern. Also wagten wir den Sprung und gründeten ein Unternehmen.“

„Wir haben die Idee den klinischen Partnern vorgestellt. Sie waren sehr begeistert und wollten sofort zusammenarbeiten. Wenn sich Stents auf Dauer wieder schließen, kann dies zu einem Herzinfarkt oder einer Beinamputation des Patienten führen. Unsere Technik kann an verschiedenen Stellen im Körper eingesetzt werden, um diese Folgen zu vermeiden.“

Was ist das größte Hindernis, das Sie überwinden mussten oder überwinden müssen?

„Es ist schwer, ein Medizinprodukt auf den Markt zu bringen. Hierfür gibt es sehr strenge Kontrollen. Wir müssen zeigen, dass der Stent gut funktioniert und dass das Risiko negativer Folgen für den Patienten so gering wie möglich ist.“

„Die Studien, die wir durchführen müssen, um dies zu beweisen, sind sehr teuer. Es ist schwierig, dieses Geld aufzubringen. Die Anleger sind vorsichtig, weil sie es als großes Risiko betrachten. Je weiter das Produkt entwickelt und getestet wird, desto geringer wird das Risiko für Investoren. Aber um das zu erreichen, brauchen wir Investitionen.“

„Es ist schwierig, genügend Mittel aufzubringen, um das Produkt wirklich auf den Markt zu bringen. Wir erhalten Unterstützung von der niederländischen Regierung. Auch die Universität unterstützt uns. So dürfen wir beispielsweise das Labor mit Mikroskopen und dergleichen nutzen. Natürlich können wir als Start-up-Unternehmen nichts davon kaufen.“

Was ist der beste Moment, den Sie mit dem Start hatten?

„Ein Start-up zu gründen, ist wirklich eine Achterbahnfahrt. Wir haben jeden Tag Wow-Momente, ob klein oder groß. Zum Beispiel, wenn ein Test im Labor gelingt oder wenn wir einen Kooperationspartner einbeziehen. Manchmal geht es um die kleinen Schritte, die zu einem besseren Produkt auf dem Markt führen.“

„Es gibt Raum für Verbesserungen: Wir können die Ergebnisse, die wir erzielen, öfter feiern. Ich denke, es ist am besten zu zeigen, dass das, was wir tun, nicht selbstverständlich ist.“

Was können wir im kommenden Jahr von Ihnen erwarten?

„Wir werden im nächsten Jahr mit präklinischen Studien beginnen. In diesen Studien müssen wir nachweisen, dass das Produkt im Labor sicher ist. Sobald wir diese Ergebnisse haben, werden wir die klinischen Studien durchführen. Dann können wir die Technik an Patienten testen. Diese Studien werden mehrere Jahre dauern. Das sind große Schritte für uns als Unternehmen und für das Produkt. Für das Unternehmen ist es jetzt sehr wichtig, dass der Stent den Patienten tatsächlich erreicht. Wenn wir diese Studien erfolgreich abgeschlossen haben, werden wir das Produkt tatsächlich vermarkten können.“

Was ist Ihr ultimatives Ziel?

„Wir wollen das Leben der Patienten in diesem Bereich wirklich verändern. Wir haben dieses Unternehmen als zwei Wissenschaftler mit der Frage gegründet, wie wir als Forscher unsere Idee zum Patienten bringen können. Inzwischen sind wir auch wirtschaftlich einen langen Weg gegangen. Es besteht die Auffassung, dass Wissenschaftler nur im Labor gut sind. Aber wir halten es auch für wichtig, dass wir nicht nur für die Wissenschaft forschen, sondern auch prüfen, inwieweit Patienten davon profitieren können. Wir halten auch Vorträge für Studenten, um sie zu ermutigen, zu sehen, was sie mit ihrer Forschung als Unternehmer anfangen können.“

„Nicht nur Studenten, sondern auch Frauen im Allgemeinen werden zunehmend ermutigt, Unternehmerinnen zu werden. Sol ist dies bereits gelungen. Sie ist nicht nur Unternehmerin, sondern auch Mutter und kommt aus Argentinien. Dafür erhielt sie Anfang des Monats auf dem Global Entrepreneurship Summit in Den Haag auch den Preis Outstanding Woman Entrepreneur in Science and Technology.“

© STENTiT

Hintergrundinformationen

Gründer

Zwei Wissenschaftler: Sol Cabrera und Bart Sanders.

Gründungsjahr

2017

Möglicher Umsatz

Die niederländische Regierung unterstützt, aber keine Umsätze.

Mitarbeiter

Im Moment arbeiten nur wir beide. Um mehr Mitarbeiter einzustellen, brauchen wir zunächst eine Finanzierung.

Ultimatives Ziel

Mit regenerativen Stents Leben retten.

 

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