Ein neues Fahrzeugsegment entsteht. Der Grund: das Interesse an Mitfahrdiensten steigt. Der etablierte öffentliche Nahverkehr mit seinen großen Bussen und Bahnen auf festgelegten Routen oder Taxis, die mehrheitlich für unkoordinierte Einzelfahrten genutzt werden, lassen viel Spielraum für flexiblere, vollautomatisierte Systeme. Allein in Europa, den USA und China sollen bereits im Jahr 2020 rund eine Million solcher On-Demand-Shuttlebusse unterwegs sein, bis 2025 sollen es laut Roland Berger 2,5 Millionen sein.

Die Industrie steht in den Startlöchern. Continental ließ seinen Cube-Shuttle auf der IAA18 in Hannover reale Personen fahrerlos und elektrisch über das Ausstellungsgelände transportieren. Altran und 2getthere wollen am Brüsseler Flughafen Personen befördern. Renault stellte mit EZ-Pro ein modulares Shuttle-Konzept vor, dass je nach Bedarf auf der vierrädrigen Mobilitätsplattform eine Fahrgastkabine, eine Paketstation oder ein Eisdielenmodul transportieren kann. Auch Daimler und Rinspeed haben inzwischen vergleichbare, modulare Systeme vorgestellt. Jetzt zeigt Bosch auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas ein eigenes Personen-Shuttle und ist sich sicher, dass fahrerlose Shuttles bald das Straßenbild von Metropolen weltweit prägen werden.

Schwerpunkt begleitende digitale Services

„Ohne digitale Services von Bosch wird in Zukunft kein Fahrzeug mehr unterwegs se in“, sagt Markus Heyn, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. „Wir bündeln sie in einem intelligenten und nahtlos vernetzten Ecosystem.“ Erst die Verbindung der Technik mit Mobilitätsdiensten mache die On-Demand-Transportmittel alltagstauglich und für Jedermann flexibel nutzbar. Zu diesen Services gehören sowohl Buchungs-, Sharing- und Vernetzungsplattformen, Parkplatz- und Ladeservices sowie Softwarelösungen für das Verwalten und Warten der Fahrzeuge sowie das Infotainment während der Fahrt. „Bosch entwickelt ein weltweit einzigartiges Paket aus Hardware, Software und Mobilitätsdiensten für die Shuttle-Mobilität der Zukunft“, sagt Heyn.

So könnte die Nutzung aussehen

Gebucht werden die Shuttles per Smartphone, egal ob der Nutzer gerade zuhause bequem auf dem Sofa liegt oder im Büro am Arbeitsplatz sitzt. Im Hintergrund erkennt ein Algorithmus, welches Fahrzeug am schnellsten am gewünschten Standort ist und welche anderen Nutzer eine ähnliche Strecke fahren wollen. Nutzen möglichst viele Fahrgäste ein und dasselbe Shuttle, wird die Fahrt für jeden günstiger. Gleichzeitig reduziert sich das Verkehrsaufkommen in Städten und die Umwelt wird entlastet.

Fährt das Shuttle am gewünschten Abholort vor, identifiziert sich der Nutzer per Smartphone. Jeder Fahrgast erhält seinen fest gebuchten Sitzplatz.

Wie weit die Batterieladung reicht und wo neuer Strom geladen werden kann, weiß der Convenience-Charging-Service. Mit ihm hilft Bosch heute schon E-Autofahrern, dass sie nicht mit leerer Batterie liegen bleiben. Dazu verknüpft der Service Fahrzeuginformationen wie den aktuellen Batterieladungsstand und den Energieverbrauch durch Heizung und Klimaanlage mit Daten aus dem Umfeld, wie einer Stau- und Wettervorschau, zu einer präzisen Prognose der Reichweite.

Das kamerabasierte System zur Innenraumerkennung im Shuttle hat im Blick, dass weder Handy noch Handtasche im Fahrzeug liegen bleiben.

Die vorausschauende Diagnose überwacht den Zustand wichtiger Komponenten. Das Shuttle erhält damit schon vor dem Auftreten eines Defekts eine Warnung, so dass es rechtzeitig in die Werkstatt fahren kann.

Test in realer Umgebung

Eine der letzten Hürden für die Umsetzung der Shuttle-Mobilität ist die Automatisierung der Fahrzeuge im komplexen innerstädtischen Straßenverkehr. Zusammen mit der US-Stadt San José im Silicon Valley wollen Bosch und Daimler im Laufe der zweiten Jahreshälfte den vollautomatisierten und fahrerlosen Mitfahrservices erproben. Ziel ist es, das System bis Anfang 2030 serienreif zu machen.

Fotos: Bosch