© CARSTEN LUEHR/ATB

Innovative Lösungen zur Bewirtschaftung wiedervernässter Flächen stehen im Fokus eines Anfang 2022 gestarteten Projekts, das den Transformationsprozess der Landnutzung auf nassen Mooren zum Klimaschutz voranbringen soll. Das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie wird dabei Lösungen für regionale Wertschöpfungsketten erarbeiten, u.a. im Bereich von Fasern für Papierprodukte, Dämmstoffe oder Torfersatzstoffe.

Das vom Landesamt für Umwelt (LfU) Brandenburg koordinierte Vorhaben „Brandenburgs Luchgebiete klimaschonend bewahren – Initiierung einer moorerhaltenden Stauhaltung und Bewirtschaftung (BluMo)“ ist eines von vier Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz, die das Bundesumweltministerium (BMUV) mit insgesamt 48 Millionen Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren fördert, so die Leibniz Gemeinschaft in einer Pressemeldung.

Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekte durch Moorbewirtschaftung und verbesserten Landschaftswasserhaushalt stehen nicht nur auf Brandenburgs politischer Agenda ganz weit oben. Brandenburg will für seine Klimaschutzziele 2030 jährlich 700.000 Tonnen CO2-Äquivalente über den Moorbodenschutz einsparen, u.a. durch die Wiedervernässung von Niedermooren und den Torfschutz. Brandenburg verfügt über 165.000 ha Niedermoorflächen. Vorsichtige Berechnungen gehen davon aus, dass allein für die 750 ha Demonstrationsflächen im Projekt ‚BluMo‘ bei der Anhebung des mittleren Jahreswasserspiegels um 30 cm die Klimawirkung bei 3.249 t CO2-Äq. pro Jahr läge, für die Einzugsgebiete bei mindestens 11.250 t CO2-Äq. pro Jahr.

Umstellung

Auf den bis dahin landwirtschaftlich genutzten Flächen werden dann jedoch andere Pflanzenarten wie Schilf, Seggen, Rohrglanzgras oder Gehölze wie die Schwarzerle dominieren. Für eine Umstellung auf eine moorschonende bzw. moorerhaltende Bewirtschaftung durch Paludikultur, also eine landwirtschaftliche Produktion durch Anbau von Kulturen auf wiedervernässten organischen Böden, fehlt es derzeit an praktikablen und rentablen Beispielen.

„Vor langer Zeit bedeutete die Trockenlegung der Moore und das Erschließen fruchtbaren Bodens einen großen Fortschritt für die Landwirtschaft. Heute wissen wir, dass damit hohe Treibhausgasemmissionen verbunden sind. Im Projekt ‚BluMo‘wollen wir zeigen, dass nicht nur ein Wiedervernässen dieser Flächen machbar ist, sondern auch, dass sich diese Flächen zukünftig nachhaltig nutzen lassen. Hierfür werden wir in ‚BluMo‘ gemeinsam mit der Landwirtschaft die erforderlichen Verfahren entwickeln“, fasst ATB-Wissenschaftler Dr. Ralf Pecenka die Forschungsaufgaben für sein Team zusammen. Die Wissenschaftler*innen haben bereits erste Nutzungsoptionen für Biomasse aus Paludikultur erarbeitet und bringen diese Expertise in die Projektarbeit ein.

Papierprodukte

„Unser Ziel ist es, Verfahren zur Herstellung von Fasern aus Paludibiomasse für Torfersatz, Einstreupellets oder Plattenwerkstoffe zu entwickeln. Dabei setzen wir unter anderem auf unsere umfangreichen Erfahrungen bei der Verarbeitung verschiedener Pflanzenfasern wie Hanf oder Nessel“, erklärt Dr. Ralf Pecenka. „Wir haben bereits vielversprechende Versuchsergebnisse mit Produktmustern aus Paludikulturbiomasse erzielt – und wir haben Ideen, wie regionale Wertschöpfungsketten z. B. im Bereich von Fasern für Papierprodukte oder Dämmstoffe künftig aussehen könnten.“

Ende 2027 sollen erste Verfahrenslösungen zur stofflichen Verwertung von Paludibiomasse im Praxismaßstab demonstriert werden. Bis zum Projektende 2030 werden diese dann schrittweise unter Einbeziehung aller Akteure aus Landwirtschaft und Industrie zu regionalen, quervernetzten Nutzungskonzepten für Moorbiomasse weiter entwickelt.

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