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Jahrgang 1960. Wollte eigentlich nie etwas mit Computern zu tun haben. Studierte zunächst zwei Semester Maschinenbau an der TU München und folgte dann auf Anraten seiner Freunde dem Herzen und sattelte auf Kommunikationsdesign um. Seit 1990 selbstständig und Geschäftsführer der Werbeagentur TWENTYFIRST Communications GmbH. Die Kunden der Werbeagentur rekrutieren sich vorwiegend aus der IT-, Automobil- und Gesundheitsbranche. Mit dem Aufkommen des Apple iPhone verlagerte sich das Geschäft immer mehr in Richtung digitale Medien und Apps. Seit Jahren beobachtet Bernd Maier-Leppla die Elektromobilität (vor allem die Innovationen von Tesla) und entschloss sich Ende 2018 mit e-engine.de ein eigenes Portal zu Elektromobilität, autonomem Fahren und Verkehrswende zu gründen.

Was für ein komische Frage, werden Sie nun denken. Das 21. Jahrhundert ist bereits mehr als 20 Jahre alt. Und doch. Mit dem Aufkommen der Elektromobilität, speziell Tesla, haben sich die Spielregeln für klassische Automobilhersteller grundlegend geändert. Vor allem die deutschen OEMs haben hier lange, vielleicht zu lange gezögert. 

Eine alte Garde von Ingenieuren bei den deutschen Premiumherstellern verhinderte eine schnellere Transformation. Dazu gehörte beispielsweise der längst abgelöste Entwicklungschef bei BMW, Klaus Fröhlich. Noch im letzten Jahr, kurz vor seiner Ablösung, sprach der Ingenieur von der Alternative Wasserstoff im Pkw. Inzwischen versuchen die Münchner mit dem iX und i4 Boden gut zu machen.

Auch das Management von Mercedes-Benz hat einen radikalen Strategiewechsel hinter sich. Denn als VW-Chef Herbert Diess Ende 2019 den Siegeszug der Elektromobilität verkündete, winkten die anderen deutschen OEMs inklusive Daimler geradezu störrisch ab. 

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Damals manifestierte sich das in heftigen Spannungen im gemeinsamen Verband, dem VDA (Verband der Autoindustrie). Das Zauberwort hieß „Technologieoffenheit“, gemeint war „Wasserstoff“ inklusive E-Fuels. Herbert Diess’ Pläne für einen modernen Konzern erklärte man hinter vorgehaltener Hand für verrückt.

Bis Mitte 2020 ließ man sich deshalb Zeit und konzentrierte sich auf das, was man seit Jahren machte: gute Verbrenner bauen. Dann kam Corona, die Verkäufe brachen ein, der Absatz von Elektrofahrzeugen nahm allerdings zu. 

Und plötzlich sprudeln die Gewinne

Der bis dahin belächelte Konkurrent Tesla machte zu dieser Zeit Minigewinne (nach jahrelangen riesigen Verlusten) und auch nach Stückzahlen sah man kaum eine Gefahr aus den USA.

Das dürfte sich seit einigen Tagen radikal geändert haben. Tesla wurde vom Autovermieter Hertz, selbst vor einigen Monaten beinahe pleite, quasi „geadelt“. 100.000 Model 3 sollen bis Ende 2022 in die Mietwagenflotte eingegliedert werden. Der Anteil von Elektrofahrzeugen würde dann rund 20 Prozent betragen. 

Damit nicht genug. Im September 2021 war das Model 3 laut JATO Dynamics der meistverkaufte Pkw in Europa (18 Staaten), in Deutschland überholte man im selben Monat Audi, BMW und Mercedes bei den Stückzahlen der oberen Mittelklasse. Die bisherigen (potenten) Käufer der Audi A4, BMW Dreier und Mercedes C-Klasse kaprizierten sich auf den „US-Außenseiter“.

Chip- und Nachschubkrise

Die Ausrede der deutschen Manager: Chip- und Nachschubkrise. Faktisch haben die deutschen Spitzenmanager aber ihre Hausaufgaben nicht gemacht, denn Tesla publizierte gerade den größten Quartalsgewinn in der Geschichte des Unternehmens – trotz  aller Krisen. Eine Kennzahl zeigte den größten Vorsprung vor den Deutschen: Teslas Bruttomarge von über 30%. Solche Margen sind eher bei IT-Unternehmen üblich, als bei Autoherstellern. Womit wir beim Thema wären. Tesla ist ein Kind des „digitalen“ 21. Jahrhunderts.

All dies katapultierte die Kalifornier in den Billionärs-Club der Weltunternehmen, wo sich Apple, Alphabet und Microsoft tummeln. Inzwischen hat sich der Börsenwert des Elektroauto-Herstellers Stand 25. Oktober laut wolfstreet.com auf über 1 Billion US-Dollar erhöht. Das ist der Börsenwert aller deutschen OEMs zusammengefasst, plus die Börsenwerte von Toyota, BYD, GM, Ford, Stellantis, Honda und SAIC.

„Hätte, hätte, Fahrradkette“

Vor diesem Hintergrund dürfte man sich bei Daimler sprichwörtlich in den Allerwertesten beißen, denn unter dem ehemaligen Chef Zetsche hatte man 4 Prozent Anteile 2014 für 780 Mio. Euro verkauft. Damals hielt man das für einen cleveren Deal. Diese vier Prozent hätten heute einen Wert von rund 40 Mrd. US-Dollar, fast die Hälfte des Börsenwerts der Daimler AG heute. 

Neben der finanziellen Fehlentscheidung, hätte ein Aufstocken der Anteile bei Tesla vermutlich auch einen technologischen Vorsprung für Daimler bedeutet. Schwamm drüber.

Kommen wir zurück zur Frage, ob den deutschen OEMs der Sprung ins 21. Jahrhundert noch glücken kann? Und wieder werden Sie sagen: warum nicht, alle haben’s doch kapiert.

Stimmt. Wenn man den Focus nur auf Tesla richtet. 

China rüstet zum Sturm auf das Bollwerk Europa

Derzeit rüsten allerdings eine Reihe von chinesischen Start ups und Autoherstellern zum Sturm auf das europäische Bollwerk. BYD, NIO, ZEEKR, XPENG um nur einige zu nennen, bieten Elektroautos mit cleverer digitaler Technik und großen Batteriekapazitäten zu Kampfpreisen an. Der derzeitige Testmarkt Norwegen wird zeigen, wie schwer es die deutschen OEMs in Zukunft haben werden.

Und immer mehr (norwegische) Tester stellen fest: auch die Qualität der Stromer aus Fernost nähert sich den deutschen Premiumherstellern rasend schnell an. 

Es wirkt, als würden die deutschen OEMs immer noch glauben, dass die derzeitige Entwicklungsgeschwindigkeit ausreiche. Im letzten Jahrhundert mag das so gewesen sein. Im 21. Jahrhundert aber geben andere die Pace vor.

Die andere Kolumne von Bern Maier-Leppla lesen Sie hier.

Zu dieser Rubrik:

In einer wöchentlichen Kolumne, abwechselnd geschrieben von Bert Overlack, Eveline van Zeeland, Eugène Franken, Helen Kardan, Katleen Gabriels, Carina Weijma, Bernd Maier-Leppla und Colinda de Beer versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, manchmal ergänzt durch Gastblogger, arbeiten alle auf ihre Weise an Lösungen für die Probleme unserer Zeit.

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