Der Niederländer Rik Breur ist der Sieger des Europäischen Erfinderpreis 2019 in der Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen. In seinem Startup Finsulate entwickelte er eine umweltfreundliche Antifouling-Faserbeschichtung für den Schiffsrumpf. Innovation Origins sprach den Erfinder am Rand des Events in Wien:

Finsulate ist eine Antifouling-Faserbeschichtung, die den Rumpf von Schiffen vor dem Bewuchs von Meeresorganismen wie Algen, Muscheln und anderen Meeresbewohner schützt. Die Faserbeschichtung bietet eine Alternative zu biozidhalten Lacken. Diese töten zwar  jedes Leben am Schiffsrumpf, lösen sich aber langsam auf und schädigen so das Ökosystem Meer.

Das Vorbild für seine Anti-Fouling-Faserbeschichtung hat Breur in der Natur gefunden. Beim Tauchen beobachtete er, dass sich auch auf Muscheln und Krabbenpanzern Meeresorganismen ansiedeln. Seeigel dagegen bleiben verschont. Das führte Breur auf deren stachelige Oberfläche zurück und übernahm dieses Prinzip durch den Einsatz von nadelartigen Nylonfasern.

Breurs Faserbeschichtung besteht aus einer umweltfreundlichen Schicht Klebstoff, die in Flocking-Technik – und einem elektrostatischen Verfahren – dicht mit kleinen nadelartigen Nylonfasern überzogen wird.

Der Forscher hat das Material umfassend getestet, um sicherzustellen, dass die Fasern nicht als Mikroplastik die Meere verschmutzen. Ein zusätzlicher Vorteil der Faserbeschichtung ist deren treibstoffreduzierende Wirkung. Die gebräuchliche Lackierung kann den Bewuchs von Meeresorganismen nicht vollkommen verhindern. Bei Bewuchs ist der Schiffsrumpf einem höheren Wasserwiderstand ausgesetzt und der Treibstoffverbrauch kann bis zu vierzig Prozent ansteigen.

Die Faserbeschichtung eignet sich sowohl für Schiffe, als auch für feste Bauwerke im Meer – wie etwa Bohrinseln oder Windkraftanlagen. Der Markt hat also großes Potenzial. Rik Breur im Interview:

Wie lange hat die Entwicklung der Antifouling-Faserbeschichtung gedauert und seit wann ist sie auf dem Markt?

Die ersten Tests im Wasser machten wir 2003. In den ersten drei bis vier Jahren haben wir die Fasertypen entwickelt, um herauszufinden, welcher Fasertyp effektiv ist. Nachdem wir die richtige Faser gefunden hatten, haben wir das Patent angemeldet. Dann wurde die Forschung praktischer. Wir mussten ein geeignetes Verfahren finden, die Beschichtung an Schiffsrümpfen und befestigten Einrichtungen im Meer aufzubringen. Die Markteinführung erfolgte 2006 über Fischfarmen. Diese waren für die Einführung besonders gut geeignet. Die Chemikalien werden nahe am Fisch vermieden, der später von Menschen verzehrt wird.

Wie konnten Sie die Forschung finanzieren?

Am Anfang finanzierten wir das Projekt hauptsächlich durch Fördergelder, die teilweise aus europäischen Quellen, aber auch von der niederländischen Regierung kamen. Das half uns sehr. Später nutzten wir Bankkredite mit staatlichen Garantien. Als sich die ersten kommerziellen Erfolge einstellten, begannen wir mit Investorengeldern zu arbeiten.

Was war ein ermutigender Moment in der Zeit der Forschung?

Es ist die Forschung selbst, die mich antreibt. Auch wenn es von Zeit zu Zeit Probleme gibt. Vor allem am Anfang hatte ich mit großen Problemen zu kämpfen. Aber so lange ich die Probleme verstehe und daraus lernen kann, habe ich den Antrieb weiterzumachen.

Was hat Sie die größte Kraft gekostet?

Das anstrengendste am gesamten Prozess war es, die Leute davon zu überzeugen, dass das Produkt funktioniert. Viele haben es erst abgelehnt und mussten es erst sehen, um es zu verstehen und darauf zu vertrauen. Die Technologie stellt einen Durchbruch dar und unterscheidet sich stark vom Ansatz zuvor: Es ist kein Lack, sondern eine Beschichtung, keine geschmeidige Oberfläche, sondern eine Textur. Die Leute denken, dass sich geschmeidige Objekte schneller im Wasser bewegen. Die Überzeugungsarbeit war sehr schwierig, aber seit es mehr Erfolg und mehr glückliche Nutzer gibt, ist es einfacher geworden.

Sie sind ein Einmann-Unternehmen – wie ist das Unternehmen organisiert?

Ich habe vieles ausgelagert. Einen Teil der Produktion, die Logistik und die Montage. Aber wir haben in den vergangenen zwei Monaten so viele Anfragen bekommen, dass ich schon in der Früh um sieben Uhr dreißig beginne, die Anfragen aus Australien zu beantworten, untertags beschäftige ich mich mit europäischen Kunden und am Abend beginne ich mit den Kunden aus Kanada und USA zu diskutieren. Das heißt, wir sind derzeit sicher zu klein. Wir arbeiten gerade an einem Investment, um zu expandieren.

Was ist Ihr unternehmerisches Ziel?

Mein Hauptziel ist es so viele Chemikalien wie möglich loszuwerden. Um das als Unternehmen zu schaffen, brauchen wir mindestens fünf bis zehn Prozent Weltmarktanteil.

Das heißt, Sie wollen das Unternehmen zum Wachsen bringen, um die Verunreinigung der Weltmeere einzudämmen?

Ja sicher, wir müssen wachsen und je schneller desto besser. Das Produkt ist erprobt und die Leute akzeptieren es und schätzen die Wirkung. Wenn wir jetzt mehr Marketinggeld investieren und mehr Mitarbeiter im Vertrieb beschäftigen, kann das Unternehmen leicht wachsen. In diesem Sinn sind wir jetzt in einer viel niedrigeren Risikophase als noch vor zwei Jahren, als wir noch an Kinderkrankheiten litten, die jetzt aber behoben sind.

Gibt es außer der Biofouling- Faserbeschichtung noch andere Dinge, die Sie erforschen möchten?

Im Moment bin ich noch Entrepreneur (lacht) und das ist für einen Forscher nicht ganz einfach. Ja, die Idee ist es, das Unternehmen bekannt zu machen und bis zu einer gewissen Größe zu bringen. Wenn die Geschäfte erst gut laufen, gibt es wahrscheinlich andere, die besser sind in der Führung eines Unternehmens. Und dann wird es auch andere Herausforderungen für mich geben. Ganz sicher.

Werden Sie in dem Feld bleiben oder das Feld wechseln?

Ich habe schon ein paar andere Ideen. Das ist das Dilemma des Erfinders. Man muss fokussiert bleiben. Wenn man alles machen will, funktioniert nichts mehr.

Gibt es ein übergeordnetes Ziel für Ihre zukünftigen Forschungsprojekte?

Es war immer schon mein Ziel, Produkte zu entwickeln, die umweltfreundlicher sind als vergleichbare andere Produkte am Markt – Produkte mit einem geringeren CO2-Fußabdruck und ohne schädliche Chemikalien. Ich möchte zu einer etwas besseren Welt beitragen.

Danke für das Gespräch. 

Über Rik Breur

Der Wissenschafter widmete schon seine Doktorarbeit an der Technischen Universität Delft 2001 dem Thema Korrosion und Biofouling. Im Jahr darauf gründete er sein eigenes Forschungsunternehmen, aus dem schließlich Finsulate hervorging.

 

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