Der Verbrennungsmotor könnte überleben, wenn die Entwicklung von E-Fuels konsequent vorangetrieben würde. Doch noch blockieren zu viele Parameter verschiedener Art den Marktstart von synthetischen Kraftstoffen. Auf dem Internationalen Motorenkongress im Februar 2019 soll darüber diskutiert werden. Ein Überblick über die aktuelle Situation.

Das große Ziel der Automobilbranche heißt Emissionsreduzierung. Dass Fahrverbote, wie sie nun fast wöchentlich in den Medien aufpoppen keine langfristige Lösung sein kann, ist einleuchtend. Alternativen sind beispielsweise Elektroautos – eine flächendeckende Umsetzung scheitert jedoch unter anderem an den hohen Anschaffungskosten. Eine weitere Möglichkeit sind Wasserstoffautos – dafür fehlt es an der flächendeckenden Infrastruktur. Möglich wäre aber auch herkömmliche Verbrennungsmotoren mit synthetischen Kraftstoffen zu füttern. E-Fuels könnte also die Antwort auf einen nahezu emissionsfreien Betrieb von Fahrzeugen sein. Vor allem, da sie auch für den Transportverkehr sowie in der Schiff- und Luftfahrt einsetzbar wären.

CO2-Reduktion bis 2030

Die EU-Kommission fordert, die CO2-Emissionen bis 2030 um 30 Prozent zu senken. Dem folgt auch die Bundesregierung. Autobauer und Zulieferer müssen also nicht nur handeln, sondern konkrete Alternativen auf den Markt bringen. Dass dabei Elektroautos nur einen Teil der Lösung sein können, erscheint angesichts der noch zu geringen Verbreitung an e-Ladesäulen logisch. Es müssen also vielfältige Maßnahmen her, um Klimaziele erreichen zu können.

E-Fuels als Jobmotor

Experten gehen davon aus, dass synthetische Kraftstoffe ein möglicher Weg sein könnten, um CO2-Emissionen nachhaltig zu reduzieren. In einem Positionspapier des Bundesverbands der Deutschen Industrie e.V. (BDI) heißt es: „Ohne e-fules sind die Pariser Klimaziele nicht erreichbar.“ Die Vorteile liegen auf der Hand: Die existierende Infrastruktur und bestehende Antriebstechnik könnten genutzt werden. Zudem rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Studie vor, dass durch E-Fuels bis zu 470.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen könnten.

E-Fuels im Transportwesen

Um Klimaziele zu erreichen, kann auf E-Fuels im Transportwesen sowie Individualverkehr nicht verzichtet werden. Foto: Mikes Photos von Pexels

Preis wird sinken

Jedoch schmälern der erhöhte Energiebedarf bei der Produktion sowie der entsprechende Preis noch die Erwartungen. Doch laut BDI sind in Zukunft Herstellungskosten von etwa einem Euro pro Liter pro Dieseläquivalent möglich. Denn Deutschland sei bei der Entwicklung und Herstellung von Elektrolyseuren sowie Umwandlungstechnologien führend. Beispielsweise werden für die Erzeugung von E-Fuels Methanisierung, Methanolsynthese oder Fischer-Tropsch-Reaktoren verwendet. Diese müssten weiterentwickelt werden, um ihre Effizienz zu verbessern und Kosten zu senken. Laut Schätzungen des BDI flossen bisher 200 Millionen Euro in Deutschland in E-Fuels-Technologie. Das Geld wird für Forschungszwecke, Bau von Pilotanlagen und Finanzierung von Start-ups verwendet.

Vielversprechende Forschung

Universitäten wie die TU MünchenInnovation Origin berichtete – forschen intensiv an synthetischen Kraftstoffen. Mit dem Projekt XME-Diesel, das vom Bundesministerium gefördert wird, soll herausgefunden werden, wie sich synthetischer Kraftstoff in Motoren verhält.
Auch das Forschungszentrum in Jülich beschäftigt sich intensiv mit der Erforschung künstlicher Antriebsmittel. Im Rahmen des Projekts Prometheus entwickeln die Forscher einen Membranreaktor mit extradünnen Zellen. Mit ihm sollen E-Fuels in nur einem Schritt hergestellt werden. Bislang sind mehrere Arbeitsabläufe dazu nötig.

Industrie schließt sich zusammen

Auch namhafte Unternehmen aus der Automobilindustrie haben bereits die künstlichen Antriebsstoffe für sich entdeckt. Unter dem Projekt „reFuel“ schlossen sich in diesem Sommer Vertreter aus der Zulieferindustrie sowie Energie- und Mineralölwirtschaft zusammen, um die Entwicklung, Anwendung und Verbreitung voranzutreiben. Mit dabei sind:

AUDI AG, Caterpillar Energy Solutions GmbH (MWM), Daimler AG, Eberspächer GmbH & Co. KG, Freudenberg Sealing Technologies GmbH & Co. KG, KS Kolbenschmidt GmbH, Mahle GmbH, Mann+Hummel GmbH, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Robert Bosch GmbH, Rolls-Royce Powersystems AG (MTU) sowie EnBW Energie Baden-Württemberg AG und MiRO GmbH & Co. KG mit Unterstützung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV).

Wie kann der Marktstart klappen?

Damit synthetische Kraftstoffe im Markt erfolgreich eingeführt werden können, braucht es laut BDI verschiedene Gesetzesänderungen. Dazu müssten E-Fuels in der CO2-Flottenregulierung für PKWs, Nutzfahrzeuge und LKWs angerechnet werden. Damit könnten langfristig die Herstellungskosten pro Liter Dieseläquivalent gesenkt werden.

Besteuerung zentraler Diskussionspunkt

Eine weitere wichtige Rolle kommt der Besteuerung der eingesetzten Kraftstoffe zu. Wird die Energiesteuer auf Kraftstoffe auf die dadurch verursachten CO2-Emissionen angerechnet, fallen bei der Benzinherstellung pro Tonne CO2 etwa 230 Euro an. Diesel kommt auf 145 Euro pro Tonne – bei im Vergleich höheren Kfz-Steuern. Die Steuer auf Strom liegt beim heutigen Strommix bei 39 Euro pro Tonne CO2. Als Marktanreiz sollte laut BDI gerade für die Markteinführung steuerliche Entlastungen gewährt werden. „Nur mit einem gezielten Markthochlauf in Kombination von attraktiven Zielmärkten und einem Marktförderprogramm können die Herstellungskosten von E-Fuels auf das Niveau von fossilen Kraftstoffen gesenkten und eine erneuerbare Kraftstoffindustrie aufgebaut werden“, fasst der BDI in einem Positionspapier zusammen.

Es gibt also noch viel Diskussions- und Aufklärungsbedarf, bis synthetische Kraftstoffe eine Marktreife erreichen. Geplante Diskussionen wie auf dem Internationalen Motorenkongress im Februar 2019 sind demnach dringend notwendig.

 

Aufmacher-Foto: Aleksejs Bergmanis von Pexels