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Social Distancing – das heißt, sich anderen Menschen bis auf maximal eineinhalb bis zwei Metern zu nähern. Noch einige Zeit wird uns das wohl beschäftigen. „Bis ein Impfstoff oder zumindest ein Medikament gegen COVID-19 vorhanden ist“, erzählen uns Politiker gebetsmühlenartig beinahe täglich. Wann das sein wird, kann uns aktuell jedoch niemand sagen. „Frühestens Ende des Jahres, vielleicht auch erst nächstes Jahr.“

Die nächste Frage ist nun: Wie lange können sich Menschen wirklich daran halten? Schon jetzt haben Ordnungshüter bei schönem Wetter alle Hände voll zu tun, dieses Kontaktverbot zu überwachen. Je länger die Krise anhält, desto schwieriger und aufwändiger könnte diese Aufgabe werden. Aber nicht immer lassen sich Menschenansammlungen komplett vermeiden. So zum Beispiel beim Einkaufen. Da ist es schon fast normal, sich vor einem Geschäft anzustellen, bevor man eingelassen wird. Social Distancing ist für uns zu einem wichtigen Bestandteil des täglich Lebens geworden. Auch wenn es schwer fällt, es einzuhalten. Das britische Start-up Lanterne hat nun eine kostenlose App erfunden, die Social Distancing selbständig überwacht. Unterstützt wird das Unternehmen von der European Space Agency (ESA).

Anonymisierte Daten von Google Maps

Die App Crowdless nutzt Satellitendaten und KI, um zu ermitteln, wo sich auf der Welt mehrere Menschen versammeln. Diese Daten kommen aus anonymisierten, bestehenden Datenquellen, wie die Programme Google Maps und Google Places. Sie verfolgen die Bewegungen von Besitzern mobiler Geräte wie Handys oder Tablets. Diese Informationen kombinieren die App mit Crowd-Sourcing-Daten. Dazu fordert sie den Nutzer auf, zu bestätigen, ob sich an seinem Standort viele Menschen befinden oder nicht.

Social Distancing per App und Satellitendaten überwachen.
© Lanterne

Mit Hilfe dieser App können Menschen auch überprüfen, ob ein Geschäft voll ist oder nicht. Noch bevor sie das Haus verlassen, zeigt ihnen die App an, wieviele Personen, sich etwa in Supermarkt oder Apotheke befinden. Ist es voll, könnten sie später einkaufen gehen. Vielleicht sogar auf weniger überfüllte Geschäfte in der Nähe ausweichen, betonen die Erfinder.

Die Lanterne-Mitbegründer, Alex Barnes, Yohan Iddawela und Sebastian Mueller, bauten bei der App-Entwicklung auf die Fortsetzung ihres Kernprodukts. Es hilft Menschen in Konfliktgebieten bei der sicheren Navigation. Nach drei Tagen war die App einsatzfähig und wurde in den vergangenen vier Wochen bereits in Form von sechs weiteren Prototypen getestet.

App komplett kostenlos

„Unsere Hoffnung ist, dass Crowdless den Menschen helfen kann, Social Distancing effektiver zu beobachten, in Sicherheit zu bleiben und einen Beitrag zur Verlangsamung der Infektionsrate von Covid-19 zu leisten“, sagt Yohan Iddawela. „Deshalb wollten wir sehen, was wir mit unseren Fähigkeiten tun können, um den Menschen in einer so schwierigen Zeit zu helfen. Wir setzen uns auch dafür ein, dass diese App für jedermann komplett kostenlos bleibt.“

Auch Nick Appleyard, Leiter Business Operations der ESA, ist zufrieden: „Wir alle achten darauf, soziale Distanz zu wahren und Menschenmassen zu vermeiden, und freuen uns auf den Tag, an dem wir wieder ein normaleres Alltagsleben führen können. Diese App kann dazu beitragen, uns diesem Tag näherzubringen und, dass wir in der Zwischenzeit alle sicher sind.“

Crowdless ist kostenlos und steht zum Download auf iOS und auf Android zur Verfügung.

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.