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Ein Team von Studierenden an der EPFL, der technischen Universität von Laussanne in der Schweiz, arbeitet an einer App, mit der überprüft werden kann, ob Ihr Husten ein Symptom einer Coronavirusinfektion ist.

Die Idee stammt von der amerikanischen Studentin Lara Orlandic, die an der Schweizer Universität Elektrotechnik studiert. Ihre Mutter ist Ärztin in den Vereinigten Staaten und arbeitet laut Orlandic mit COVID-19-Patienten. “Eines Tages kam eine Freundin zum Haus meiner Mutter, ohne zu wissen, dass sie mit dem Virus infiziert war. Es ist bekannt, dass Apps in Entwicklungsländern weit verbreitet sind, um Lungenentzündung und Asthma zu erkennen. Das ist praktisch, weil es dort an vielen Orten keine medizinischen Einrichtungen gibt. Und alles, was man für den Test benötigt, ist ein Smartphone, um die App zu installieren. Deshalb dachte ich, dass es praktisch wäre, eine solche App für die Erkennung eines Coronahustens zu machen”.

Billiger und schneller als Labortests

Die Studierenden arbeiten mit Universitätskliniken in Bern und Laussanne zusammen. Dadurch erhielten sie Zugang zu ein paar hundert Aufnahmen von Hustengeräuschen von Personen, die positiv auf COVID-19 getestet wurden. Es ist geplant, dass die App eine klinische Studie durchläuft, damit sie als medizinisches Instrument eingesetzt werden kann. “Dazu sind mehrere tausend Proben von Hustengeräuschen von Coronapatienten erforderlich”, sagen Stefano Vojinavic und Tomas Teijeiro, die ebenfalls an der EPFL studieren. Die klinische Studie würde, nach ihren Erwartungen, nicht lange dauern. “Das Verfahren ist nicht das gleiche wie bei Medikamententests.” Und es stehen nun auch viele Patienten zur Verfügung, die an der Studie teilnehmen können.

Wenn die App verfügbar ist, werden Regierungen in der Lage sein, sie an Orten einzusetzen, an denen es gerade einen Virusausbruch gegeben hat. Dann können viele Menschen ganz schnell einen ersten Test durchzuführen und bei positivem Ergebnis einen Arzt aufzusuchen. Er oder sie kann dann einen serologischen (Antikörpertest) und einen PCR-Test (Test auf Virus-DNA) verschreiben, die das Labor durchführt. Das kann eine Menge unnötiger Labortests ersparen.

Nennen Sie zehn Tierarten

Eine fundierten Analyse mit Hilfe von KI wird immer häufiger vor der medizinischen Behandlung durchgeführt. So werden teure Testkosten gespart. Zum Beispiel entwickelt der Deutsche Gregor Mustermann eine KI für die “Deep-Speech-Analyse”, die Antworten auf bestimmte Fragen analysiert. Auf der Grundlage der Ergebnisse der Analyse kann festgestellt werden, ob eine Person an Demenz leidet oder nicht. Zumindest ist dies die Absicht der KI (‘Deepspeech Analysis for Clinical Trial’, DeepSpA).

Während einer Konferenz des europäischen Investmentfonds EIT Digital im niederländischen Eindhoven erklärte er im vergangenen Jahr die Funktion. Es wird jemand angerufen, der auf das Vorliegen einer Demenz oder das Risiko, dass bald eine Demenz auftritt, untersucht werden soll. Der Anruf besteht aus Fragen wie: Nennen Sie so viele Tiere wie möglich in einer Minute. Die KI analysiert die Antworten. Wie viele Tiere hat jemand erwähnt? Gibt es ein Muster in den gegebenen Antworten, das zeigt, dass jemand in der Lage ist, viele Tiere schnell aufzulisten? Wenn jemand zum Beispiel zehn Vögel hintereinander erwähnt und dann zehn Katzen, zeigt dies, dass die Person systematisch denkt. So untersuche die KI auch die Funktionsweise der tieferen neuronalen Netze, sagte Mustermann.

Demenz telefonisch begleiten

Der DeepSpA ist ein praktisches Werkzeug, das in Zukunft als vollautomatischer Chatbot funktionieren könnte. Dies könnte den Ärzten in Zukunft Zeit sparen. Demenzkranke Patienten müssen sich regelmäßig solchen Tests unterziehen, um zu sehen, wie sich die Krankheit entwickelt. In einem frühen Stadium kann man noch etwas tun, sagt Sebastian Köhler, Alzheimer-Forscher und Neurowissenschaftler an der Universität Maastricht. Er ist ein Kollege Mustermanns. “Mit gesunder Ernährung, Bewegung, Anregung des Gehirns kann man auch im mittleren Stadium noch viel erreichen. Viele Menschen wissen das nicht”.

Die DeepSpA sei auch ein nützliches Instrument für die Pharmaindustrie, sagte Mustermann. Deshalb arbeitet Mustermanns Team unter anderem mit dem Arzneimittelhersteller Janssen zusammen. “Wenn man ein Medikament gegen Demenz testen möchte, kann man mit dieser App schnell und kostengünstig die richtige Zielgruppe auswählen.”

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