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Wer herausfinden möchte, ob die letzte schlimme Erkältung vielleicht eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 war oder nur ein simpler Husten, der muss sich bisher beim Arzt Blut abnehmen lassen. Diese Blutprobe wird dann in einem Labor analysiert und man erfährt einen oder zwei Tage später das Ergebnis. Außerdem ist auch ein recht tiefer Griff in die Tasche nötig, da so ein Test nicht ganz billig ist. Zwischen 30 und 50 Euro sind da schnell mal fällig.

Forscher der Universität Leipzig haben nun im Rahmen eines breit angelegten Forschungsprojektes einen Corona-Antikörpertest entwickelt, den jeder bei sich zuhause durchführen kann. So sollen mehr Menschen Gewissheit bekommen, ob sie eine Infektion bereits hinter sich haben oder nicht. Anders als andere Antikörper-Schnelltests, die als unzuverlässig gelten, besteht dieser Test aus einem Set für eine nicht invasive Blutentnahme aus der Fingerbeere mit anschließendem Labortest.

Der Test mit dem Namen „AProof“ solle als Basis für weiterführende Forschung zur tatsächlichen Verbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung dienen und könne auch in Schulen, Kitas, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen dafür genutzt werden, Risikogruppen noch besser zu schützen, sagen die Wissenschaftler. „Dies geschieht durch gezielten Personaleinsatz von Kräften, bei denen Antikörper nachgewiesen wurden und die dadurch ein Ansteckungsrisiko minimieren.“

Wichtige Grundlage für weitere Forschung

Außerdem gewinne die Wissenschaft wertvolle Daten, um besser abschätzen zu können, wie viele Menschen in welchen Regionen zwischenzeitlich eine Infektion durchgemacht haben. Um die Verbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung zu bestimmen, auch unter Menschen, die keine Symptome hatten und somit unerkannt geblieben sind, ist eben dieser Nachweis von Antikörpern im Blut wichtig. Die Antikörper, die der Körper gebildet hat, sind länger nachweisbar als das Virus selbst.

„Damit ist eine wichtige Grundlage für weitere Forschungen geschaffen”, sagt Prof. Dr. Ralf Hoffmann vom Institut für Bioanalytische Chemie, Fakultät für Chemie und Mineralogie, der den Test gemeinsam mit seinem Kollegen Prof. Dr. Jörg Gabert von der Firma Adversis Pharma in der BioCity Leipzig entwickelt hat. „Für eine zuverlässige Testmethode brauchte es im ersten Schritt ein spezifisches Protein, das wir binnen kürzester Zeit identifizierten und für die Verwendung im Test zur Verfügung stellen konnten.”

Ergebnis online abrufbar

Das Ergebnis könne sich sehen lassen, da der Antikörpertest in der Handhabung sehr einfach sei und in der Auswertung sehr zuverlässige Ergebnisse liefere, freute sich Prof. Gabert bei der offiziellen Vorstellung des Tests. Der kann sowohl über Apotheken als auch online bezogen werden.

„Alles was es dafür braucht, sind wenige Tropfen Blut, die auf einen Teststreifen gegeben werden. Sobald das Blut getrocknet ist, kann der Teststreifen an ein Labor geschickt werden. Jedem Test-Set liegt ein individueller Zugangscode bei, unter dem man sich registriert und das Ergebnis online abrufen kann”, so Gabert. „Die in den Laboren gewonnenen anonymisierten Daten stehen dann zur weiteren Erforschung zur Verfügung.” Das Ergebnis kann innerhalb von 24 bis 48 Stunden online abgerufen werden.

Gegenüber dem Ärzteblatt erklärte Hoffmann, der Test sollte frühestens 14 Tage nach einem positiven PCR-Befund durchgeführt werden. Wie lange man Antikörper sicher nachweisen könne, sei derzeit jedoch noch offen. „Ich erwarte hier einen Zeitraum von circa sechs Monaten – bei vielen Patienten wird man wahrscheinlich auch noch nach neun bis zwölf Monaten Antikörper nachweisen können, aber dazu fehlen bei dieser neuen Infektionskrankheit noch die Grundlagen.“

Das Gesamtforschungsprojekt ist bis 2022 angelegt und wird mit 323.000 Euro aus Mitteln des Freistaats Sachsen und der Europäischen Union unterstützt.

Der Antikörpertest ist ein Gemeinschaftsprojekt des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums (BBZ) der Universität Leipzig und der Firma Adversis Pharma in der BioCity Leipzig.

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.