Ammoiakproductiefaciliteit Petrokemija, Kutina. Foto: Petrokemija
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In Kroatien spielen die vielen ausgedehnten Naturgebiete eine wichtige Rolle bei der Bewältigung der Klimakrise. Die kroatischen Wälder gehören zu den fünf wichtigsten der Welt, was die CO2-Bindung angeht. Aber nicht nur die Natur leistet ihre Arbeit. Auch Unternehmen und Wissenschaftler des Landes starten ehrgeizige Projekte, um die Klimaziele zu erreichen, unter anderem im Rahmen des nationalen Recovery and Resilience Plan. Dazu gehören zwei Pilotprojekte zur Abscheidung von CO2 und dessen anschließender Speicherung in Gas- und Ölfeldern. „Es ist eine großartige Initiative, aber es gibt definitiv Hindernisse“, sagt Stasa Puskaric, Professor am Rochester Institute of Technology.

Die letzten Jahren waren sehr schwierig für Kroatien. Das Land wurde nicht nur von der Pandemie, sondern auch von mehreren Erdbeben heimgesucht. Der Großteil der Gelder, die Kroatien von Europa erhält, wird daher in den Wiederaufbau und die Nachhaltigkeit der betroffenen Gebäude investiert. Dies wird indirekt zur Reduzierung der Emissionen des Landes beitragen. Das Land investiert aber auch in die direkte Abscheidung von CO2.

CO2-Speicherung in Öl- und Gasfeldern

Zwei Pilotprojekte zielen darauf ab, die CO2-Emissionen in einer Ammoniakproduktionsanlage und einer Ethanolraffinerie zu reduzieren. Ein Pilotprojekt wird in der Ammoniakproduktionsanlage von Petrokemija Kutina durchgeführt. Dabei wird CO2 abgeschieden und über eine bestehende Gaspipeline zu erschöpften Öl- und Gasfeldern in Ivanić Grad, einer Stadt in der kroatischen Provinz Zagreb, transportiert. Ziel des Projekts ist die Abscheidung von 190.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Eine zweite Investition wird in eine CCS-Anlage fließen, die Teil eines Ethanol-Raffinerieprojekts sein wird. Mit diesem Projekt sollen 55.000 Tonnen CO2 pro Jahr abgeschieden werden, die zu erschöpften Gasfeldern in etwa 40 km Entfernung vom Standort transportiert werden.

Das Hauptziel ist es, sicherzustellen, dass an den beiden Standorten kein Kohlendioxid in die Luft gelangt, heißt es in dem Plan. Auch die Speichertechnik muss verbessert werden. Darüber hinaus dienen die Projekte als Beispiel für Unternehmen, die sich auf die Produktion fossiler Brennstoffe konzentrieren. Das CO2 wird über bestehende Gaspipelines von INA, einem mittelgroßen europäischen Ölunternehmen, transportiert werden. Die Pipelines müssen vor der Nutzung noch renoviert werden.

Nutzen

„Kroatien ist nur ein kleines Land, und unsere Emissionen, etwa 24.000 Kilotonnen pro Jahr, sind nur ein Bruchteil der weltweiten Emissionen“, sagt Puskaric. Der Professor, der kürzlich in dem Dokumentarfilm „Ice on Fire“ mit Leonardo Dicaprio über seine Forschung sprach, konzentriert sich in seiner Arbeit auf natürliche Prozesse, die Kohlenstoff binden, insbesondere durch die Nutzung natürlicher Systeme im Meer. Er ist skeptisch gegenüber den Pilotprojekten. „Verstehen Sie mich nicht falsch, jedes kleine bisschen hilft, und ich bin froh, dass wir uns unserer Auswirkungen auf das Klima immer mehr bewusst werden. Betrachtet man jedoch die Menge des abgeschiedenen CO2, so ist nicht zu erwarten, dass diese Projekte einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Klimakrise leisten. Was ich hoffe ist, dass die Projekte der fossilen Industrie zeigen werden, dass es möglich ist, sauberer zu arbeiten.“

Energieverbrauch

Abgesehen von den geringen Auswirkungen gibt es nach Ansicht des Professors noch einen weiteren großen Nachteil: den Energiebedarf. „Die Kohlenstoffabscheidung erfordert viel Energie. Man muss das Gas konzentrieren und es unter Druck setzen. Außerdem ist es sehr energieaufwändig, das Wasser in die Reservoirs zu pumpen. Ich frage mich daher, ob diese Projekte wirklich etwas Wesentliches zu den Gesamtauswirkungen auf das Klima beitragen werden.“

Meeresschnee

Insbesondere müssen wir die globalen, natürlichen Systeme, die energieeffizient sind, stärker nutzen, wenn wir einen echten Einfluss auf die Kohlenstoffbindung haben wollen. „Darauf konzentriere ich mich bei meinen Studien über CO2 und Meeresschnee„, sagt der Professor. „Meeresschnee ist eine Art Schauer aus organischem Material, der aus dem oberen Wasser in die Tiefsee fällt. Indem wir die Bildung von Meeresschnee anregen, könnten wir dem Ozean helfen, atmosphärisches CO2 zu entfernen. Es könnte eine natürliche Methode sein, um die globale Erwärmung und den Klimawandel zu verhindern. Das hat eine viel größere Auswirkung auf das Klima als die kleineren Projekte, die CO2 künstlich abscheiden.

Jedes bisschen hilft

Aber egal, wie intensiv wir uns in den kommenden Jahren mit der CO2-Abscheidung beschäftigen, die Tatsache bleibt bestehen, sagt der Professor: „Vorbeugen ist immer noch besser als heilen. Noch viel wichtiger ist es, dass wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erkennen und etwas gegen deren Emissionen tun.“

Die Pilotprojekte sind nur ein kleiner Teil des kroatischen Gesamtplans zur Umstellung auf umweltfreundliche Technologien. „Die Dämmung von Häusern, der Ausbau von Zugverbindungen und auch die Abscheidung von CO2 sind extrem wichtige Dinge, die alle angegangen werden müssen“, so der Professor mit Blick auf den landesweiten Plan für Wiederaufbau und Resilienz. „Es ist ein großartiger Schritt, dass Europa diese Mittel für die Nachhaltigkeit der EU-Länder zur Verfügung stellt, und ich sehe, dass überall auf der Welt einige sehr gute Projekte gestartet werden. Dies ist ein Schritt, den die Welt dringend braucht.

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