Stillstand ist Rückschritt. Unternehmer aus verschiedenen Disziplinen haben ein wachsendes Innovationsbedürfnis. Wie sein genau damit umgehen sollen, ist oft schwierig, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Deshalb versuchen die Technische Universität Eindhoven (TU/e), Fontys, MKB Eindhoven und Eindhoven Engine, innovative Unternehmer mit Vorträgen über die Anwendung vielversprechender Technologien zu inspirieren.

Unter dem Namen HIGH5 startete im August eine neue Vortragsreihe. TU/e Professoren teilen ihr Wissen mit Unternehmern und hoffen, dadurch auch von ihnen zu lernen. Nach einer solchen theoretischen Vorlesung können innovative KMUs, oft Spin-offs der Universität, sehen, wie dieses wissenschaftliche Wissen in ihrem Unternehmen angewendet wird. „Für teilnehmende KMUs ist das ein leichter Zugang zur Wissenschaft und ihren Anwendungen“, sagt Monique Greve, Initiatorin der Vorträge. Die Vorträge befassen sich unter anderem mit 3D-Druck, Photonik und Datentechnik.

„Durch die Kombination von Theorie und Praxis wollen wir Unternehmer für Innovationen begeistern und sie inspirieren, selbst damit zu arbeiten“, sagt Greve. Für KMUs ist es schwieriger, einen Weg in eine Universität oder eine andere Wissenseinrichtung zu finden. Deshalb organisiert Greve zusammen mit ihrem Kollegen Herman van Hoeven seit fünf Jahren diese Low-Key-Vorträge.

Die Reihe startete im August mit einer Sitzung zum Thema Kreislaufwirtschaft. „Ein Thema, mit dem sich jeder Unternehmer auseinandersetzen muss“, sagt Greve. Dass Unternehmer an solchen Innovationen interessiert sind, zeigte sich an der langen Liste der Bewerber. „Wir mussten sogar in eine größere Halle umziehen“, sagt sie stolz. „Auch für die zweite Vorlesung, den 3D-Druck, gab es viel mehr Anwendungen als Plätze.“

Zusammenführung von Unternehmen und Wissensinstituten

Für kleine und mittlere Unternehmen sei es laut Greve sehr interessant zu sehen, wie eine bestimmte Technologie funktioniert und wer daran arbeitet. „Große Unternehmen wissen oft, wohin sie sich wenden müssen, um Informationen zu erhalten oder Fragen zu stellen, aber für kleinere Unternehmen ist das schwieriger“, erklärt sie. Wenn es beispielsweise um Robotik oder Photonik geht, sind KMUs im Innovationsprozess oft auf sich gestellt. „Deshalb versuchen wir, während der Vorlesungen Informationen zu geben, die ihren Bedürfnissen entsprechen. Mit einem ‚Network Drink‘ versuchen wir dann, Unternehmen untereinander und mit den Mitarbeitern der beteiligten Partner in Kontakt zu bringen.“

Eine Brücke zum Markt schlagen

Mit diesen Vorträgen versuchen die Organisatoren, die Lücke zwischen Forschung und Praxis rund um eine bestimmte Technologie zu schließen. „Das kann auf zwei Arten geschehen. Manchmal ist ein Forscher daran interessiert, eine Technologie auf den Markt zu bringen. Dann bringen wir die Technologie von der Universität sozusagen auf den Markt“, erklärt Greve.

„Auf der anderen Seite kann es auch eine Marktnachfrage nach einer bestimmten Technologie geben. Dann können wir eine Verbindung herstellen, die ihnen hilft, voranzukommen.“ Wenn Unternehmer nach der Vorlesung noch Fragen haben, können sie sich an das TU/e Innovation Lab oder einen der anderen Partner wenden. „Es kommt darauf an, welche Partner dem Unternehmer am besten helfen können“, sagt Greve.

Zu diesem Zweck gibt es an der Universität z.B. De Vragenbank (The Question Bank). Das ist eine Initiative, in der KMUs den Studenten Fragen zur Technik stellen können. Diese liefern einen Basisbericht mit einer Antwort für das Unternehmen. Danach können Unternehmen und Studenten langfristig zusammenarbeiten, um Pläne tatsächlich umzusetzen. „Auf diese Weise können Studenten und Unternehmen gemeinsam an Innovationen arbeiten.“

Ein Blick, wie die Dinge in der Praxis funktionieren

Die Vorträge sind nicht nur für Unternehmer interessant. „Es ist auch für Wissenschaftler sehr lehrreich, sich von den Fachleuten darüber zu informieren, wie die Dinge in der Praxis funktionieren“, sagt Greve. „An der Universität werden Technologien entwickelt, was bedeutet, dass es ein enormes Maß an Wissen gibt. Die Umsetzung in Unternehmen ist jedoch oft schwierig. Deshalb ist es gut, dass Professoren ihre Ideen in solchen Vorträgen mit Unternehmern teilen. Das sind oft diejenigen, die die Technologie irgendwann anwenden werden.“ Auf diese Weise versucht die Universität, Unterstützung und Begeisterung für Technologien zu schaffen, die schließlich auf den Markt kommen werden.

Es gibt noch drei weitere Vorträge der Reihe. Sie finden am letzten Montag des Monats statt und drehen sich um das Internet der Dinge/Digital Twin, Datascience und Photonics. Weitere Informationen finden Sie hier.