Wer Internet sagt, meint WLAN. Aber das wird sich ändern. Zumindest, wenn es nach Signify geht. In Zukunft werden wir beispielsweise keine Radiowellen mehr für das Streamen einer Serie verwenden, denn Internet wird mittels Licht funktionieren. Direkt von der Decke. Die Philips-Ausgründung führt ein Update des Lifi-Systems ein, das das Unternehmen seit einiger Zeit anbietet. Ein Modem, das mit der LED-Beleuchtung Signify verbunden wird, überträgt Daten über nicht wahrnehmbare Vibrationen in der Lampe. Ein USB-Dongle nimmt diese Vibrationen auf und kommuniziert mit dem Modem über Infrarot. Mit der Einführung des neuen Systems erhöht Signify die Geschwindigkeit deutlich: von 30 Mb pro Sekunde auf 150 Mb pro Sekunde. Nach Angaben des Unternehmens reicht das aus, um dreißig Full-HD-Filme gleichzeitig zu streamen. Die Technologie kann vorerst nur von Geschäftspartnern in Bürogebäuden, Krankenhäusern oder Flughäfen bestellt werden. Aber die Philips-Tochter setzt hohe Erwartungen in die Technologie und glaubt, dass sie auch für die Endverbraucher zum Standard werden kann.

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Das Modem, das in die LED-Lampen von Signify passt. © Signify

„Die Technologie steckt immer noch in den Kinderschuhen”, sagt Olivia Qiu, Chief Innovation Officer bei Signify. „In den kommenden Jahren wollen wir das Potenzial von Licht als intelligente Sprache weiterentwickeln.“ Laut Qiu ist das Lichtspektrum mindestens tausend Mal größer als das Spektrum der vom WLAN verwendeten Radiowellen. Laut Ed Huibers, Business Developer Lifi bei Signify ist das wichtig. „Sechzig Prozent des Datenverkehrs erfolgen über Funkwellen. Weltweit werden sogar jeden Monat für zweitausend Jahre mp3-Dateien an Daten gesendet. Das wird erst in den kommenden Jahren zunehmen und auch die Zahl der Geräte, die über Funk mit dem Internet verbunden sind, wird zunehmen.” Laut Huibers entstehen dadurch „Staus” in den bestehenden Netzen. WLAN sei da am besten, wo viele Menschen die Internetverbindung nutzen, sagt Huibers. „Man kann es zum Beispiel in geschäftigen Hotels sehen, wenn Gäste Filme über Netflix schauen oder versuchen, große Dateien herunterzuladen. Die Verbindung schwankt und es Unterbrechungen.“ Huibers will in seiner Präsentation auf die nächste Folie klicken, aber es passiert nichts.

Keine Hochs und Tiefs

Als ob es so geplant gewesen wäre (ist es aber nicht, sagt ein Sprecher), fährt Huibers mit seiner Geschichte fort: „Wissen Sie, warum das pasiert? Alle Ihre Laptops und Telefone, die jetzt versuchen, sich über WLAN zu verbinden, sorgen für eine Überlastung. Mit Lifi wäre das wahrscheinlich nicht passiert”, sagt Huibers. Denn das ist laut Huibers einer der Vorteile des Lichtnetzes: Zuverlässigkeit. Das System unterstützt derzeit bis zu 16 Nutzer, die unter dem LED-Lampenmodem sitzen. Ein USB-Dongle im Computer oder Laptop des Nutzers erfasst das Signal über Infrarot, so dass die Verbindung auch bei ausgeschalteten Lampen funktioniert. „Das Signal ist sehr präzise und funktioniert nur im Sichtfeld der LED-Leuchten. Es gibt keine Störungen durch andere Geräte, da das Spektrum so breit ist. Dadurch bleibt die Verbindung stabil und es gibt kaum Geschwindigkeitsschwankungen. Das ist wichtig für Büros, in denen mit großen Grafikdateien gearbeitet wird. WLAN ist für sie nicht ideal.”

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Ed Huibers zeigt die Unterschiede zwischen WLAN und Lifi. Was auffällt, ist, wie stabil Lifi ist. © IO

Verbindung bleibt im Raum

Ein weiterer wichtiger Vorteil von Licht über Funkwellen ist die Sicherheit. „Ein WLAN-Modem sendet viel weiter, man weiß nicht, wer in der Verbindung mitlesen kann. Wenn Sie mit Lifi die Tür hinter sich schließen, ist das Netzwerk geschlossen. Alle Informationen in diesem Raum bleiben in dem Raum. Das macht diese Lösung für Banken, Krankenhäuser oder Behörden interessant. Das sind alles Orte, an denen man mit sensiblen Informationen arbeitet, ein Leck kann unangenehme Folgen haben.“ Das Netzwerk kann auch mit einem USB-Zugriffsschlüssel gesichert werden, so dass jemand nur mit diesem USB-Stick in seinem Gerät auf die Verbindung zugreifen kann.

Schnellstes Lifi der Welt

Laut Huibers war die Erhöhung der Geschwindigkeit „verdammt harte Arbeit”. Die Technologie wurde 2011 entdeckt und seitdem sind die Entwicklungen pausenlos weitergegangen. Viele Ingenieure haben sich darübert den Kopf zerbrochen. „Wir spielen seit etwa hundert Jahren mit Licht, also wissen wir, was wir tun”, sagt Huibers mit einem Augenzwinkern.

Neben dem für Büros geeigneten System präsentiert Signify ein weiteres Lifi-Produkt. Ein sogenanntes Punkt-zu-Punkt-Netzwerk, das zwei Systeme verbindet. „Nützlich in Fabriken, in denen es viele Geräte gibt, die mit Robotern verbunden sind. Oder Maschinen an Orten in Krankenhäusern, an denen Funkwellen verboten sind.” Dieses Netzwerk kann Geschwindigkeiten von bis zu 250 Mb pro Sekunde erreichen und ist damit die schnellste Lifi-Verbindung der Welt, so Signify. Dieses System verwendet einen sichtbaren Strahl: rot, grün oder gelb. Aber Huibers schließt nicht aus, dass sich das in Zukunft ändern wird.

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Das Trulifi Punkt-zu-Punkt-System. Laut Signify die schnellste Lifi-Anwendung auf dem Markt mit einer Geschwindigkeit von bis zu 250Mb/s. © Signify

Konsumgüter

Daher ist es vorerst nur für gewerbliche oder industrielle Interessenten verfügbar. Wann wird es diese Technologie in Konsumgütern geben? Fui: „Das wird passieren, daran besteht kein Zweifel. Wenn man bedenkt, wie schnell sich das Spektrum der Radiowellen füllt, sehe ich keinen anderen Weg.” Aber bevor es soweit ist, wird es Jahre dauern. „Wir haben es letztes Jahr vorgestellt, jetzt stellen wir weitere Produkte her, die diese Art der Kommunikation unterstützen. Mobiltelefone haben noch keinen Life-Chip. Bevor das soweit ist, muss die Technologie allgemein akzeptiert werden. Es ist schwer zu sagen, wie lange das dauern wird.” Ausgeschlossen sei es aber sicher nicht, betont Qui. „Für WLAN brauchte man in der Anfangszeit ein Dongle, jetzt ist es unmöglich, sich unser Leben ohne WLAN vorzustellen. Warum sollte das für Lifi nicht möglich sein?”