Wegen des Auftritts von Barack Obama beim „World Leadership Summit“ sorgte das Kölner Unternehmen Gedankentanken Anfang diesen Jahres für viel Aufsehen. Bislang war das der Höhepunkt eines Unternehmens, das seit 2012 Vorträge mit Menschen organisiert, die etwas zu sagen haben.

Man kann das Unternehmen mit den „Ted Talks“ aus den USA vergleichen. Gedankentanken ist aber viel mehr als ein Unternehmen, das nur Vorträge organisiert, sagt der Vorstandsvorsitzende Alexander Müller im Gespräch mit Innovation Origins.

„Unser Ziel ist es Menschen zu helfen, sich immer weiterzuentwickeln. In den letzten Jahren haben wir das durch mehrtägige Sessions für Führungskräfte gemacht. In Zukunft wollen wir mit digitalen Tools für Alle aber auch das breite Publikum erreichen.“

Können Sie uns mehr über die Ursprünge Ihres Unternehmens erzählen?

Das Unternehmen wurde 2012 gegründet. In dieser Anfangsphase ging es darum, eine Art deutsche Version der Ted Talks zu schaffen: eine Reihe von Vorträgen im ganzen Land, die Menschen aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft inspirieren. So etwas gab es in Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Unser Fokus wurde aber schon bald viel breiter. Wir kamen zu dem Schluss, dass eine einzige Vorlesung nicht ausreicht, damit Menschen wirklich etwas lernen. So entstand die Idee, Schulungen für Führungskräfte zu organisieren.

Vorstandsvorsitzender Alexander Müller

Wie sehen diese Schulungen aus?

Wir bieten verschiedene Kurse an, sowohl für Gruppen als auch für Einzelpersonen. Unser Hauptprogramm besteht jedoch aus einem einjährigen Gruppenunterricht, der wiederum in 12 separate halbtägige Sitzungen unterteilt ist. Während dieser Trainingseinheiten ist immer ein fester Coach anwesend und es werden Videobotschaften von 24 Experten diskutiert, die ihr Wissen mit den Teilnehmern in einem bestimmten Bereich teilen.

Sind die Trainings nur für Führungskräfte?

Die Sessions, die wir jetzt abhalten, sind es, aber unser Ziel ist es, Apps zu entwickeln, die jeder nutzen kann. Denn nicht nur Manager und Politiker haben den Wunsch, sich weiterzuentwickeln, eigentlich hat den fast jeder Mensch. Der eine will ein besseren Mensch werden, ein anderer möchte lernen, besser mit seinen Gefühlen umzugehen, und ein Dritter will selbstbewusster handeln können. Die große Frage ist, wie man so etwas organisiert. Und wir kamen schnell zu dem Schluss, dass Apps dafür die besten Möglichkeiten bieten. Genau daran arbeiten wir gerade: die Entwicklung digitaler Tools für alle, die an sich selbst arbeiten wollen.

Gedankentanken-Treffen können ziemlich groß sein

Ist das teuer?

Die Entwicklung guter Online-Tools ist sehr teuer und arbeitsintensiv. Ohne die finanzielle Unterstützung von Holtzbrinck Ventures wäre das praktisch unmöglich gewesen.

Wie viel hat Holtzbrinck investiert?

Ich kann Ihnen keinen genauen Betrag nennen, aber es ist ein hoher siebenstelliger Betrag. Ich denke, das macht deutlich, dass sie an unsere Idee und unser Produkt glauben. Das ist eine große Ehre, denn Holtzbrinck hat in der Vergangenheit in viele Start-ups wie Flixbus und Zalando investiert, die jetzt sehr groß sind.

Hatten Sie auch mal Zweifel, ob es gut geht?

Ich bin 2014 in das Unternehmen eingetreten und es war sicher nicht immer einfach. Obwohl wir ständig gewachsen sind, war es immer schwierig, über die Runden zu kommen. Fast die gesamte Finanzierung musste von uns selber kommen. Geld zu verdienen, war unglaublich schwierig. Und das Schlimmste war, dass die Unternehmenskultur viel zu chaotisch war.

2017 kam die Wende. Da haben wir alles, was wir zuvor getan haben, noch mal in Frage gestellt. Seitdem haben wir uns viel mehr auf das Thema Online konzentriert, was sich jetzt anfängt auszuzahlen.

Sie hatten diesem Jahr einen großen Erfolg mit einer Rede von US-Präsident Barack Obama. Werden wir in Zukunft mehr dieser prominenten Persönlichkeiten auf der Bühne sehen?

Ich kann ihnen keine Namen nennen, aber Ja, davon können Sie ausgehen. Rein aus finanzieller Sicht ist es übrigens nicht sehr empfehlenswert, solche Veranstaltungen zu organisieren. Man verdient nur wenig Geld damit und die Risiken sind groß. Wir machen es trotzdem, weil sie für uns eine Möglichkeit bieten, einen größeren internationalen Ruf zu erlangen. Es ist einer Art Marketingtool geworden, eines das uns übrigens sehr viel Spaß macht, und ich hoffe mit uns auch vielen Anderen.