(c) Food Notify

“Ich wünsche mir, dass wir die geplanten Umsätze erreichen. Aber das wird schwer, weil die Gastronomie extrem vom Lockdown betroffen ist, so Thomas Primus, Gründer von Food Notify, ein Warenwirtschaftssystem für die Gastronomie. “Der Vorteil ist, dass sich große Unternehmen jetzt mit der Digitalisierung und Gastronomie Software beschäftigen. Jetzt haben sie Zeit und versuchen, sich besser aufzustellen. Auch wir verbessern momentan unser System und machen Dinge, für die zuvor keine Zeit war. Wir entwickeln gerade ein Analyse- und ein Cateringtool; letzteres zur Planung von Events.”

Es war 2014, als sich der Investmentbanker Thomas Primus auf die Suche nach neuen beruflichen Herausforderungen begab – das Jahr der Allergenverordnung. Er und seine Frau sind begeisterte Hobbyköche und sie diskutierten die Probleme der Umsetzung. Dabei entwickelten sie die Idee einer Gastronomie Software. Eine Datenbank, in der alle Allergene und Zusatzstoffe erfasst sind.

In der Datenbank sollte das System die Allergene errechnen. Voraussetzung war allerdings, dass die Lieferanten die Zusatzstoffe zu ihren Produkten angaben und die Gastronomen die Zutaten zu den Rezepten erfassten. Das war die Geburtsstunde von Food Notify.

Im November 2014 als die Allergenverordnung in Kraft trat, erwirtschafteten sie einen Umsatz von 7000 Euro. Nach ein paar Monaten war der Hype vorbei. Die Gastronomie stellte fest, dass die Allergenkennzeichnung nicht kontrolliert wird. Da musste das Start-up sein System verbessern und herausfinden, was die wirklichen Bedürfnisse und Probleme sind. Food Notify CEO Thomas Primus im Interview mit Innovation Origins:

Gastronomie-Software, Food Notify
Die Food Notify Gründer (c) Food Notify

Foto: (von links nach rechts): Adnan Hanic, Mirza Muharemagic, Christina Primus, Thomas Primus;

Wie hat sich ihre Idee der Gastronomie Software dann weiter entwickelt?

Die Restaurantbesitzer fanden sie gut. Aber sie sagten, es wäre doch viel besser, wenn sie damit auch den Deckungsbeitrag errechnen könnten; zum Beispiel wenn der Preis einer Zutat um 30 Prozent steigt. Also haben wir unser Rezeptmanagement-Tool sukzessive erweitert. Heute haben wir ein warenwirtschaftliches System, das alles erfasst, was im Restaurant passiert: Die Ware wird angeliefert, wird von einem Mitarbeiter übernommen, die Rechnung geht an die Buchhaltung, … all diese Prozesse digitalisieren wir – bis hin zum Gast, der das Gericht bestellt. Und das funktioniert auch. Vorausgesetzt, der Koch hält sich an das Rezept. Es muss ein Kreislauf sein. Wenn wir das Rezept mit der Kasse verbinden, dann haben wir den Lagerbestand in Echtzeit – und können die Neubestellung automatisch auslösen. Wir haben in dem Prozess so viel Zeit gespart, dass zwei bis drei Mitarbeiter eingespart werden können. Wobei wir uns auf große Betriebe ab zwei Filialen konzentrieren.

Im Rückblick: Was war wirklich schwierig?

Man kann es nicht jedem Kunden recht machen. Aber wenn man ein erfolgreiches Produkt entwickeln will, muss man den Kunden zuhören. Wenn wir das nicht gemacht hätten, wären wir heute noch beim Rezeptmanagement-Tool. Außerdem haben wir gelernt, die eigene Persönlichkeit vom Unternehmen zu trennen. Die eigene Meinung ist nicht wichtig. Wichtig ist der proof-of-concept. Erst dann weiß man, dass man am richtigen Weg ist. Ehrlich gesagt, haben wir das richtige Modell erst vor einem Jahr gefunden.

Was macht Sie wirklich stolz?

Tolles Feedback. Zur Zeit führe ich große Unternehmen im Webcast durch Schulungen. Und wenn sie sagen, ‚Das ist richtig geil’, dann ist das wie ein Ritterschlag für uns. Das Feedback gebe ich auch an die Mitarbeiter weiter und das sind Momente, die Spaß machen. Auch ist es schön zu sehen, dass unser Level an Professionalität steigt; zum Beispiel wenn wir die Bewerbungen lesen und sehen, dass wir Talente anziehen.

Gastronomie Software, Food Notify
Gastronomie Software (c) Food Notify

Wie schwer war es, eine Finanzierung für Ihre Gastronomie Software zu bekommen?

Finanzierung ist immer noch eine Herausforderung. Aber ich habe ein starkes Grundvertrauen. Die ersten drei Jahre hatten wir gar keine Finanzierung. Erst stellte INITS 30.000 Euro zur Verfügung, die aber rückzahlbar waren. Später haben wir vom AWS 100.000 Euro bekommen, die nicht rückzahlbar waren. Damit sind wir durch die ersten drei Jahre gekommen. Dann haben wir einen Investor gefunden, der gleichzeitig Sparringspartner ist und wir sind sehr glücklich mit ihm.

Wie geht es Ihnen in der COVID-19 Krise?

Ich wünsche mir, dass wir die geplanten Umsätze erreichen. Aber das wird schwer, weil die Gastronomie extrem vom Lockdown betroffen ist. Der Vorteil ist, dass sich große Unternehmen jetzt mit der Digitalisierung und Gastronomie Software beschäftigen. Jetzt haben sie Zeit und versuchen, sich besser aufzustellen.

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Welche mittelfristigen Pläne haben Sie für Food Notify?

Unser großer Traum ist es, ein internationales Unternehmen zu werden. Aber das ist nicht so einfach, weil jeder Markt eigene Herausforderungen bringt. Wir hätten diesen Sommer am Programm Advantage Austria im Silicon Valley teilnehmen sollen. Dabei hätten wir uns auf den amerikanischen Markt einstimmen können. Durch die COVID-19 Krise wurde das leider verschoben.

Welchen Vorteil hat ihre Gastronomie Software gegenüber anderen Systemen?

Bei einem System wie SAP (Anmerkung: Das drittgrößte europäische Softwareunternehmen) muss ich den Prozess lernen. Bei Food Notify setze ich mich hin, sehe mir die Maske an und kann damit umgehen. Wir wollten es so verständlich machen, dass jeder damit umgehen kann. Das war ein Muss und es ist uns gelungen.

Unsere Konkurrenz sind Warenwirtschaftssysteme, die 30 Jahre alt sind. Eine alte Software-Umgebung kann man schwer in eine neue Phase überleiten. Damals hat man in der Unternehmenssteuerung mit Daten aus der Vergangenheit gearbeitet. Heute haben wir durch die Vernetzung mit anderen Systemen über APIs (Schnittstellen) ganz andere Möglichkeiten. Wir können Daten in Echtzeit darstellen und sofort reagieren, wenn es Abweichungen in den KPIs (Leistungskennzahlen) gibt.

Ein Hotel besteht aus Bar, Restaurant, Spa, … das sind verschiedene Abteilungen mit unterschiedlichen Anforderungen. Wir machen nicht alles, sondern konzentrieren uns auf den Bereich Food & Beverage. Da sind wir Spezialisten – und arbeiten mit allen großen und kleinen Schnittstellen zusammen. Wir sind sozusagen eine Insellösung.

Hiring?

Derzeit nicht. Wir sind durch die COVID-19 Krise in Kurzarbeit und warten, bis sich die Situation wieder beruhigt.

Danke für das Gespräch.

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger ist Schriftstellerin. Sie lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie interessiert sich für neue Trends in Design, Technologie und Wirtschaft. Sie ist besonders gespannt auf interdisziplinäre Tendenzen zu entdecken und Grenzen zwischen verschiedenen Disziplinen zu verwischen. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.