Ohne zusätzliche Kredite, Subventionen oder wohlwollende Investoren wird fast die Hälfte der weltweiten Start-up-Unternehmen die Coronakrise nicht überstehen. Das hat das Forschungsinstitut Startup Genome berechnet. In einem Bericht, der heute Nachmittag erschien, stellte das Forschungsinstitut weiter fest: Etwa drei Viertel der Start-up-Unternehmen mussten Personal entlassen. Vor allem in Nordamerika, Europa und Asien. Startup Genome berät Regierungen bei der Unterstützung und Förderung von Unternehmensgründungen. Das Forschungsinstitut zählt mehr als 100 Unternehmen aus fünf Kontinenten in 38 Ländern zu seinen Kunden. Zwischen Ende März und Mitte April dieses Jahres haben sich 1070 Unternehmen aus 50 Ländern an der Umfrage beteiligt.

Magere finanzielle Reserven

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Start-up-Unternehmen nur über eine geringe finanzielle Reserve verfügen. Meistens reicht sie nicht für mehr als drei Monate. Vor der Krise betraf das etwa 29 Prozent. Durch Covid-19 ist diese Zahl nun auf 41 Prozent gestiegen. Die jungen Unternehmen plagen vor allem Rückzieher bei bereits zugesagten Finanzierungen. Zudem kommen sie deutlich verzögert. Nur in 28 Prozent der Fälle verlief sie normal und Start-up-Unternehmen erhielten die versprochenen Mittel.

Start-up-Unternehmen arbeiten trotz Lockdown weiter

Mehr als zwei Drittel der Gründer senkten ihre Ausgaben seit Dezember 2019. Zunächst kamen die meisten recht gut damit zurecht. Manche Jungunternehmer reduzierten ihre Ausgaben sehr stark – mehr als jedes zehnte Unternehmen um mehr als 60 Prozent. Zu ihnen gehören vor allem technische Start-ups. Sie haben keine Probleme auch abgeschottet weiterzuarbeiten, im Gegensatz zu traditionell aufgestellten Firmen.

Trotz starker Beeinträchtigungen arbeiten 96 Prozent der Jungunternehmen auch während der Krise weiter. Drei von vier Start-up-Unternehmen sind jedoch in Bereichen tätig, die von der Corona-Pandemie stark betroffen sind. Bis jetzt verzeichnen drei Viertel der Gründer einen moderaten Einkommensrückgang. Doch für 16 Prozent wird die Situation immer mehr zur Zerreißprobe. Ihr Umsatz brach um 80 Prozent oder mehr ein.

Soziales Leben erliegt

Marketingmanager Martijn Koerts von InnoEnergy in Eindhoven, ein Unternehmen, das Geld von der Europäischen Kommission und privaten Kreditgebern investiert, äußert sich dazu: “Die von der niederländischen Regierung ergriffenen Maßnahmen, die das soziale Leben und damit die Wirtschaft zumindest bis zum 1. Juni teilweise zum Erliegen bringen, haben eine enorme Wirkung. Viele Festivals wurden zum Beispiel abgesagt. Das ist ein Rückschlag für ein Start-up wie Wattsun, in das wir investieren. Es liefert Batterien für nachhaltige Elektrizität vor Ort, etwa bei Festivals. Sie können sich vorstellen, was das für Auswirkungen haben wird.”

Jede Krise bietet neue Chancen

Die Sorgen verteilen sich nicht gleichmäßig über alle Jungunternehmer.  Firmen, die sich auf das B2B-Segment konzentrieren, schneiden schlecht ab. Gründer, die den Consumer-Markt adressieren, kommen dagegen besser weg. Eine Minderheit profitiert sogar von einem Wachstum. So steigerten zwölf Prozent der Start-ups seit Beginn der Krise ihre Einnahmen um zehn Prozent. Jedes zehnte Jungunternehmen arbeitet in einem Sektor, der sich auf Wachstumskurs befindet. Insbesondere Start-ups, die Lösungen für den Heimunterricht anbieten, erleben goldene Zeiten.

“Jede Krise bietet Chancen”, erklärt Startup Genome in seinem Bericht. “Zum Beispiel startete mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen während einer Rezession. Mehr als 50 “Einhörner” erblickten während der Weltwirtschaftskrise das Licht der Welt. Die Covid-19-Krise bildet da keine Ausnahme”.

Fast zwei Fünftel der Start-ups rechnen in dieser Krise nicht mit finanzieller Unterstützung. Dabei ist es genau das, was sie nun brauchen. Die wichtigsten Maßnahmen ist staatliche Unterstützung, um die Liquidität zu erhalten. Aber auch Maßnahmen zur Investitionsförderung, Unterstützung für Arbeitnehmer wie Lohnmaßnahmen und Darlehen sind nötig. In Europa helfen sowohl die nationalen Regierungen als auch die Europäische Union. So will die Bundesregierung Existenzgründern, die durch die Pandemie in Schieflache geraten sind, mit einem Fonds von zwei Milliarden Euro helfen. “Unsere Wirtschaft lebt davon, dass immer wieder neue Ideen und Unternehmen entstehen”, sagt Finanzminister Olaf Scholz.

Die Niederlande stellen 100 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung

Auch InnoEnergy sucht nach Lösungen. “Diese Start-ups sind unsere neue, nachhaltige Wirtschaft. Wir wollen nicht, dass sie untergehen”. In den Niederlanden beschloss das Kabinett auf Druck der Wirtschaft ein zusätzliches Paket mit wirtschaftlichen Maßnahmen für Existenzgründer. Diese Mittel werden ab der letzten Aprilwoche für Start-ups, Scale-ups und “andere innovative Unternehmen”, die von der Coronakrise betroffen sind, zur Verfügung stehen.

Dann können bei regionalen Entwicklungsgesellschaften Überbrückungskredite beantragt werden. “Diese Unternehmen haben in der Regel eine gesunde Bilanz, aber keine sichere Bankbeziehung. Infolge der Coronakrise ist es für sie derzeit schwierig, sich für Überbrückungskredite an die Bank zu wenden, da sich die Banken nun auf die bestehenden Kunden konzentrieren”, so Minister Wiebes. Für diesen Zweck wird die Regierung zunächst 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die Höhe der Darlehen variiert zwischen 50.000 Euro und 2 Millionen Euro. Allerdings betont die Regierung, dass sie “grundsätzlich gesunde Unternehmen” unterstützt und dass die Kredite nur zur vorübergehenden Überbrückung dienen.

Lesen Sie auch:

EdTech-Firmen durch die Corona-Krise voll am Start

Innovative Start-ups in der Krise wegen Corona-Pandemie

Werden Sie Mitglied!

Auf Innovation Origins können Sie täglich die neuesten Nachrichten über die Welt der Innovation lesen. Wir wollen, dass es so bleibt, aber wir können es nicht allein tun! Gefallen Ihnen unsere Artikel und möchten Sie den unabhängigen Journalismus unterstützen? Dann werden Sie Mitglied und lesen Sie unsere Geschichten garantiert werbefrei.

Über den Autor

Author profile picture Arnoud Cornelissen schreibt schon seit Jahren u.a. in verschiedenen niederländischen Zeitungen über Wissenschaft und Technologie.