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Für eine ökologische und nachhaltige Landwirtschaft brauchen die Landwirte Zugang zu hochwertigem Bio-Saatgut. Daran mangelt es in Europa allerdings noch. Mit dem Projekt LIVESEED will die Europäische Union etwas dagegen tun. „Neues Zuchtmaterial, das durch Projekte wie LIVESEED eingeführt wird, trägt dazu bei, die Abhängigkeit von synthetischen Saatgutbehandlungen zu verringern, indem Sorten gezüchtet werden, die gegen samen- und bodenbürtige Krankheiten resistent sind. Dies wiederum ermöglicht eine umweltfreundlichere Produktion“, so die EU in einem gestern veröffentlichten Zwischenbericht zu dem 2017 gestarteten Projekt.

„Wir wollten zum Beispiel ermitteln, wie transparent der Markt ist“, erklärt die Projektkoordinatorin Ágnes Bruszik von der europäischen Zentrale der internationalen Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen. „Wie ist die aktuelle Lage bezüglich des Angebots an und der Nachfrage nach biologischem Saatgut in der EU? Und welche Faktoren beeinflussen die Landwirtschaft in ihrer Entscheidung für oder gegen biologisches Saatgut?“

An dem Projekt arbeiten Experten aus 18 europäischen Ländern zusammen und prüfen dabei auch bestehende nationale Datenbanken über die Verfügbarkeit von ökologischem Saatgut. Und sie lassen auch politische Verfahren, sowohl europaweit als auch auf Länderebene, nicht außer Acht. Da das Saatgut, das zum Einsatz kommen soll, zu den jeweiligen lokalen Verhältnissen passen muss, wollten die Wissenschaftler auch sehen, wie die Verfügbarkeit biologischer Sorten mit spezifischen Eigenschaften ausgeweitet werden kann. Dazu zählen etwa eine höhere Toleranz gegenüber Stress oder Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten.

Maßnahmen für eine ökologische Landwirtschaft

Die Forscher hatten sich im Rahmen des Projekts 60 Teilziele gesteckt. So wollten sie erstmals Daten zu Angebot und Nachfrage von ökologischem Saatgut in Europa erheben und eine Router-Datenbank auf EU-Ebene aufbauen. Dadurch können Saatgutlieferanten ihre Angebote mit nur einem einzigen Eintrag in unterschiedliche nationale Datenbanken einspeisen. Insgesamt wurden für LIVESEED mehr als 800 Biobauern zu verschiedenen Aspekten befragt, so dass die Wissensplattform am Ende auch einen eigenen Bereich für Saatgut und Zuchtverfahren enthielt.

„Wir entwickeln darüber hinaus eine neue Strategie für die Gesundheit biologischen Saatguts sowie einen Fahrplan, der vorgibt, wie bis 2036 ausschließlich biologisches Saatgut verwendet werden kann“, so Bruszik. „Diese Strategie wird die Herstellungsbedingungen des Saatguts berücksichtigen und die Reife, das Mikrobiom und die Auswirkungen von sanitären Behandlungen biologischen Saatguts betrachten.“

Außerdem hat das Projektteam neue Versuchsmodelle für biologische Sorten entwickelt, die im täglichen Betrieb angewendet werden können. So können die Bauern sie selbst testen und auf diese Weise herausfinden, wie sie verbessert werden sollten, um sie an ihre lokalen Bedingungen anzupassen.

Hochgesteckte Ziele

Aber nicht nur neue Zuchtmaterialien, auch das sogenannte systembasierte Zuchtkonzept sei ein innovativer Aspekt von LIVESEED, betont die Projektkoordinatorin. „Dieses lädt die Gemeinschaft der biologischen Pflanzenzucht dazu ein, über ihre Wertschöpfungsketten hinauszublicken und die biologische Züchtung im Rahmen allgemeinerer Ziele der nachhaltigen Entwicklung einzubinden“, merkt Bruszik an. „Die nächsten Schritte werden sich damit befassen, das Konzept in operative Ziele aufzuschlüsseln und diese dann umzusetzen.“

Bis zum Jahr 2030 soll rund ein Viertel aller landwirtschaftlichen Flächen in der EU für den ökologischen Landbau genutzt werden. LIVESEED könnte dabei helfen, dieses Ziel zu erreichen. „Für die Landwirte umfassen die Vorteile dieses Projekts unter anderem einen verbesserten Zugang zu einer breiteren Auswahl qualitativ hochwertigen Saatguts, fundierteres Wissen über die Saatgutherstellung sowie die Fähigkeit, neue oder vielversprechende Sorten unter ihren eigenen klimatischen Bedingungen erproben zu können“, so Bruszik. „Neue Zuchtmaterialien, die von Projekten wie LIVESEED eingeführt werden, tragen dazu bei, die Abhängigkeit von synthetischen Saatgutbehandlungen zu reduzieren, indem Sorten gezüchtet werden, die gegen saatgut- und bodenbürtige Krankheiten resistent sind. Das wiederum ermöglicht eine umweltgerechtere Produktion.“

Die Forscher arbeiteten zudem an neuen EU-Öko-Verordnungen mit. Hier standen besonders neue Arten biologischer Vermehrungsmaterialien für Zuchtpflanzen im Fokus. „Die Kommission hat vor, Kriterien für die Beschreibung der Eigenschaften dieser biologischen Arten festzulegen und ihre Herstellungs- und Vermarktungsbedingungen zu bestimmen“, so Bruszik. „LIVESEED stellte eine Liste positiver Beispiele für Kulturpflanzenarten bereit, die in Erwägung gezogen werden sollten.“

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.