Jährlich erkranken weltweit rund zwei Millionen Frauen neu an Brustkrebs, der mit 30,5 Prozent noch immer die häufigste Krebserkrankung bei Frauen ist. Laut Zahlen der Deutschen Krebsgesellschaft liegen die Neuerkrankungen in Deutschland bei mehr als 70.000, knapp 20.000 betroffene Frauen sterben daran. In der EU gab es im vergangenen Jahr 400.000 neue Fälle und Wissenschaftler gehen davon aus, dass jede achte Frau in den EU-Ländern noch vor ihrem 85.Geburtstag an Brustkrebs erkranken wird.

Behandelt wird eine Brustkrebserkrankung im Allgemeinen mit Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie. Dennoch greifen diese Therapiemethoden nicht immer oder sie wirken nur vorübergehend. Auch wenn in Deutschland mittlerweile 80% der Patientinnen die Brustkrebsdiagnose länger als fünf Jahre überleben, ist die Rückfallquote noch immer relativ hoch. Genauer gesagt liegt die Rückfallquote bei ER-positiven Brustkrebs in den ersten fünf Jahren bei ca. 10 %, in den Jahren 15 bis 20 sinkt sie auf ca. drei Prozent.

Gemeinschaftsprojekt von sieben EU-Ländern

Im Rahmen von MESI-STRAT, einem mit rund sechs Millionen Euro von der Europäischen Union gefördertem Projekt, wollen Forscher nun neue Marker für personalisierte Therapien bei Brustkrebs finden. Dazu forscht ein Ärzte-Konsortium von 14 Partnern aus sieben Ländern – Großbritannien, Deutschland, Niederlande, Norwegen, Spanien, Belgien und Österreich – derzeit, welche Wechselwirkungen zwischen zellulären Signalnetzwerken und dem Stoffwechsel in Tumoren bestehen.

Geleitet wird MESI-STRAT von der Biochemikerin Kathrin Thedieck, Ph.D., vom Institut für Biochemie der Universität Innsbruck. „70 bis 80 Prozent aller Brustkrebsfälle sind Östrogen-Rezeptor-positiv. Nicht nur Frauen sondern auch Männer sind betroffen.“, sagt Thedieck. Die Standardbehandlung bei diesen hormonabhängigen Tumoren sei die endokrine Therapie. „Dabei wird durch die Blockade des Östrogenrezeptors das Wachstum des Tumors verhindert. Allerdings erleiden rund 30 Prozent aller Betroffenen einen Rückfall, der aufgrund fehlender frühzeitiger Screening-Methoden oft erst spät erkannt wird.“

Univ.-Prof. Dr. Kathrin Thedieck leitet das von der Europäischen Union geförderte Projekt MESI-STRAT. © Universität Innsbruck

Rückfall früher erkennen

Das Hauptziel der Wissenschaftler sei es, Marker zu finden, die leicht messbar sind und einen Rückfall möglichst früh anzeigen, heißt es bei MESI-STRAT. Bei einem Rückfall sollte es außerdem erleichtert werden, die effektivste Behandlungsoption zu finden. Im Zentrum der Forschung stehen hierbei die Stoffwechselprodukte des Tumors, die bei regelmäßigen Kontrollen im Blut oder Urin leicht nachweisbar sind. „Wir können diese Stoffwechselprodukte bereits messen, aber verstehen noch zu wenig, welche Rückschlüsse sie auf Tumorwachstum und Signalnetzwerke erlauben. Da viele Therapien direkt in die Signalnetzwerke von Tumoren eingreifen, hilft ein besseres Verständnis ihres Einflusses auf den Stoffwechsel bei der Identifizierung verlässlicher Marker für die Diagnostik“, erklärt Kathrin Thedieck.

Laut Dr. Petra Engele von der Universität Innsbruck könnte die Rückfallquote durch eine längere Therapie möglicherweise um knapp drei Prozent gesenkt werden – was weltweit Tausenden von Frauen das Leben retten würde. „Es gibt eine Studie in der durch fünf zusätzliche Jahre endokrine Therapie die Rückfälle um 2,8 % reduziert werden konnten“, sagt die Wissenschaftlerin. „Andere Studien haben hingegen keine signifikante Reduktion feststellen können. Daher wird vor allem jüngeren postmenopausalen Patientinnen, die eine endokrine Therapie in den ersten 5 Jahren gut vertragen haben, eine Verlängerung der Behandlung empfohlen. Insbesondere wenn sie ein erhöhtes Rezidivrisiko (zB Metastasen in den Lymphknoten) haben.“

Beste Therapie bestimmen

Auf längere Sicht sollen die besseren Marker nicht nur helfen, die beste Therapie zu bestimmen, sondern zum geplanten Behandlungsende auch eine Rückfallwahrscheinlichkeit abschätzen zu können, glaubt Thedieck. „Bisher wird die endokrine Therapie in der Regel fünf Jahre lang – manchmal auch länger – angewandt. Die Rückfallwahrscheinlichkeit bleibt bei dieser Form des Brustkrebses allerdings über 20 Jahre relativ konstant. Ein entsprechendes Screening könnte anzeigen, wer von einer Verlängerung der endokrinen Therapie profitiert, und wer nur ein geringes Rückfallrisiko hat und deshalb diese – natürlich mit Nebenwirkungen verbundene Behandlung – nach fünf Jahren beenden kann.“

Diese Nebenwirkungen sind oft nicht nur unangenehm, sondern können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und das Entstehen neuer Krankheiten begünstigen. „Für die endokrine Therapie sind verschiedene Medikamente zugelassen, deren Nebenwirkungen reichen von Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, vaginalen Blutungen und Schmerzen im Bereich des erkrankten Gewebes bis hin zu Arthritis und Osteoporose“, so Engele. MESI-STRAT ist ein 57-monatiges Projekt (Fördervolumen 5,95 Mio. Euro) und wurde im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 754688 aus dem Forschungs- und Innovationsprogramm der Europäischen Union Horizon 2020 finanziert. Das Projekt läuft noch bis Ende September 2022.

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