Spätestens bis 2038 will Deutschland aus der Energiegewinnung durch Braunkohle aussteigen, das letzte deutsche Atomkraftwerk soll bereits 2022 abgeschaltet werden. Neben dem aktuell heiß diskutierten Flüssiggas (oder auf lange Sicht auch statt dessen) muss das Land den Umstieg auf andere Energiequellen schaffen. Beim Umstieg auf erneuerbare Energiequellen gibt es aber vor allem einen zentralen Punkt: die Speicherung überschüssiger Energie.

Von dieser Entwicklung neuer Energiespeichersysteme hängen nämlich – direkt oder indirekt – diverse Wirtschaftszweige und Technologien ab. So benötigen Elektroautos leistungsfähige(re) Batterien und elektrische Netze, die aus zeitlich schwankenden erneuerbaren Energiequellen wie Photovoltaikanlagen oder Windrädern gespeist werden, können durch stationäre Stromspeicher stabilisiert werden.

Das Fraunhofer-Projektzentrum ZESS will nun daran arbeiten, mobile und stationäre Energiespeichersysteme an die industrielle Reife heranzuführen und zukunftsfähige Lösungen mit Fokus auf die Technologiereifegrade vier bis sechs zu demonstrieren. Dafür bindet das Zentrum das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS, das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM und das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in eine enge Kooperation mit der Technischen Universität Braunschweig ein.

Der Startschuss für das fiel am 7. Februar im im Niedersächsischen Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik in Braunschweig. „Energiespeicher sind das entscheidende Puzzleteil dafür, unsere industriell geprägte Volkswirtschaft sicher und verlässlich mit erneuerbaren Energien zu versorgen“, sagte Stephan Weil, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen. „Hinzu kommt, dass es uns ohne effektive Energiespeicher nicht gelingen wird, den Mobilitäts- und Wärmesektor umweltschonend umzubauen. Ich bin froh darüber, dass wir mit dem ZESS in Braunschweig nun in Niedersachsen einen weiteren Leuchtturm der Forschung und Entwicklung haben, um Innovationen in diesen Bereichen erfolgreich zur Marktreife zu entwickeln.“

Ulrich Markurth, Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, freute sich, dass seine Stadt Standort des neuen Forschungszentrums ist. „Schon jetzt hat sich die Forschungsregion Braunschweig gerade auch durch das Wirken des NFF als niedersächsischer Spitzenstandort in der Fahrzeug- und Verkehrstechnik etabliert. Nun kann der Forschungsschwerpunkt Mobilität flankiert von einer Bundeseinrichtung weitergeführt und abgerundet werden“, betonte er.

„So freue ich mich sehr, dass Braunschweig im Rahmen des Standortwettbewerbs den Zuschlag bekommen hat. Bei der Abstimmung der Bewerbungsunterlagen haben die TU und die Stadt Braunschweig Hand in Hand gearbeitet. Diese Kooperation und der exzellente Ruf unserer TU gerade im Kontext der Mobilitätsforschung haben sicherlich zusätzlich zu den zu erwartenden Synergieeffekten im Forschungsbereich dazu beigetragen, dass sich Braunschweig letztlich als Standort eines derartig innovativen Forschungszentrums durchsetzen konnte. Mit der Ansiedlung wurde erneut der Nachweis erbracht, dass Spitzenforschung in Braunschweig ihre Heimat hat.“

Synergien nutzen

Über das Projektzentrum können Synergien verschiedener Fraunhofer-Institute und der etablierten Battery LabFactory Braunschweig (BLB) der TU Braunschweig genutzt und ein interdisziplinäres und institutsübergreifendes Geschäftsfeld aufgebaut werden. Daher steuern die Fraunhofer-Gesellschaft und das Land Niedersachsen für die fünfjährige Startphase auch insgesamt 20 Millionen Euro bei. Danach ist der Aufbau eines Demonstrators in Peine als Dependance des Projektzentrums geplant.

„Das Fraunhofer-Projektzentrum ZESS flankiert die aktuellen Bemühungen von Wirtschaft und Politik, den notwendigen Umbau des deutschen Energiesystems durch hoch entwickelte elektrische Energiespeicher und Brennstoffzellen abzusichern und dadurch den Technologiestandort Deutschland langfristig zu stärken“, bekräftigte Prof. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. „Unser Vorhaben wird das strategisch wichtige Feld der Energiespeicherforschung substanziell weiter stärken. Dadurch werden wir nicht nur Arbeitsplätze in Produktion und Entwicklung sichern, sondern auch die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland nachhaltig festigen.“

Prof. Anke Kaysser-Pyzalla, Präsidentin der TU Braunschweig, meinte die Region Braunschweig-Wolfsburg biete „ausgezeichnete Möglichkeiten“ für die Erforschung von modernen Energiespeichern. „An der TU Braunschweig betreiben wir Grundlagenforschung und gemeinsam mit unseren Industriepartnern anwendungsnahe Forschung. Wichtige Themen sind dabei die Energieversorgung und die Mobilität der Zukunft“, sagte sie. „Wir freuen uns auf die neue Form der Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft. Sie bietet für die gemeinsame Forschung nun noch mehr Möglichkeiten und Entwicklungsperspektiven. Mein besonderer Dank gilt der Stadt Braunschweig. Sie fördert unseren Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort, indem sie unsere gemeinsamen Ziele aktiv, zuverlässig und unbürokratisch unterstützt.“

Titelbild: Beim Startschuss für das Fraunhofer-Projektzentrum für Energiespeicher und Systeme ZESS in Braunschweig (v.l.n.r.): Prof. Arno Kwade, Institutsleiter des iPAT der TU Braunschweig, Prof. Christoph Herrmann, Institutsleiter des Fraunhofer IST, Prof. Heinz Jörg Fuhrmann, Vorsitzender des Senats der Fraunhofer-Gesellschaft, Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Anke Kaysser-Pyzalla, Präsidentin der TU Braunschweig, Stephan Weil, Ministerpräsident von Niedersachsen, Ulrich Markurth, Oberbürgermeister der Stadt Braunschweig, Prof. Michael Stelter, Stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer IKTS, Prof. Alexander Michaelis, Institutsleitder des Fraunhofer IKTS, Prof. Matthias Busse, Institutsleitder des Fraunhofer IFAM. ©fraunhofer