So stellen sich NASA-Planer den zukünftigen Luftverkehr über den Metropolen vor. Flugzeuge mit Piloten sind mit einem gelben Kreis markiert, autonome Fluggeräte mit einem roten. Illustration: NASA

Mit dem Kleinflugzeug zur Arbeit? Oder in Blankenese ins Flugtaxi steigen, um zügig zum Flughafen Fuhlsbüttel zu kommen? Das könnte die Zukunft des Luftverkehrs über der Elbmetropole sein. Wissenschaftler am Institut für Lufttransportsysteme der Technischen Universität Hamburg (TUHH) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben jüngst ein Konzept für die urbane Luftmobilität über der Hansestadt vorgelegt. Die Forscher um Professor Volker Gollnick betrachteten dabei nicht nur das eigentliche Stadtgebiet, sondern auch die wesentlich größere Metropolregion Hamburg. Sie reicht im Norden bis nach Dithmarschen hinein und im Süden bis Lüchow-Dannenberg.

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Ein Lufttaxi-Netz für Hamburg?

Als Luftfahrzeuge nahm das Team um Volker Gollnick nicht nur senkrecht startende Flugtaxis, wie sie Airbus,  Volocopter oder Lilium  entwickeln, unter die Lupe. Sie interessierten sich auch für autonome Drohnen, die Fracht oder Passagiere befördern. Weil es zu diesen Fluggeräten aber nicht genug verlässliche Daten gibt, nutzten sie für ihre Studien eine Art generisches Flugtaxi. Wichtig waren Fragen nach der Lärmbelastung, der Geschwindigkeit, der Verkehrsdichte in der Luft und der Tauglichkeit als Geschäftsmodell. Zudem untersuchten sie, wie die Akzeptanz in der Bevölkerung wohl ausfallen würde.

Täglich pendeln rund 500 000 Menschen nach Hamburg hinein und wieder hinaus. Bei ihrer Untersuchung gingen die Wissenschaftler von der Annahme aus, dass ein Prozent dieser Pendler auf Flugtaxis umsteigt. Damit würden täglich rund 4500 Flüge zusätzlich den Luftraum über Hamburg durchqueren. Das Konzept wäre machbar, würde allerdings die Situation am Boden kaum beeinflussen. „Das Verkehrschaos am Boden lässt sich durch Lufttaxis nicht beheben“, sagt Professor Volker Gollnick. Dafür sei die Zahl der Flüge zu gering. „Die Lufttaxis sind ein Zusatzangebot“, meint Gollnick.

Lufttaxis: Schneller als der Verkehr am Boden

Airbus-Vision: City-Flugplatz für kleine Senkrechtstarter.
Illustration: Airbus

Im Stadtgebiet sind schnellere Reisezeiten durchaus möglich. Es gibt genügend wirtschaftliches Potential, um ein Lufttaxi-Netz erfolgreich betreiben zu können. „Durch Flugtaxis kann man auf vielen Strecken im Hamburger Stadtgebiet schon etwa die Hälfte der Reisezeit einsparen“, sagt Gollnick. Der Hamburger Luftraum bietet nach den ersten Erkenntnissen genügend Kapazität, um neben den heute normalen rund 400 kommerziellen Flugbewegungen am Tag auch einen massiven Anstieg zu verkraften. Zudem gibt es im Stadtgebiet genug Flächen, um Start- und Landeplattformen zu errichten. Die Lufttaxis müssten nur schneller als der Bodenverkehr sein. Das wären Geschwindigkeiten um 100 km/h. Sie könnten dann in Abständen von wenigen hundert Metern fliegen. Der entstehende Fluglärm läge bei rund 75 dB, entspräche also dichtem Straßenverkehr. Allerdings plädiert Gollnick dafür, Taxis und Drohnen in Luftkorridoren fliegen zu lassen, die den grossen Hauptverkehrsadern folgen. So bliebe der zusätzliche Lärm gering.

Weiterer Forschungsbedarf

Überwachung und Kontrolle des städtischen Luftverkehrs sollte nach Gollnicks Ansicht eine lokale oder regionale Behörde übernehmen. Bislang fehlen hierfür aber geeignete Flugführungs- und Überwachungssysteme. In ihren Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass in der Bevölkerung autonome Flugzeuge mit Pasagieren skeptisch gesehen werden, Lufttaxis mit Piloten dagegen nicht.

Als nächste Schritte wollen die Forscher untersuchen, wie hoch die Lärmbelastung wirklich wäre. Zu klären wäre zudem, wie hoch die Kosten für Fluggeräte und Infrastruktur sein würden und ob die Bevölkerung den Fluglärm akzeptieren würde. Erst danach sind Handlungsempfehlungen an die Politik möglich.

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