Erektionsstörungen, Haarausfall, vorzeitiger Samenerguss – alles Themen, über die kein Mann gerne redet. Auch nicht mit seinem Arzt. Direct Health ist eine Plattform, die es sich zur Mission gemacht hat, Männern insbesondere bei diesen Problemen zu helfen und ihre Gesundheit zu verbessern. Durch Telemedizin-Technologie können sie auf einem diskreten, bequemen und preisgünstigen Weg eine Behandlung von approbierten Ärzten erhalten. Direct Health hat seinen Sitz in München.

Nico Hribernik, Co-Founder Direct Health, im Interview mit Innovation Origins

Wie kamen Sie auf die Idee zur Gründung des Start-ups? (Angst von Männern mit einem Arzt direkt über die Probleme zu sprechen?)

Ansatzpunkt war die Erkenntnis, dass gerade bei gesundheitlichen Männerthemen immense ‚Treatment Gaps’ – also die Lücke zwischen statistisch nachgewiesener Prävalenz einer medizinischen Indikation und dem tatsächlichen Verbrauch von Arzneimitteln – bestehen. Diese ‚Treatment Gaps’ sind bei Männern anders als bei Frauen, die seit ihrer Pubertät vielmehr gewohnt sind, regelmäßig und vorbeugend einen Gynäkologen aufzusuchen und somit über medizinische Themen zu sprechen, vor allem durch emotionale Barrieren begründet:
– Sich selber eingestehen, dass man ein Problem hat.
– Bereit sein, mit einer 3. Person über dieses Problem zu sprechen und Hilfe zu suchen.
– Nach erfolgter Diagnose physisch in eine Apotheke zu gehen und bei einer zumeist weiblichen Angestellten das Medikament erfragen.
Natürlich sind diese Barrieren und somit ‚Treatment Gaps’ vor allem bei gesellschaftlich (zumindest gefühlt) stigmatisierten Themen wie Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguss oder ähnlichen urologischen Themen am größten. Aber selbst bei sehr gängigen Indikationen wie Fußpilz, Herpes oder Hämorrhoiden tun sich Männer um einiges schwerer Hilfe zu suchen und lassen die sonst einfach zu heilenden Krankheiten oft lange unbehandelt.
Und hier wollen wir ganz simpel Lösungen anbieten:
Eine rein digitale Customer Experience – von Arztbesuch bis hin zum Medikamentenversand.
Eine starke und positiv besetzte Marke, die für medizinische Glaubwürdigkeit, einfache Lösungen und einem positiven Zugang zur Thematik steht.

Direct Health

© Direct Health

Was macht Direct Health im Vergleich zu anderen Unternehmen besonders?

Unser Hauptaugenmerk liegt auf der gesamten Direct-to-Consumer Customer Experience (Arzt, Diagnose, Rezept, Apotheke, Medikament), die die oben beschriebenen emotionalen Barrieren so angenehm wie möglich für den Kunden löst aber gleichzeitig transparent, verantwortungsvoll und vertrauenswürdig mit medizinisch heiklen Themen umgeht. Wir wollen lieber auf eine Kaufkonvertierung verzichten, als dass wir nicht proaktiv Risiken und Nebenwirkungen ansprechen oder mit sonstigen medizinischen Aspekten hinter dem Hof halten. Das sehen wir leider bei vielen Mitberwerbern, gerade aus dem Online Apothekenbereich mit Sitz in UK nicht. Bei uns wird jeder Aspekt von allgemein zugänglich medizinischen Informationen bis hin zum Prozess der Anamnese und Medikamentenempfehlung von Fachärzten angeleitet und durch einen starken medizinischen Beirat überwacht. Das alles wird durch unsere Marke Spring repräsentiert und nachhaltig aufgebaut.

Wie funktioniert die Ferndiagnose? Wie ist es Ihnen gelungen, die Ärzte an Bord zu holen?

Wir bieten zwei Wege der Ferndiagnose bzw Anamnese:
1. Rein Fragebogen-basiert. Hier werden die vom User gemachten Angaben entlang eines detailliert ausgearbeiteten Anamnesebogens von in UK und Irland ansässigen Ärzten geprüft, verifiziert und ausgewertet. Daraufhin entscheidet der Arzt ob ein Rezept ausgestellt wird oder nicht.
2. Video-Sprechstunde: Mit Ratifizierung des GSAVs durch die deutsche Bundesregierung (vorraussichtlich Juli 2019), werden wir daneben auch videobasierte Sprechstunden mit deutschen Fachärzten anbieten. Diese Sprechstunden können vom User alternativ zur Fragebogen-Diagnose aber auch für reine Beratungsgespräche und Zweitmeinungen genutzt werden.

Was war die größte Hürde, die Sie überwinden mussten?

Im Rahmen der vergleichsweise sehr strikten deutschen Regulatorik, einen DTC-Ansatz designen zu können, welcher zwar alle gesetzlichen Bestimmungen einhält aber es gleichzeitig schafft, eine durchgehende Markenerfahrung über alle Teilbereiche der oben beschriebenen Customer Experience zu gewährleisten. Dies beinhaltet in unserem Fall auch die Medikamentenerfahrung.

Gab es einen Moment, an dem Sie aufgeben wollten?

Nein. Wir wissen, dass wir am Anfang einer großen Umwälzung des Healthcare-Markets stehen und, dass, selbst wenn heute rechtliche Hürden noch sehr hoch erscheinen, diese früher oder später als Teil der gängigen Digitalisierung der Gesellschaft fallen werden. Wir müssen als deutsche oder europäische Gesellschaft nur aufpassen, dass,  wenn diese Hürden fallen, nicht wieder nur amerikanische oder asiatische Digitalanbieter die Gewinner sein werden, weil unsere lokale Gesetzgebung uns als hiesige Startups so lange gehemmt hat um sich gleichwertig zu entwickeln.

Und umgekehrt: Was war für Sie in Bezug auf die Gründung der beste Moment? Was hat Sie besonders stolz gemacht?

Den ersten echten Nutzer auf der Plattform mit abgeschlossener Experience und anschließend positivem Feedback miterlebt zu haben.

Worauf dürfen wir uns in den nächsten Jahren freuen, sprich: Was können wir in den kommenden Jahren von Ihnen erwarten?

Ein stetig wachsendes Portfolio an Indikationen, die über unsere Plattform bedient werden können und hier vor allem auch eine Erweiterung des Angebots durch Therapieformen, die das aktuell rein-medikamentöse Spektrum bereichern und vervollständigen können.

Was ist Ihre Vision für Direct Health?

Dass unsere Plattform(en) die Nummer 1 Anlaufstellen für medizinisch heikle Themen aber einfache Lösungen sind.

Hintergrund:

Gründer: Nico Hribernik und Dr. Manuel Nothelfer. Daneben gibt es ein erweitertes Founding Team aus drei WHU-Absolventen, Ba-Khai Tran, Noah Leonavicius und Moritz Funk, die zusammen mit den Gründern von Tag-1 am Aufbau der Company und des Produktes beteiligt sind.
Die zwei Gründer kommen aus sehr komplementären Hintergründen für Direct Health. Nico Hribernik hat einige Jahre bei Procter & Gambel Brand Management im FMCG und Luxury Goods Bereich gelernt. Danach hat er in Asien die ersten Male selber unter anderem im DTC Healthcare Bereich gegründet und war nach seiner Rückkehr nach Deutschland Head of Brand von FlixBus. Dr. Manuel Nothelfer hat seine Lehrjahre bei BCG als Berater verbracht bevor er mit Betreut.de sein erstes Startup gegründet hat. Dieses hat er nach dem Merger mit Care.com bis hin zum IPO mitgeführt. Danach war er COO von Auxmoney, welches ähnlich wie Direct Health als digitale Plattform in einem hoch regulierten Markt arbeitet. Vor der Gründung von Direct Health war Manuel Vertriebsvorstand von ERGO Direkt.

Gründungsjahr: 2018

Finanzierung: Venture Capital. Im Januar 2019 haben wir eine größere Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen, welche von HV Holtzbrinck Ventures als Lead Investor angeführt wurde. Daneben haben wir zu diesem Zeitpunkt eine Reihe an Business Angel Investoren an Board genommen, welche wir sehr dezidiert nach jeweiligen Expertisen ausgewählt haben. Hierbei handelt es sich um namhafte Urologen, C-Levels aus der Pharma- und Kosmetikindustrie sowie erfahrenen Gründern aus schon weiter entwickelten Startups, die in ähnlichen Bereichen wie wir agieren.

Anzahl Mitarbeiter: 25 und wöchentlich wachsend

Vision: Direct Health zur Nummer 1 Anlaufstelle für medizinisch heikle Themen zu machen.