Cutting Room 4.0 by Lectra (c) Lectra

Die Industrie 4.0 fordert eine agile Modeindustrie, die personalisierte Kleidung auf Abruf designt und produziert. Geschwindigkeit zählt. Lectra entwickelte eine digitale Technologie, welche die Produktionszeit um über achtzig Prozent reduziert.

Das Internet hat die Mode-Industrie radikal verändert. Die Trends sind schneller geworden und die Verbraucher anspruchsvoller. Kleidung soll hochwertig, erschwinglich und nachhaltig sein. Gleichzeitig soll sie dem persönlichen Stil entsprechen – und sofort verfügbar sein. Das stellt die Produzenten vor eine große Herausforderung. Die Modeproduktion ist komplex. Durch die Personalisierung müssen zusätzlich die Wünsche der Konsumenten vorweggenommen werden.

In der Vergangenheit bauten Trendprognosen auf Verkaufszahlen auf. Mit Daten aus der Vergangenheit zu arbeiten, ist in einem Geschäft, das vom ständig Neuen lebt, problematisch. Gehen die Kollektionen nicht mit der aktuellen Nachfrage konform, droht Überproduktion – und das belastet die Umwelt: Unverkäufliche Ware wird verbrannt oder auf der Mülldeponie entsorgt.

Personalisierung

Der Konsument spricht, man muss ihm nur zuhören, sagt Peter Jeavons, Managing Director Europe von First Insight. Für ihn führt der Weg in die Zukunft der Modeproduktion über Advanced Analytics. Diese lassen eine aktuelle Perspektive auf Konsumentenverhalten zu und damit die Antizipation von Trends. Aber auch das traditionelle Design-Verkauf-Produktion-Modell ist in der Industrie 4.0 obsolet. Der Verkauf muss vor der Produktion erfolgen, damit Konsumenten die Produktgestaltung beeinflussen können, so der Analyst.

Jeavons sprach im Rahmen einer Konferenz, die den Launch einer neuen disruptiven Technologie begleitete: Fashion on Demand by Lectra. Die französische Lectra Gruppe arbeitet schon seit zwölf Jahren an Lösungen für die Industrie 4.0 in der Mode-Industrie. Marktforschung ist Teil der Produktentwicklung.

Beschleunigung

Fashion on Demand ist die erste Software und Zuschnitt-Lösung für personalisierte Kleidung und ist für Maßanfertigung und kleine Serien geeignet. Mehr als die digitale Organisation von Design und Entwicklung, bietet die Lösung einen individualisierten und automatisierten Arbeitsablauf und eine enorme Beschleunigung. In einer konventionellen Arbeitsumgebung nimmt der Prozess zwei Stunden in Anspruch. Mit der Technologie von Lectra sind es nur mehr zwanzig Minuten. Weitere Vorteile sind geringere Kosten und höhere Qualität.

Kollaboration

Alle Aufgaben von Design und Entwicklung sind durch Algorithmen digitalisiert und automatisiert. So ist es ein Algorithmus, der zum Beispiel die virtuelle Anordnung der Schnitt-Teile übernimmt. Für die beteiligten Teams bedeutet die digitale Plattform einen gemeinsamen virtuellen Arbeitsort. Die zuvor linearen Arbeitsabläufe werden zu einem frühen Zeitpunkt verbunden und parallel abgehandelt. Durch die Sichtbarkeit und Dokumentation des gesamten Produktions-Prozesses wird jede Phase der Produktentwicklung transparent und kontrollierbar. Zusätzlich wird die Zusammenarbeit der Teams durch die Integration von Social Media-Tools gefördert, welche die Kommunikation in Echtzeit ermöglichen.

Vollautomatisch

Die Ausgangsposition jeder Personalisierung bildet die Stoff-Bibliothek. Darin sind die Stoffe mit ihren physischen Eigenschaften wie Materialzusammensetzung, Volumen, Dehnbarkeit, … schriftlich dokumentiert. Diese Daten dienen der Einstellung des Cutters, der die Charakteristik der Stoffe berücksichtigen muss. Aufbauend auf der Stoffwahl erfolgen Design und Schnitterstellung sowie die schriftliche Dokumentation. Am Ende des vollautomatischen Prozesses steht der Zuschnitt.

Sensibel

Im Zuschnitt werden die Schnitt-Teile präzise und stoffsparend angeordnet. Die ergänzende Hardware, der Cutter Vector, übernimmt den ebenso automatischen Zuschnitt. Vector arbeitet papierlos, die virtuelle Schnittauflage wird direkt umgesetzt. Das ist enorm zeitsparend; besonders bei gemusterten Stoffen, bei denen die Platzierung des Musters auf dem Kleidungsstück bedacht werden muss. Bei gestreiften oder karierten Stoffen zum Beispiel, müssen die horizontalen Linien an den Seitennähten übereinstimmen. Außerdem ist Vector in der Lage, einzelne Stofflagen zuzuschneiden. Das erfordert Sensibilität. Weil diese leichter verrutschen als etwa mehrere aufeinander geschichtete Stoffe, die in der Serienproduktion gleichzeitig zugeschnitten werden. Der Zuschnitt für ein Hemd dauert etwa drei bis vier Minuten.

Maßfertigung

Einer, der das System bereits nutzt, ist Stéphane Quiniou Generaldirektor der Groupe Marck in Frankreich. Sein Unternehmen fertigt Arbeitskleidung für Fast Food-Ketten und Uniformen für Armee, Polizei und Fluglinien. Die Uniformen müssen an allen Figurtypen gut sitzen und werden nach Maß gefertigt. Quiniou stand vor der Situation, entweder mehr Personal einzustellen, oder eine neue Technologie zu implementieren. Die Technologie von Lectra bot eine überraschende Lösung, die gleich mehrere Probleme löste. Insbesondere schätzt Quiniou die schnelleren Arbeitsprozesse und die erhöhte Präzision. Außerdem kann der Cutter auch am anderen Ende der Welt kontrolliert werden, so Quiniou.

 

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger ist Schriftstellerin. Sie lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie interessiert sich für neue Trends in Design, Technologie und Wirtschaft. Sie ist besonders gespannt auf interdisziplinäre Tendenzen zu entdecken und Grenzen zwischen verschiedenen Disziplinen zu verwischen. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.