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Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck verwendete unlängst eine Bezeichnung, die aufhorchen ließ: „Mit Tesla-Geschwindigkeit“.

Damit war nicht etwa ein Tesla Model S Plaid gemeint, das in rund 2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen kann und zudem eine Top-Speed von über 300 km/h entwickeln kann. Es war eine Anspielung auf die Eröffnung der ersten europäischen Tesla-Fabrik in Brandenburg – die mit dem sinnigen Namen „Giga Berlin“.

‚Relativ‘ schnell gebaut

Elon Musk ist ein Getriebener, bei uns sagt man „der hat Hummeln im Hintern“. Was nichts anderes bedeutet, als dass solche Menschen viele Dinge gleichzeitig in die Hand nehmen und dynamisch eine Menge bewegen. Faulenzen kommt im Leben dieser „Macher“ nicht mal als Vokabel vor.

Zweieinhalb Jahre dauerte es von der Planung bis zum ersten „German Delivery Day“ am 22. März 2022, an dem die ersten 30 Tesla Model Y feierlich vom großen Meister persönlich übergeben wurden. Allerlei Prominenz war anwesend und trotz der Ukraine-Krise und einem bestimmt vollen Terminkalender liess es sich nicht einmal Bundeskanzler Scholz nehmen, persönlich ein paar Worte am Eröffnungstag an das Publikum zu richten.

Die Deutschen mal so richtig stolz

Man konnte es den deutschen Offiziellen richtig anmerken, dass sie in sich ruhend und unglaublich stolz darauf waren, dass es möglich gemacht wurde, eine solche Industrieansiedlung innerhalb von „nur“ zweieinhalb Jahren  durchzuziehen.  Freilich mussten da einige Bürokraten über ihre Schatten springen und die Musk-Company baute auf eigenes Risiko. Das Damoklesschwert des Abrisses und der „Renaturierung“ drohte bis zur endgültigen Genehmigung vor ein paar Wochen.

Umweltschützer und Anwohner bekämpften die Tesla-Ansiedlung vehement. Man machte sich Sorgen über den „Wald“, der nichts anderes als ein schnöder Nutzwald war, man verlangte die Umsiedlung von allerlei Getier wie Ameisen und Eidechsen und „Aktivisten“ ketteten sich schon mal an dürre Nutzwald-Bäume an, um die Rodung zu verhindern. Alles vergeblich. Die offiziellen Stellen wollten Musks Ansiedlung nicht gefährden und drückten hier und da ein Auge zu.

NIMBY Hochkonjunktur

NIMBYs (not in my backyard) hatten Hochkonjunktur. Die „Anwohner“ der dünn industrialisierten Region versuchten die Fabrik nach allen Regeln der Kunst zu verhindern. Ja, man machte sich sogar Sorgen über die zukünftigen Verkehrsverhältnisse. Dass zigtausende von neuen, teilweise hochqualifizierten Arbeitsplätzen entstehen sollten und die Region eine wirtschaftliche Aufwertung erleben würde, ließ man nicht gelten.

Letztlich, so die Lesart, würden die „Amis“ ohnehin nur polnische Gastarbeiter bevorzugen, weil die günstiger zu haben wären. Und dann die Wasserknappheit. Bis zuletzt kämpften Umweltaktivisten mit der härtesten Bandage: der Wasserversorgung, die durch die Fabrik gefährdet sei. 

Und dann war da noch die Subventionspolitik der deutschen Administrationen. Milliarden würde man dem amerikanischen Unternehmen in den Allerwertesten schaufeln. Ein Einwurf, den man vermutlich kaum gehört hätte, hätte ein deutscher OEM hier gebaut. 

Elektromobilität

Zudem ist die Elektromobilität natürlich noch nicht überall gerne gesehen. Viele halten sie immer noch für einen vorübergehenden „Hype“ von „grünen Aktivisten aufoktroyiert“, die Zukunft, so die Überzeugung vieler Deutschen, liegt ohnehin im Wasserstoff, E-Fuels oder anderen noch zu erfindenden Antriebskonzepten.

Manchmal erwartet man gar, dass die Gegner mit Mistgabeln ganz wie im Mittelalter oder Hollywood-Horror-Filmen die Fabrik noch in letzter Minute verhindern könnten. 

Es hat alles nichts genützt. 

Die Zukunft, die Musk im Gegensatz zum Ottonormaldeutschen nicht fürchtet, kam mit „Tesla-Geschwindigkeit“. 

Fürchten müssen sich durch diesen Präzedenzfall eigentlich die Bürokraten, Verhinderer und ewig gestrigen Bedenkenträger. Von denen erwartet man in Zukunft ähnlich „schnelle“ Entscheidungen.

Das dürfte auch der Grund sein, weshalb Robert Habeck die neue Geschwindigkeit so beschwört. Denn für die ökologische Energiewende, die Deutschland zukünftig durchziehen möchte, braucht es eine (weit) höhere Schlagzahl als bislang. 

Ob aber „Tesla-Geschwindigkeit“ hier ausreichen wird, darf bezweifelt werden. Für Musk war es offenbar schnell genug. Sein wichtigster tweet auf Deutsch lautete: „Danke Deutschland!“

Über diese Kolumne

In einer wöchentlichen Kolumne, die abwechselnd von Eveline van Zeeland, Eugène Franken, PG Kroeger, Katleen Gabriels, Carina Weijma, Bernd Maier-Leppla, Willemijn Brouwer und Colinda de Beer geschrieben wird, versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, die manchmal durch Gastblogger ergänzt werden, arbeiten alle auf ihre Weise an Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Hier finden Sie einige der bisherigen Folgen.

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